Schlosshotel-Sanierung als Zankapfel

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Derzeit steht es leer: Das Schlosshotel Herrenchiemsee.

Herrenchiemsee - Die Kosten für die Sanierung des Schlosshotels auf der Herreninsel sind um zwei Millionen Euro nach oben korrigiert worden. SPD und Grüne im Landtag fühlen sich verschaukelt, die CSU beschwichtigt. ** Video **

Der langjährige Pächter Hans Huber plant derweil eine Anzeige wegen "Rufmord". Als die Abgeordneten des Haushaltsausschusses am vergangenen Donnerstag die Herreninsel besuchten, wollten sie den Zustand des staatseigenen Schlosshotels unter die Lupe nehmen. Schließlich hatten sie bereits 5,9 Millionen Euro für dessen Sanierung bewilligt. Die veranschlagte Summe entstammte einer Schätzung.

Der Pächter, behauptete an jenem Tag eine Vertreterin des Staatlichen Bauamts in Rosenheim, habe sich geweigert, seine Räume für eine Überprüfung der Bausubstanz zu öffnen. Es klang wie eine vorbeugende Erklärung dafür, dass man sich vielleicht bei den Kosten verschätzt haben könnte. Hat man dann auch. Aus den ursprünglichen 5,9 Millionen sind 7,93 Millionen Euro geworden.

"Ich habe nichts verweigert!", beteuert dagegen der langjährige Pächter Hans Huber auf Anfrage und fühlt sich zu unrecht an den Pranger gestellt. Der Eindruck, der tatsächliche Aufwand habe erst nach Einstellung des Gaststättenbetriebes im November 2008 festgestellt werden können, sei falsch: "Behinderungen der Untersuchungen des Bestandes während des Gaststättenbetriebes unsererseits hat es zu keiner Zeit gegeben. Diesen Vorwurf lassen wir nicht auf uns sitzen."

Schlosshotel Herrenchiemsee

Über seinen Anwalt bereitet Huber jetzt eine Anzeige wegen "Rufmord" vor. "Wir haben als erste auf die Baufälligkeit und auf die hohe Durchfeuchtung des Kellers hingewiesen. Jetzt stehen wir auf einmal als Sündenböcke da", ärgert er sich. Bereits 2004 hatte sein Anwalt die Schlösser- und Seenverwaltung über die Schäden informiert. "Wie Ihnen aus einer Vielzahl von Mitteilungen unseres Mandanten bekannt ist, ist das Pachtobjekt erheblich baufällig", heißt es in dem Schreiben von 2004, das von Rissbildungen in den Decken, die zum Teil schon "herunter gefallen" seien, und mürben Außenmauern spricht und diese Schäden mit Bildern dokumentiert. In den vergangenen fünf Jahren haben nach Angaben von Huber außerdem zahlreiche Fachfirmen und Restauratoren - "oft wochenlang" - das Anwesen begutachtet. Stets habe er die Untersuchungen unterstützt - "schließlich liegt mir das Anweisen, in dem ich geboren und aufgewachsen bin, sehr am Herzen."

Während der Betriebszeit des Schlosshotels von April bis Ende Oktober habe er die Fachleute lediglich gebeten, nicht während der Mittagszeit den Presslufthammer anzusetzen. Nur in der Küche hätten bis zum Auszug in das jetzige Gastronomiezelt aus hygienischen Gründen keine Untersuchungen stattfinden können. Adelheid Rupp, SPD-Vorsitzende des Haushaltsausschusses, fühlte sich bei der Sitzung gestern im Landtag "für doof verkauft". Die Mängel seien seit 2004 bekannt. Zudem wurden für den Nachtragshaushalt 350000 Euro "Inselzuschlag" draufgerechnet. Rupp: "Ich denke, man hat schon vorher gewusst, dass Herrenchiemsee eine Insel ist." Rupp zur Seite sprang Eike Hallitzky (Grüne). Die Kostensteigerung sei "ein Desaster für die Bauverwaltung". Die Planungen seien "schlampig". CSU und Schlösserverwaltung mühten sich gestern vergebens, die Wogen zu glätten. Georg Winter (CSU): "Ich verstehe die Aufregung nicht."

Mehrkosten bei Bauvorhaben seien "leider normal". Man stehe unter dem "Zeitdruck des Konjunkturprogramms" und habe "mit heißer Nadel" stricken müssen. Auch Mathias Pfeil von der Schlösserverwaltung kann kein schlampiges Vorgehen erkennen. Ausschussmitglieder seien eben keine Architekten, die Kosten während des laufenden Betriebs und unter Zeitdruck nicht genauer zu bestimmen gewesen. Gegen die Stimmen der SPD und der Grünen ging der Antrag durch. FDP und FW sahen "keine bessere Alternative".

Von Thomas Schmidt und Heike Duczek

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