"Schwarzbau" sorgt für Diskussion

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Bernau - Bereits vor einigen Jahren hatte ein Bauherr an der Ahornstraße ein Haus errichtet. Auch einen Carport schuf er. Eine Genehmigung für diesen Bau hatte er jedoch nicht. Der Gemeinderat gab jetzt die Zustimmung.

Nachträglich reichte er nun einen Antrag im Rathaus ein. Mit 14:6-Stimmen gab der Gemeinderat nach langer Diskussion seine Zustimmung. An das Landratsamt geht damit die Empfehlung, das endgültige Okay zu erteilen.

Bürgermeister Klaus Daiber berichtete, dass der Bauherr 2005 die Genehmigung für das Haus bekommen habe. Für einen Carport habe er allerdings keine Erlaubnis erhalten. Trotzdem sei dieser Bau dann entstanden. "Der Carport ist ein Schwarzbau. Da beißt die Maus keinen Faden ab", sagte Daiber.

Ein Nachbar hat die Verwaltung im Rathaus vor einigen Wochen auf den Bau hingewiesen. In einem Schreiben an die Gemeinde teilte er mit, dass der Carport schon seit mehreren Jahren als "Schwarzbau" an der Ahornstraße stehe und die Sicht beeinträchtige.

Der Bauherr, der nun die nachträgliche Genehmigung beantragt habe, sei, so Daiber, "als Bürger nicht immer ganz einfach". Der Rathauschef betrachte die Angelegenheit aber, wie er weiter sagte, "emotionslos" und empfehle, dem Bau des Carports nachträglich zuzustimmen.

In einem "besonderen Licht" sah hingegen Rainer Wicha (CSU) die Angelegenheit. Der Bauherr sei ihm nur aus Leserbriefen bekannt. Und so kann er, Wicha, nicht verstehen, dass einer, der, wie diesen Schreiben zu entnehmen ist, "so hohe moralische Maßstäbe anlegt, einen Schwarzbau errichtet".

Sepp Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, dass der Bauwerber "meines Wissens nach nichts dafür kann". Die Verantwortung müsse vielmehr beim Architekten gesucht werden. Hansjörg Decker (Bernauer Liste) meinte, "er finde es gut", dass der Bürgermeister trotz der Attacken, die der Bauherr gegen das Gemeindeoberhaupt geritten habe, die Angelegenheit "emotionslos" betrachte. Auch er, Decker, habe gehört, der Bauherr habe offensichtlich nicht so genau Bescheid gewusst, dass dem Carport die Genehmigung fehle.

Eine völlig andere Einschätzung brachte hingegen Franz Schnaiter (CSU) zum Ausdruck. Er bezog sich auf den vom Landratsamt für den Bau des Hauses genehmigten Antrag - und damit auch auf die roten Striche auf dem Plan, die seiner Ansicht nach klar erkennen ließen, dass der Bau eines Carports nicht erlaubt ist. Der Bauherr "kann sich nicht dumm stellen", so Schnaiter.

Sicht nicht beeinträchtigt

Zweiter Bürgermeister Matthias Vieweger (CSU) sagte, "der Name ist völlig wurscht". Wie jeder andere sei "auch dieser Schwarzbau sehr ärgerlich". Die entscheidende Frage in diesem Falle sei, ob der Carport die Sicht auf der Straße beeinträchtige. Die Antwort von Daiber lautete Nein. Wer auf der Ahornstraße mit dem Auto unterwegs sei, der habe auch in dieser Kurve die Sicht, die er brauche. Der Carport sei "offen" - und so müsse er auch bleiben.

"Das Sichtdreieck ist nicht beeinträchtigt", meinte Klaus Reiter (CSU). Den Antrag des Bauherrn abzulehnen wäre "kleinlich". Gerhard Jell (ebenfalls CSU) sagte hingegen, dass der Gemeinderat mit einer Zustimmung weiteren Schwarzbauten "Tür und Tor öffnet".

pü/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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