Schon weit über 1800 Gemälde erfasst

Prien - Dem Markt gehören fast 1900 Bilder. So viele Stücke haben zwei Kunsthistorikerinnen in den vergangenen zwölf Monaten penibel erfasst. Informationen über den Künstler und vieles mehr lagert nun in einer Datenbank.

Jetzt sollen die beiden Fachfrauen auch die etwa 5000 Exponate des Heimatmuseums inventarisieren - vom kunstvollen Schreibtisch über viele Priener Hüte bis zum alten Nachttopf. Vor einem Jahr hatte die Marktgemeinde auf Initiative von Kulturreferentin Dr. Claudia Trübsbach Historikerin Lydia Zellner und Volkskundlerin Michaela Firmkäs beauftragt, die Depots zu durchforsten und jedes Bild, jede Grafik genau zu katalogisieren. Die generalstabsmäßige Bestandsaufnahme wird laut Trübsbach auch durch die Landesstelle für nichtstaatliche Museen und eine großzügige Spende des verstorbenen Prieners Klaus Kotter ermöglicht.

Zwei Tage pro Woche haben die beiden Fachfrauen seitdem, unterstützt von Kreisheimatpfleger Karl J. Aß, damit verbracht, alle Werke mit allen verfügbaren Daten zu erfassen. In 680 Stunden haben sie 1872 Objekte gesichtet, zugeordnet und ihr Spezialprogrammm mit Daten gefüttert.

Aufgebaut haben sie ihre Arbeit auf zwei alten, handschriftlichen und zum Teil ungenauen Inventarlisten aus den Jahren 1913, als das Heimatmuseum gegründet wurde, und 1955. Die handwerkliche Arbeit bestand vor allem darin, die Bilder für die Datenbank abzufotografieren und mit Inventarnummern zu versehen. Ein Speziallack sorgt dafür, dass keine wertvollen Materialien geschädigt werden und die Nummern auf der Rückseite der Bilderrahmen nicht mehr verloren gehen können wie frühere, aufgeklebte Zettel.

Das EDV-Programm der Landesstelle für nichtstaatliche Museen ermöglicht eine umfassende und strukturierte Katalogisierung. Künstler, Titel und Alter des jeweiligen Werks (falls vorhanden), eine Kurzbescheibung des Motivs oder Angaben über die Materialien gehören ebenso dazu wie Versicherungs- undSchätzwert der Objekte. Auch die Historie wird erfasst, also die Vorbesitzer, soweit sie bekannt sind.

Wichtig sind auch die genauen Größenangaben. Zellner und Firmkäs haben jedes Bild und jede Grafik vermessen. Diese Angaben können beispielsweise künftig eine große Hilfe sein, wenn Ausstellungen geplant und entschieden werden muss, welche Objekte wo aufgehängt werden. Auch Übersichten über den Fundus von Werken einzelner Künstler, der im Besitz der Marktgemeinde ist, sind zur Planung von Ausstellungen auf Knopfdruck in Sekundenschnelle verfügbar und müssen nicht mehr zeitaufwändig aus alten Unterlagen zusammengetragen werden.

Nach dem Abschluss der Inventarisierung des gemeindlichen Gemäldebesitzes hat der Hauptausschuss des Marktgemeinderates in seiner jüngsten Sitzung die beiden Fachfrauen nun beauftragt, auch die Bestände des Heimatmuseums nach dem gleichen System zu erfassen.

Museumsleiter Aß schätzt, dass es sich um rund 5000 Exponate handelt. Eine Vorhersage, wie lange es dauert, bis alle Stücke - vom Schreibtisch, an dem Schriftsteller Felix Dahn saß, über Weihnachtskrippen bis zu Geschirr, Porzellan und Kleidungsstücken - katalogisiert sein werden, mochte keiner der Beteiligten treffen. Weil es sich um so viele unterschiedliche Stücke handelt, wird es aber wohl noch lange dauern. Bei einer ausgestellten Krippe zum Beispiel muss die Situierung abfotografiert werden, bevor die Figuren zur Erfassung herausgenommen werden, damit sie anschließend wieder alle in ihre exakten Positionen gebracht werden können.

Für Trübsbach und Aß ist die Inventarisierung die Grundlage für eine Neukonzeption des Museums nach modernen, museumspädagogischen Gesichtspunkten. Schon vor sieben Jahren hatte Aß ein Grobkonzept erarbeitet. In einem "Museumsgespräch" mit allen Freunden und Förderern der Einrichtung wurden zudem später Eckpunkte diskutiert und erarbeitet.

Auch das Gebäude selbst gilt seit langem als sanierungsbedürftig. Vor Jahren war lediglich das Dach erneuert worden, weil es undicht war und die Gefahr bestand, dass wertvolle Stücke irreparabel beschädigt werden.

Ein Gutachten bescheinigt der Priener Sammlung ob ihrer Qualität überregionale Bedeutung als kunst- und kulturgeschichtliches Zentrum der Chiemseeregion und stellt sie dabei auf eine Stufe mit dem Römermuseum "Bedaium" in Seebruck.

Bis dies auch durch die Art der Präsentation zum Ausdruck kommt, könnte es allerdings noch dauern. Zweimal hatte der Marktgemeinderat in jüngerer Vergangenheit eine Entscheidung über einen Architektenwettbewerb zurückgestellt, obwohl das Geld dafür Trübsbach zufolge bereit liegt - zuletzt, weil kurz zuvor ein neues Förderprogramm für Ortszentren aufgelegt worden war und sich Prien dafür bewerben wollte. Und das Heimatmuseum musste sich dem großen Ganzen unterordnen.

Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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