Rudolph: "Beweismittel manipuliert"

Prien - Schon längst ist auf der Seebühne der Vorhang gefallen. Und doch ist sie immer noch allgegenwärtig. Die Aufarbeitung ihrer Finanzierung sorgt für heftigste Auseineandersetzungen. Jetzt eskaliert der Streit!

Thorsten Rudolph, der ehemalige Geschäftsführer der Priener Tourismus- und der Chiemsee-Seebühnen-Gesellschaft (PTG und CSG), wirft Bürgermeister Jürgen Seifert vor, "Beweismittel mutwillig und vorsätzlich zu manipulieren".

Keine andere Diskussion erregt die Gemüter in Prien derzeit so sehr wie die Aufarbeitung der Finanzbeziehungen zwischen dem Markt Prien, der PTG und der CSG. Immer wieder dreht sich der Streit um die Seebühne - und damit immer wieder auch um den ehemaligen Geschäftsführer der beiden Gesellschaften. Ein Gutachten, das die Marktgemeinde hatte anfertigen lassen, übergab sie dem Staatsanwalt. Nicht nur zivilrechtlich, auch strafrechtlich will die Gemeinde den Ex-Geschäftsführer nach dessen Angaben belangen.

Über ihren Anwalt Martin Bäumker in Prien habe die Marktgemeinde, so Rudolph gegenüber der Chiemgau-Zeitung, Strafanzeige gegen ihn erstattet. Der Staatsanwalt habe ihn aufgefordert, Stellung zu nehmen, bislang aber "noch nicht einmal eine Voruntersuchung" vorgenommen, wehrt sich Rudolph, der am Chiemsee lebt, gegen eine Vorverurteilung.

Der Ex-Geschäftsführer von PTG und CSG erhebt schwere Vorwürfe und spricht von einem "Skandal". Ins Zentrum seiner Kritik rückt er den Rathauschef. Die Geschichte entwickelt sich laut Rudolph zu einem "Kriminalfall Seifert". Der Bürgermeister werde sich "zivilrechtlich und strafrechtlich verantworten müssen". Rudolph wirft dem Rathauschef vor, "Beweismittel mutwillig und vorsätzlich zu manipulieren" und "falsche Tatsachen vorzutäuschen". Er und sein Anwalt haben die von der Gegenseite eingereichten Akten seinen Angaben zufolge "durchforstet". In vielen Fällen hätten sie "schon auf den ersten Blick" feststellen müssen, dass Seifert "fahrlässig recherchiert" habe.

Rudolph nennt ein Beispiel aus dem Bereich Reisekosten: Im Februar 2006 hatte er im "Arlberg Hospiz Hotel" in St. Christoph übernachtet. Er sei dort im Urlaub gewesen und habe die Rechnung über 400 Euro über seine Kreditkarte mit Geld von seinem privaten Konto bezahlt. Ihm werde jetzt aber unterstellt, so Rudolph, dass er eine Dienstreise unternommen und das Geld von seinem Arbeitgeber zurückgefordert habe - und zwar, wie er weiter sagt, noch dazu "mit Häme". So sei in der Strafanzeige zu lesen: "Nun ist durchaus bekannt, dass es sich nicht nur im Februar am Arlberg besonders gut und kostenintensiv Skifahren lässt."

Bürgermeister Seifert, am vergangenen Donnerstag um Stellungnahme gebeten, war bis zum gestrigen Montag nicht bereit, sich zur Sache zu äußern. Auf Rudolphs Vorwürfe der "mutwilligen und vorsätzlichen Manipulation von Beweismitteln", der "Vortäuschung falscher Tatsachen" und der "fahrlässigen Recherchen" teilte gestern lediglich Anwalt Bäumker mit: "Derartige Behauptungen könnten den Tatbestand der Verleumdung, der Beleidigung und der falschen Verdächtigung erfüllen."

Streit um Rechtsschutz

Mit Verweis auf seinen Dienstvertrag fordert Rudolph von seinem ehemaligen Arbeitgeber Rechtsschutz. Die Sicherheit, die Anwaltskosten nicht selbst bezahlen zu müssen, habe ihm die PTG bislang jedoch nicht gegeben. Als er einst in die Dienste der GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Marktgemeinde, eingetreten sei, so Rudolph, habe die PTG eine Rechtsschutzversicherung für ihn, den Geschäftsführer, abgeschlossen. Diese Vereinbarung stehe im Dienstvertrag mit der PTG.

Die Strafrechtsschutzversicherung hat Rudolph nach eigenen Angaben bereits zugesagt, die Anwaltskosten, die ihm entstehen, zu übernehmen. Allerdings nur unter einer Voraussetzung: Die PTG müsse als Versicherungsnehmerin zustimmen. "Der Rechtsschutz steht mir laut Dienstvertrag zu", sagt Rudolph. Es sei nur eine "formalrechtliche Sache".

Bislang jedoch haben nach Angaben von Rudolph weder Ferdinand Reb, der jetzige Geschäftsführer der PTG, noch Jürgen Seifert, der Bürgermeister, das Okay gegeben. Rudolph geht mit dem Rathauschef hart ins Gericht und spricht von "reiner Willkür". Seifert handle "fahrlässig". Wenn Rudolph nicht den Rechtsschutz über die PTG erhalte, dann klage er - und dann laufe die PTG Gefahr, die Anwaltskosten übernehmen zu müssen - Kosten, die zwischen 50.000 und 100.000 Euro liegen könnten.

Bürgermeister Seifert teilte auf Anfrage mit, dass das "zuständige Gremium" in seiner nächsten Sitzung am morgigen Mittwoch "über die Frage der Zustimmung zu einer Rechtsschutzanfrage von Herrn Magister Thorsten Rudolph entscheiden wird". Dazu der Ex-Geschäftsführer: "Was muss der Gemeinderat beraten, über ein Recht, das mir zusteht?" Seifert gehe es "nicht mehr um sachliche und neutrale Aufklärung, sondern darum, mich finanziell und imagemäßig zu schädigen". Auf jeden Fall jedoch werde er, Rudolph, die Anwaltskosten geltend machen. "Ab heute tickt das Taxameter."

Gernot Pültz/Chiemgau-Zeitung

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