Chiemsee-Sturm: Hier kentert eine Familie

Feldwies/Chiemsee - Was Sie hier sehen, ist eines der 36 am Sonntag auf dem Chiemsee im Sturm in Seenot geratenen Boote. Ein Augenzeuge erzählt. ** JETZT MT VIDEO **

Das im Sturm auf dem Chiemsee gekenterte Boot von Ausflüglern

Es war am Sonntagnachmittag direkt vor dem Strandbad Übersee. Stefan A. (28) aus Rosenheim war mit Freunden beim Baden. "Die Sturmwarnung war bereits seit etwa  zwei oder drei Stunden  auf Warnstufe 1, als der Wind richtig heftig wurde und wir das Boot bemerkten. " Auf dem Ein-Master ohne Kajüte hätten sich zwei Kinder und zwei Erwachsene befunden, erzählt er. Die Segler hatten die drohende Gefahr bemerkt und machten Anstrengungen, zurück in den nahen Hafen zu steuern. Doch das Schiff ließ sich nicht wenden. Stefan A.: "Der Wind war einfach zu heftig." Plötzlich kippte das Boot um!

Diese Aufnahmen machte Stefan A. vom Unglück:

Boot kentert vor Strandbad Übersee

Zum Glück kam sofort ein Elektroboot herbei, um die mit Rettungswesten gesicherten Kinder aufzunehmen und in Sicherheit zu bringen. Die beiden Erwachsenen hätten versucht, das gekenterte Boot aufzurichten, erzählt Augenzeuge A.. Ohne Erfolg. Schließlich gelang es ihnen aber, das Schiff auf der Seite liegend an Land zu schieben.

Alle hatten Riesenglück, niemand wurde verletzt. In den Polizeiakten heißt es deshalb zu dem Fall nur kurz: "Boot mit vier Personen gekentert."

Hunderte Boote auf dem Wasser

Obwohl die Wellen nicht dramatisch ausgesehen hätten, sei die Situation gefährlich gewesen. "Der Wind peitschte so heftig, dass wir schon am Strand kaum stehen konnten", sagt A. Der für die Rettungsberichte zuständige Polizeibeamte in Prien am Chiemsee schätzt, dass maximal Windstärke 6 ( = starker Wind auf der Beaufort-Skala) an diesem Sonntagnachmittag geherrscht habe: "Eigentlich nicht schlimm, das hatten wir schon heftiger." Dass trotzdem so viele Menschen in Seenot geraten waren, hänge damit zusammen, weil so viel Betrieb auf dem See gewesen sei. "Wenn ich davon ausgehen, dass nur zehn Prozent der registierten und nicht registrierten Schiffe bei dem schönen warmen Wetter gestern auf dem See waren, komme ich auf 900 Boote", meint der Polizeibeamte.  

Gegen 14.15 Uhr seien die zwölf Warnblinkanlagen, die rund um den Chiemsee verteilt sind und die vor Starkwind warnen, angesprungen. Ist das der Fall, legen vorsichtige Ausflüger Rettungswesten an, reffen die Segel oder halten schon mal nach einem Hafen Ausschau: "Da ist Eigenverantwortung gefragt. Die Warnlampen können von jeder Stelle des Sees aus gesehen werden, aber man muss halt schon danach schauen." Die Sturmwarnung sei um 15.32 Uhr erfolgt, so der Polizist.

Dramatische Szenen auf dem See 

Die Chiemseerettungsdienste waren den ganzen Nachmittag im Einsatz, um die havarierten Schiffe und deren Besatzungen zu bergen. Wie die Priener Polizei berichtet, wurden insgesamt 61 Personen in Sicherheit gebracht. 36 Boote gerieten, als ein tosender Sturm über den Chiemsee hinwegfegte.

Im Bereich der Feldwieser Bucht wurde Großaralarm ausgelöst, als die Eltern eines 13-jährigen Buben ihren Sohn auf dem See vermissten. Sie hatten ihn aus den Augen verloren, als die ersten heftigen Windböen einfielen. Der 13-Jährige war mit einer Segeljolle unterwegs, erreichte dann aber unversehrt den Hafen in Übersee.

Sturm auf dem Chiemsee

Eine 46-jährige Seglerin verletzte sich schwer an ihrer Hand als sie bei heftigem Wellengang mit ihrer linken Hand zwischen die Schiffrümpfe zweier Segelboote geriet. Einer ihrer Finger wurde dabei so stark zertrümmert, dass ihr im Salzburger Unfallkrankenhaus ein Teil amputiert werden musste.

Eine Segelyacht ist in den Fluten des Sees versunken. Das Boot war zuvor auf dem See gekentert, die zweiköpfige Besatzung konnte aber von der Wasserwacht gerettet werden. Um eine Gefährdung für die Umwelt und Sichifffahrt zu vermeiden, wird das gesunkene Schiff in den nächsten Tagen geborgen werden.

Haben Sie das Wetterereignis am Chiemsee dokumentiert? Schicken Sie uns Ihre Fotos an redaktion@ovb24.de!

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Rubriklistenbild: © Stefan A.

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