Per Schneckenpost ins Internet

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Landkreis Rosenheim - Laptop und Lederhose, dieser Slogan soll für das moderne Bayern stehen. Doch wenn es um die Grundvoraussetzung dafür geht, hapert es in so mancher Rosenheimer Landgemeinde noch gewaltig.

Statt per Datenautobahn müssen viele mit der Schneckenpost ins Internet. Wie drängend das Problem in der Region ist, zeigte die Präsentation einer Studie zur Breitbandsituation im Landkreis Rosenheim. 37 von 46 Landkreisbürgermeistern hatten den Weg ins Landratsamt gefunden.

Höslwangs Bürgermeister Josef Eisner hatte kürzlich Besuch in seinem Rathaus. Ein Bürger klagte ihm, sein Sohn könne seine Hausaufgaben nicht machen. Der Grund: Die Familie, die etwas außerhalb wohnt, kann keinen DSL-Anschluss bekommen. "Auch unsere Gewerbetreibenden sind mit den niedrigen Übertragungsgeschwindkeiten im Internet nicht zufrieden", erzählt Eisner. "Dabei ist eine vernünftige Breitbandversorgung auch für kleine Unternehmen heute elementar." Katholischer Kindergarten und Pfarrverwaltung leiden ebenfalls: Sie sind an einen Zentralserver in Eichstätt angeschlossen. Angesichts der Übertragungsgeschwindigkeit wird jeder Ausdruck zum Geduldsspiel.

Abhilfe ist nicht in Sicht: Die Telekom will der Kommune, die unter vier Ortsvorwahlbereiche fällt, nicht einmal ein Angebot machen. "Wir haben zwar ein technisch mögliches Angebot vorliegen, aber das können wir uns nicht leisten", so Eisner.

Von wegen Datenautobahn: In so mancher Landkreisgemeinde sind die Übertragungsgeschwindigkeiten niedrig.

Höslwang ist kein Einzelfall im Landkreis Rosenheim. Als jetzt im Landratsamt eine Breitbandstudie vorgestellt wurde, folgten 37 von 46 Landkreisbürgermeistern der Einladung. Karl Manstorfer vom Ingenieur-Büro IKT aus Regensburg stellte die Studie vor. Seit Fazit: Um in allen Ortsteilen im Landkreis eine schnelle Internetverbindung anbieten zu können, muss das Breitbandnetz erheblich ausgebaut werden. Abhängig davon, ob sich ein Netzbetreiber engagiert oder ob auf längeren Strecken statt eines Glasfaserkabels Richtfunk verwendet wird, schwankten die Kostenschätzungen zwischen acht und 17 Millionen Euro.

Eine Befragung von Betrieben und Privathaushalten im Rahmen der Breitbandstudie zeigt den Handlungsbedarf auf.

Aufgabe des Ingenieurbüros war es, technisch und finanziell machbare Lösungen für die Region unter Berücksichtigung der vorhandenen Infrastrukturen zu finden. Bei den Gemeinden wurden anstehende Baumaßnahmen abgefragt, bei denen man kostengünstig Kabel oder Leerrohre verlegen könnte. Aus der Summe dieser Ergebnisse wurden für jede einzelne Gemeinde verschiedene Lösungen per Breitband, Kabelnetz oder Richtfunk samt Kostenansätzen vorgestellt. So sollen die Kommunen eine besser Entscheidungsgrundlage erhalten, wenn es um die Wahl der Übertragungstechnik geht.

Deutlich wurde, dass ohne zusätzliches finanzielles Engagement der Gemeinden keine Verbesserung kommen wird. Die Netzbetreiber investieren nur dort, wo es sich auch lohnt. In der ländlichen und hügeligen Struktur des Landkreises machen aber Entfernung und Lage der nicht versorgten Gebiete ein Breitbandnetz teuer.

Landrat plant Zweckverband

Landrat Josef Neiderhell will bei dem Thema jetzt Gas geben. Sein Vorschlag: Die Gemeinden, die Handlungsbedarf haben, sollen sich in einem Zweckverband zusammenschließen. Auf diese Weise erhofft sich Neiderhell eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den Netzbetreibern. Auch hat die Studie gezeigt, dass in vielen Fällen eine Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen technisch und finanziell sinnvoll ist.

Bereits Anfang September soll im Rahmen einer Dienstbesprechung der Bürgermeister der Verband gegründet werden. "Bis Mitte November sollten wir wissen, was wir wollen", so der Landrat. Die Zeit drängt: Die Staatsregierung unterstützt den Breitbandausbau finanziell. Doch für ganz Bayern stehen für das laufende Jahr nur 47 Millionen Euro bereit.

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

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