„Herzkammer des nachhaltigen Bauens“

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Von links: Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl, Architekt Günther Stummvoll, Michael Regnauer, Dr. Peter Ramsauer, Konrad Glück, Bürgermeister von Seebruck.

Seebruck - Regnauer Hausbau hat ein Plus-Energiehaus entwickelt und beim Passivhausgipfel vorgestellt. Bundesbauminister Dr. Peter Ramsauer eröffnete persönlich das neue Musterhaus.

40 Prozent des Primärenergiebedarfs verschlingen die eigenen vier Wände. Die politisch gewollte und beschlossene Energiewende in Deutschland kann nach Überzeugung der 100 geladenen Gäste beim Passivhausgipfel von Regnauer Hausbau deshalb nur gelingen, wenn Eigenheime erstellt werden, die kaum noch externe Energie benötigen. Das Seebrucker Unternehmen hat dieses Ziel konsequent weiter gedacht und weiter entwickelt: bis zum Plus-Energiehaus, das sogar ein Plus an Strom für das Auftanken eines Elektroautos produziert. Dieses Konzept ist keine Zukunftsvision, sondern bereits gebaute Realität: das bewies der Holzhausspezialist am Wochenende rund 2500 Besuchern im Bauherrenzentrum am Chiemsee: Hier stellte Geschäftsführer Michael Regnauer das erste serienmäßige Plus-Energiehaus vor. Bundesbauminister Dr. Peter Ramsauer eröffnete persönlich das neue Musterhaus, das den Namen Ambienti + trägt.

Vorreiter des deutschen Fertigbaus

„Regnauer ist die Herzkammer des nachhaltigen Bauens“, würdigte beim Passivhausgipfel Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau, das Engagement des Familienunternehmens für die Energiewende.

Von links: Minister Dr. Peter Ramsauer, Michael Regnauer, Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. Dr. Wolfgang Feist, Leiter Passivhaus-Institut Darmstadt.

Die ganze Welt schaue derzeit auf Deutschland – gespannt, ob „uns die Herkulesaufgabe, die Energiewende auch in die Praxis umsetzen zu können, gelingt“, so der Moderator des von Geschäftsführer Michael Regnauer angestoßenen Dialogs zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Die Ziele seien hoch gesetzt, so Klaas. Bis 2050 habe sich die Bundesregierung vorgenommen, den gesamten Gebäudebestand klimaneutral ausgerichtet zu haben. Bis 2021 sollten in der Europäischen Union nur noch „Nahe Null-Energie-Häuser“ als Standard erstellt werden. Die deutsche Fertighausbranche habe bei dieser Realisierung eine Vorreiterrolle übernommen. Praktisch jeder Fertighaus-Neubau übererfülle bereits heute die Anforderungen der Energieeinsparverordnung, betonte Klaas. Er unterstrich die überdurchschnittlich hohe Leistungskraft des Hausbaus mit Vergleichen zur Automobilindustrie: Seit Ende der siebziger Jahre, als die erste Wärmeschutzverordnung in Kraft trat, habe diese den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von elf auf 7,5 Litern heruntergefahren. Die moderne Bauwirtschaft habe den Energieverbrauch dagegen in den vergangenen 30 Jahren von 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter bereits auf 50 gesenkt. „Rechnen wir das auf die Automobilbranche um, müssten wir längst das Drei-Liter-Auto fahren können."

Abrissprämie für den Altbestand?

Die Fertighausbranche sei mittlerweile sogar in der Lage, Häuser zu erstellen, die mehr Energie erzeugen als die Bewohner benötigen würden: Das würden Leichtturmprojekte wie das Beispiel des Plus-Energiehauses zeigen. Eine Herausforderung stelle jedoch der große, ungedämmte Gebäudebestand dar, der vor den ersten Wärmeschutzverordnungen entstanden sei. Hier ist es nach Überzeugung von Klaas notwendig, die Wirtschaftlichkeit einer energetischen Sanierung von Fall zu Fall zu überprüfen. Analog der Autoindustrie sah er es als notwendig an, auch über eine Abrissprämie für Altbauten nachzudenken.

