Schlange stehen für Krippenplatz

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Prien - In ein paar Monaten möchte die Gemeinde mit dem Bau eines neuen evangelischen Kindergartens mit Hort und drei Krippengruppen beginnen.

Er soll das alte "Haus für Kinder Marquette" ersetzen und unmittelbar daneben entstehen. Beim Tag der offenen Tür wurde deutlich, wie dringend vor allem die zusätzlichen Krippenplätze gebraucht werden. Sogar Schwangere standen Schlange bei der Anmeldung.

Der Bauantrag für den Komplex, der aus zwei baugleichen, quadratischen Gebäuden bestehen soll, die ein Mittelbau verbindet, liegt zur Genehmigung beim Landratsamt in Rosenheim. 2,4 Millionen Euro sollen verbaut werden, rund 1,7 Millionen sind von staatlicher Seite als Zuschuss avisiert. Den Großteil ihres Anteils hat die Kommune für heuer in den Haushalt eingeplant, der Rest soll im nächsten Jahr beglichen werden.

Ende vergangenen Jahres hatte der Marktgemeinderat zudem ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet, denn die Kommune will östlich des Neubaus auf Grund, den sie vor Jahren schon erworben hatte, sechs Parzellen für Einzel- und Doppelhäuser ausweisen. Der Verkauf dieser Grundstücke soll, wenn Baurecht besteht, einen Teil der nötigen Gelder einbringen, um das neue "Marquette" finanzieren zu können.

Demnächst soll nach Informationen aus dem Rathaus ein Fachbüro mit der Weiterentwicklung des komplexen Bebauungsplans beauftragt werden.

Zwischenzeitlich ist die Frist für die sogenannte vorzeitige Bürgerbeteiligung abgelaufen. Die Stellungnahmen der am Verfahren beteiligten Behörden sowie die Bedenken und Anregungen der Bürger sollen voraussichtlich in der März-Sitzung behandelt werden, hieß es auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung aus dem Bauamt im Rathaus.

Der Unsicherheitsfaktor des Bebauungsplanverfahrens ist der Umstand, dass das komplette Areal im Geltungsbereich der Chiemsee-Schutzverordnung liegt. Während für den neuen Kindergarten aus dem Landratsamt schon Zustimmung mit Verweis auf die soziale Bedeutung dieser Einrichtung signalisiert wurde, gibt es für die Bauparzellen von der Genehmigungsbehörde in Rosenheim noch keine belastbare Aussage, ob deren Ausweisung im Landschaftsschutzgebiet erlaubt wird. Im Priener Rathaus hat man sich einen Baubeginn noch im ersten Halbjahr zum Ziel gesetzt.

Dass aufs Tempo gedrückt wird, hat auch einen rechtlichen Hintergrund. Ab 1. August 2013 haben Eltern einen gesetzlichen Anspruch auf einen Krippenplatz. Kann eine Kommune den nicht decken, muss sie für alternative Betreuungskosten aufkommen..

Während das bürokratische Bauantrags- und Bebauungsplanverfahren seinen Lauf nimmt, hoffen Mitarbeiter, Kinder und ihre Eltern im "Marquette" darauf, dass alles klappt, wie es sich die Gemeinde vorgenommen hat. Denn ganz abgesehen von den Schwächen, die der verschachtelte Altbau mit seinen vielen Winkeln und Zimmerchen hat, scheint der Bedarf gerade für Krippenplätze auch in Prien rapide zu steigen. "Wir bekommen schon fast Münchener Verhältnisse", kommentierte eine Mitarbeiterin das Gedrängel beim Tag der offenen Tür gerade in der Krippe. 20 Mädchen und Buben bis drei Jahre teilen sich im "Burgschloss", wie die aneinandergefügten Fertigbauelemente wegen ihrer äußerlichen Verkleidung genannt werden, 14 Ganztagsplätze. Nach dem Neubau sollen es 36 Plätze sein, verteilt auf drei gleich große Gruppen, also fast dreimal so viele.

Vor dem Büro von "Marquette"-Leiterin Karin Loos, die Anmeldungen entgegennahm, bildete sich eine lange Schlange von allein erziehenden Müttern und Ehepaaren, deren Nachwuchs noch getragen werden musste, weil er so klein ist, dass er noch gar nicht laufen kann. Den allermeisten Interessenten ging es schon gar nicht nur um Plätze für heuer, sondern für 2013 oder sogar 2014 - auch einige Schwangere standen geduldig Schlange vor dem Anmeldebüro.

Der Termin für den Freitagnachmittag der offenen Tür war bewusst gewählt, um möglichst vielen Berufstätigen die Möglichkeit zu eröffnen, sich umzusehen.

Wer im nahezu zugeparkten Fliederweg (an einer Seite der schmalen Sackgasse hatte die Gemeinde wohlweislich Halteverbotsschilder aufgestellt) oder mit viel Glück sogar unmittelbar vor dem Kinderhaus einen Parkplatz fand, konnte an Führungen mit den Erzieherinnen durch das Haus teilnehmen, sich bei Kaffee und Kuchen stärken und sein Glück bei einer Tombola des Fördervereins versuchen. Nicht wenige Eltern ließen ihren Nachwuchs probehalber Krippenluft schnuppern, um herauszufinden, ob sich die Kleinen in der fremden Umgebung wohlfühlen.

Eine junge Mutter erzählte der Chiemgau-Zeitung beispielhaft, dass eine Bekannte ihr Kind schon im dritten Schwangerschaftsmonat für einen Krippenplatz angemeldet habe. Ein Vater berichtete, dass seine Frau schon zweimal eine Arbeitsstelle absagen musste, weil sie keinen Krippenplatz bekämen.

Für nicht wenige ist nicht nur die begrenzte Aufnahmekapazität eine Hürde, sondern auch die Tatsache, dass noch kein größeres Geschwisterkind das "Marquette" besucht. Denn die werden im Zweifelsfall bevorzugt.

Wie "Marquette"-Leiterin Karin Loos gestern auf Anfrage erklärte, sind zwar noch nicht alle Anmeldungen vom Tag der offenen Tür elektronisch erfasst, aber für das nächste Krippenjahr ab September sind es zwischen 30 und 40 Mädchen und Buben, die auf der Liste stehen. "Wir schauen, was wir möglich machen können."

Weil im Sommer überdurchschnittlich viele jetzige Krippenkinder in den Kindergarten im gleichen Haus wechseln werden, können voraussichtlich mehr Anmeldungen für bis zu Dreijährige berücksichtigt werden als im vergangenen Jahr. "Wir haben etwas mehr Luft", sagte Loos. Sie rechnet aus Erfahrung zudem damit, dass sich die ein oder andere Anmeldung noch "relativiert", also zurückgezogen wird, wenn sich die Lebenssituation der Antragsteller noch ändert, zum Beispiel eine Mutter beschließt, doch länger zur Betreuung eines Kinders zuhause zu bleiben als ursprünglich geplant.

db/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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