Letzte Klasse der Hauptschule Übersee

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Die letzte Hauptschulklasse der Überseer Schule mit ihrem Lehrer Paul Dorsch (links hinten). Eine Absolventin fehlt auf dem Foto.

Übersee - Zum letzten Mal haben in Übersee Schüler ihren Hauptschulabschluss entgegen genommen. Am Ende kamen alle durch die Prüfung.

Elf Buben und zwei Mädchen haben in der Überseer Schule ihren Hauptschulabschluss, zehn von ihnen sogar den Quali, erfolgreich bestanden. Die Abschlussfeier war heuer geprägt von einer ganz besonderen Abschiedsstimmung, denn es waren die letzten Hauptschul-Absolventen in Übersee. "Ihr habt heute Geschichte geschrieben, nicht nur für euch selbst, sondern für die ganze Schule", meinte Bürgermeister Marc Nitschke.

Die Entlassfeier begann zünftig: Drei Absolventen legten zur Ziach-Musi von Karl Pummer zwei Schuhplattler hin. Das musikalische Gegenstück dazu lieferte später die letztjährige Absolventin Maria Ullrich mit Gitarre und Gesang.

Nachdenkliche Töne schlug dann der frühere Schulleiter Hans Aderbauer an. Er verglich einen Schüler mit einem jungen Zwetschgenbaum und den Lehrer mit einem Gärtner. Dieser könne den Baum nur pflegen, düngen, in Form schneiden und wohlwollend begleiten. Wurzeln schlagen, wachsen und Früchte tragen müsse der Baum aber selbst.

Bürgermeister Nitschke gab seiner Freude Ausdruck, dass alle Absolventen bereits einen Ausbildungsplatz haben. Bei der bald auf sie zukommenden Verantwortung, sollten sie jedoch stets ein Lächeln auf den Lippen haben, "denn mit einer positiven Einstellung geht es im Leben leichter voran".

Dann stand Lehrer Paul Dorsch im Mittelpunkt. Er hatte die Klasse fünf Jahre lang bis zur Prüfung geführt. Sein Klassensprecher Marius Schmid hatte sich sogar zu einem Dankeswort aufraffen können, dass es Dorsch solange mit der Klasse ausgehalten hatte - "trotz einiger Turbulenzen zwischendurch".

Im Sinne des Wortes den Hut zogen Waltraud Bauer und Monika Fertig vom Elternbeirat für Dorschs Engagement, das über das "Normale" hinausgegangen sei.

"Ein tolles Erlebnis" nannte der viel Gelobte dann selbst die Zeit von 2007 bis 2012, während der er kontinuierlich die Jugendlichen begleitet hatte. Als Hobby-Fotograf hatte er in dieser Zeit über 10000 Aufnahmen gemacht, von denen er zur Gaudi der "Hauptdarsteller" eine Auswahl zeigte.

Die Fotos spiegelten unter anderem die Bandbreite von außerschulischen Unternehmungen wider, die Dorsch seinen Schülern geboten hatte. Sie reichten vom Erste-Hilfe-Kurs über das Dorfschießen bis zum Besuch der Behinderten-Olympiade und vom klassischen Konzert über das Deutsche Museum bis zum Haus der Kunst in München sowie Reisen nach Bad Mergentheim, Nürnberg, Regensburg, Würzburg und Berlin.

"Mit all den Unternehmungen und natürlich auch im schulischen Alltag habe ich versucht, euch auf den Quali und die Zeit danach - das wahre Leben - vorzubereiten", sagte Dorsch. Bildung dürfte sich seiner Meinung nach nicht auf die Vermittlung von Wissen und funktionalen Fähigkeiten beschränken. Schüler bräuchten auch eine stärkere werteorientierte Persönlichkeitsbildung und die Vermittlung eines verlässlichen Wertegerüstes. Der Lehrer: "Bildung gibt es nicht ohne Erziehung, und Erziehung gibt es nicht ohne Werte."

Abschließend erinnerte er seine Schüler noch einmal an die beiden viel zitierten Leitsätze "Ich will in jedem erst einmal das Gute sehen" und "Meine Freiheit hört dort auf, wo die Freiheit des Nächsten beginnt".

Die Zeugnisverteilung geriet am Ende fast zur Nebensache. Dorschs knappes Re-sümmee: "Alle 13 angetretenen Schüler haben den Hauptschulabschluss oder den Quali geschafft. Dabei sind einige zu meiner großen Überraschung über sich hinausgewachsen, wie ich es selten erlebt habe." Der Beste war Lucas Groth.

Beim reichhaltigen Büfett gab es dann ein letztes Miteinander von Schülern, Eltern und Lehrern.

vd/Chiemgau-Zeitung

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