Ramsauer: „Energieeffizienz und Baukultur in Einklang bringen“

Einem Sanierungszwang erteilte Bundesbauminister Dr. Peter Ramsauer eine klare Absage. „Das wird es mit mir nicht geben“, betonte der Minister, in dessen Ressort, das das Bauen und den Verkehr umfasst, 70 Prozent der Energiewende fällt. Ramsauer machte sich in Seebruck für Vernunft und Augenmaß bei der Gebäudesanierung stark. „Energieeffizienz und Baukultur müssen in Einklang gebracht werden“, forderte Ramsauer angesichts vieler Negativbeispiele von Altgebäuden, die „einfach nur dick mit Styropor eingepackt wurden“.

 „Brauchen einfache steuerliche Förderungen“

Wichtig sei es stattdessen, Anreize für energieeffiziente Neubauten zu schaffen. Bereits heute seien 40 Prozent dieser Gebäude über KfW Programme gefördert. „Wir brauchen auch für die Zukunft einfache und überschaubare steuerliche Förderungen“, zeigte sich Ramsauer überzeugt. Ebenso wichtig wie staatliche Unterstützungen und Lenkungen seien jedoch Forschungsinitiativen und Innovationen, die nicht nur als Theorie-Modelle, sondern auch als serienreife Produkte den Weg vorgeben würden. „Vorzeigeunternehmen wie das Seebrucker Unternehmen“ würden diese zukunftsweisenden Lösungen für die Praxis liefern, wie das neue Plus-Energiehaus im Bauherrenzentrum in Seebruck beweise.

Passivhaustechnik macht Energiewende bezahlbar

Es basiert auf der Passivhaustechnik, die die Energiewende nach Erfahrungen von Dr. Wolfgang Feist, Leiter des Passivhaus-Instituts Darmstadt, für den Häuslebauer bezahlbar macht. Der ökonomische Gewinn für die Baufamilie unter Berücksichtigung der steigenden hohen Energiepreise, von Zins und Tilgung sei längst nachgewiesen. „Ein Passivhaus zu bauen rechnet sich mit satten Gewinnen.“ Die notwendigen Bauelemente wie Dämmungen für die Gebäudehülle sowie alle Produkte zur Wohnraumbelüftung und Wärmerückgewinnung seien vorhanden. Nachgewiesen sei auch der hohe Wohnkomfort in einem Passivhaus. Die Behaglichkeit darf auch nach Meinung des Bundesbauministers bei allen Diskussionen um die Energieeffizienz nicht vernachlässigt werden: „Ein Haus muss auch kuschelige Nestwärme geben“, betonte Ramsauer.

2500 Gäste besuchten Musterhaus

„Häuser, die gut tun“ baut Innovationsführer Regnauer mit seinen Vitalhäusern. Dazu gehört auch das neue Haus, das zur Eröffnung 2500 Interessierte anlockte. Sie bestaunten die Fassadengestaltung mit einem „dem Alltag ent- schwebten“, so Firmenchef Michael Regnauer, auskragenden Obergeschoss samt Panoramafenster, die organische Formgebung, Details wie Mini-Erker mit Sitzbank und Blick ins Freie und das Lichtmanagement. Die Gäste schritten über die scheinbar frei schwebende Treppe, ließen sich die moderne Gebäudeautomation erklären. Flexible Raumaufteilungen, die sich den Lebenslagen der Bewohner anpassen, stießen auf großes Interesse – ebenso wie das Plus-Energiekonzept.

Gebäudehülle Vorrang vor Haustechnik

Auch der Bundesbauminister zeigte sich bei einem Rundgang durch das Haus der Zukunft beeindruckt. Vor der Eröffnung mit symbolischem Durchschneiden des Bandes hatte Geschäftsführer Michael Regnauer Ehrengast Ramsauer außerdem einen Forderungskatalog von Bauwirtschaft und Bauwissenschaft überreicht. Das Papier appelliert an die Politik, verlässliche Definitionen für die Energiestufen von Neubauten zu erarbeiten – auf der Basis des bereits definierten Passivhausstandards nach dem Prinzip fördern und fordern. Die Teilnehmer des Passivhausgipfels waren sich einig, dass der Gebäudehülle Vorrang vor der Haustechnik eingeräumt werden muss. „Energie“ so Michael Regnauer, „die dank einer guten Gebäudehülle nicht verloren geht, muss nicht teuer eingekauft werden.“ Die Teilnehmer am Passivhausgipfel setzten sich außerdem für den Einsatz von nachhaltigen Bauprodukten wie Holz ein, denen bei der Förderung ein Bonus eingeräumt werden müsse.

Pressemeldung Kommuniaktionsmanagement Dieterle+Partner

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser