Römische Geschichte am Chiemsee

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Seebruck - Im Römermuseum Bedaium ist jetzt eine Sonderausstellung zum römischen Gutshof von Lohen geöffnet. Sie verrät viel über die Geschichte von Tacherting.

Bis Ende August läuft im Römermuseum Bedaium die unlängst eröffnete Sonderausstellung „Der römische Gutshof von Lohen – eine Luxusvilla am Unterlauf der Alz“. Der Heimatverein Tacherting (Heimatmuseum Tacherting) hat sie zusammen mit dem Heimat- und Geschichtsverein Bedaium konzipiert. Bei der Ausstellungseröffnung verwies Museumsleiter Dr. Alfons Regnauer darauf, dass man mit den historischen Vereinen östlich und südlich des Chiemsees bestens vernetzt sei, während die Kontakte alzabwärts leider rar gesät seien. Umso mehr freue er sich über diese gelungene Gemeinschaftsausstellung.

Frühe Verbindung zweier Orte

Der römische Gutshof von Lohen (Gemeinde Tacherting) lag an der Römerstraße, die vom Drautal in Osttirol über den Pass Thurn ins Tal der Tiroler Ache zum Chiemsee und dann über Bedaium-Seebruck zum Inn führte. Lohen gehörte wie das 20 Kilometer südlich gelegene Seebruck zum Stadtterritorium Salzburgs (Juvavum). Schon dies verdeutliche, so Regnauer, dass hier viele Gemeinsamkeiten bestanden. Der Kontakt zwischen den beiden Siedlungen erscheine nahezu selbstverständlich, denn die Bewohner „nutzten dieselbe Straße nach Salzburg zum Einkaufen oder für den Gang aufs Amt“.

Die Lohener „villa rustica“ gehöre zu den über 60 bekannten Gutshöfen im bayerischen Teil der römischen Provinz Noricum, also dem Gebiet zwischen Inn und Salzach. Was den Gutshof von Lohen aber von allen anderen unterscheide, sei seine „außerordentlich luxuriöse und vornehme Ausstattung“ gewesen, so der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins. Es sei anzunehmen, dass sie einem reichen Kaufmann oder höhergestellten Beamten gehörte, der hier seinen Sommersitz hatte. Eine Luxusvilla vor den Stadttoren zu besitzen, bedeutete schon damals hohes Ansehen und Prestige.

Die Verbindung Seebruck-Lohen reicht sogar bis in die Gegenwart, denn beim Bau des Seebrucker Römermuseums (Einweihung 1988) erwarb man in Lohen einen antiken Türstock, der in die Fassade eingebaut wurde und seitdem das Museumsportal bildet.

Vor über 200 Jahren entdeckt

Doch wer entdeckte eigentlich die kultur- und kunstgeschichtlich so bedeutsame „villa rustica“ von Lohen? Wie Tachertings Heimatpfleger Christian Rieder ausführte, sei der Großhuberbauer aus Lohen, Gemeinde Tacherting, 1807 bei der Suche nach Baumaterial für sein Bauernhaus auf Reste antiker Gebäude gestoßen. Ohne es zu ahnen, habe er ein römerzeitliches Landgut gefunden.

Die verfallenen Mauern waren farbig gestaltet und auf den Fundamenten lagen Mosaiksteinchen. Sogar eine Feuerstelle inmitten von Holzkohleresten kam zum Vorschein. Der örtliche Pfarrherr Rauschmair, ein begabter Zeichner, dokumentierte die Fundstelle und schaltete den zuständigen Kreisdirektor Josef von Obernberg aus Burghausen ein, der die Akademie der Wissenschaften in München benachrichtigte.

Ein luxuriöses Anwesen

Schon die ersten Untersuchungen ließen damals erahnen, dass es sich um die Überreste eines luxuriösen Landsitzes eines wohlhabenden Römers handeln musste. Die Räume waren über Gewölbehypokausten beheizbar und reich mit Mosaik- und Marmorfußböden ausgestattet und die Wände trugen farbige Szenen aus der antiken Götterwelt.

Vor allem die künstlerische Gestaltung der Mosaiken weckte das Interesse des damaligen Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I., der als Generalgouverneur des Inn-Salzach-Kreises nahe Salzburg seinen Sitz hatte. Ludwig habe weitere Grabungen veranlasst, die von seinem obersten Baumeister Leo von Klenze beaufsichtigt worden seien, so Tachertings Bürgermeister Johann Hellmeier. Anlässlich der Enthüllung einer Gedenksäule sei der König sogar selbst vor Ort gewesen. Sein Bestreben war es, die Mosaiken beim Neubau der Pinakothek wiederzuverwenden. Acht der rund zehn im Original nicht mehr erhaltenen Mosaiken sind in Rauschmairs Zeichnungen überliefert.

„Die ersten Ausgrabungen waren leider ein bisschen zu früh, als dass heute noch eine anständige wissenschaftliche Dokumentation vorhanden wäre“, betonte Archäologin Andrea Krammer. Diese sei über die Jahre verschwunden oder so einfach gehalten, dass heute leider viele Fragen offen bleiben. Nichtsdestotrotz handle es sich um eine sehr sehenswerte Sonderausstellung mit informativen Schautafeln und archäologischen Funden.

Das Museum hat im Mai dienstags bis samstags von 10 bis 12 Uhr beziehungsweise 14 bis 16 Uhr sowie sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Ab 1. Juni gelten folgende Öffnungszeiten: Dienstags bis samstags 10 bis 16 Uhr und sonntags 13 bis 16 Uhr. Montags ist geschlossen.

mmü

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