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Farbenfrohe Marktstände mit dem Warenangebot der Antike bis zum frühen Mittelalter.

Seebruck - Einen Blick in die Vergangenheit werfen: Im antiken Bedaium, heute Seebruck, sah man am Sonntag Legionäre in römischer Rüstung und antike Marktstände.

„Es ist wieder alles super gelaufen, ich bin sehr zufrieden“, resümierte der römische Legionär Matthias Ziereis am Sonntagabend nach dem rundum gelungenen historischen Fest „Vivat Bedaium“. Dieses hatte die Tourist-Information in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium LSH Ising und dem Heimat- und Geschichtsverein Bedaium veranstaltet.

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Bei traumhaftem Sommerwetter sorgten leibhaftige Kelten, Römer und Bajuwaren aus nah und fern mit ihren historischen Gewändern, Waffen, Werkzeugen, Erzeugnissen und Waren für das passende Ambiente. Neben den Keltengruppen "Clan Cuallaidh" aus Siegsdorf, „Touta Nanto En“ und „Daru Venia“ aus dem Inntal, „Hassia Celtica“ aus München und „Antumnos“ aus Simbach fanden sich am Seebrucker Römermuseum und Rathaus auch einige römische Legionäre ein. Sie gehörten zur hiesigen „Legio II Italica“ und zur „II. Raetischen Cohorte“, den Donaurömern aus dem niederbayerischen Parkstetten, die trotz Hochwasser den Weg in den Chiemgau gefunden haben.

Mitglieder der Römergruppe „Legio II Italica“ zeigten unter anderem römische Kochkunst, einen römischen Hausaltar und die Funktionsweise einer Groma, sprich eines antiken Vermessungsinstruments. Darüber hinaus bekamen die Besucher Ausrüstung, Offensivwaffen und Schutzbewaffnung von Legionären zu sehen, die von Kaiser Augustus bis Kaiser Konstantin dienten. Keltische Darsteller demonstrierten derweil, wie einst Korn gemahlen, Salz gesiedet, Wolle gesponnen, gewoben, geflochten und Holz bearbeitet wurde. Auch die Waginger Bajuwaren und ihr befreundeter Stamm „Nors Farandi“ ließen sich das große Fest in der Römerstraße nicht entgehen. Zu ihnen gesellten sich ihre „Landsleute“ Flo Werner (Lederarbeiten), Martin Beer (Bronzeguß) und Sabine Nagl (Tonwaren).

Seine Seebruck-Premiere feierte ein Dudelsackspieler, der mit seinen ausgefallenen schottisch-bajuwarischen Melodien für Begeisterung sorgte. Zusammen mit dem Klang der auf dem Pflaster widerhallenden genagelten Sandalen ergab sich eine einzigartige Atmosphäre.

Die Impressionen vom Sonntag:

"Vivat Bedaium" in Seebruck

Ein weiterer Höhepunkt war der antike Geschütznachbau der Isinger Römergruppe „Bedaienses“ um die Gymnasiallehrer Marcus Altmann und Kurt von Kießling und deren P-Seminar-Schüler. Sie präsentierten „ihr“ Meisterwerk der experimentellen Archäologie erstmals in heimischen Gefilden der Öffentlichkeit. Das enorme Presse-Echo auf einen Praxis-Geschütztest am niedersächsischen Harzhorn hatte im Herbst seine Krönung in einem Online-Beitrag der „Washington Post“ gefunden. Wie von Kiesling vor der Kastellmauer erzählte, sei das „Geschütz-Projekt“ von verschiedenen Universitäten wissenschaftlich begleitet worden.

Mit einfachen Waffen ausgestattete Germanen hätten wohl sofort kehrtgemacht, wenn sie mit diesen furchteinflößenden Geschützen konfrontiert worden seien, mutmaßte von Kiesling und erinnerte daran, dass damit pro Minute drei Pfeile abgeschossen werden konnten: „Mit bis zu 250 Stundenkilometern flogen die Geschosse bis zu 150 Meter weit und konnten zwei hintereinander stehende Personen durchschlagen“, verblüffte er seine Zuhörer.

Auch Dr. Martin Pietsch vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege machte sich ein Bild vom Schulprojekt und zeigte sich schwer beeindruckt. Große Menschentrauben bildeten sich zudem bei Händlerin Christiane Tränkler, die Waren aus längst vergangenen Zeiten anpries, beim österreichischen Leder-Fieranten Harringer und beim Edelstein-Experten Xaver Hendlmaier. Beim Kinderprogramm wurde gebastelt und gewerkelt, was das Zeug hielt. Martina Ziereis, Sabine Wastlhuber, Ulli Sigl und Florian Maier standen den Nachwuchs-Historikern mit Rat und Tat zur Seite. Einprägsame Klänge verbreiteten das Saitenmusik-Ensemble „Ta Lie Ma“ und das Flöten-Ensemble „Flauti Bedaii“– natürlich ohne Verstärker. Um das leibliche Wohl der Gäste kümmerten sich die Brauerei Baumburg, Partyservice Mitterer, Weinlokal Taverna, Crepes-Verkäufer Markus Krause und der Heimat- und Geschichtsverein.

Ein Wiedersehen gibt es bereits am 3. Oktober, denn dann steigt am Keltengehöft Stöffling wieder das Bedaius-Familienfest.

mmü

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