Archäologen erforschen antike Infrastruktur

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Seeon-Seebruck - In der Antike war Seebruck ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Heute ist das Dorf für Historiker und Archäologen ein spannendes Forschungsgebiet.

Rund 80 Althistoriker und Archäologen aus Deutschland, Österreich, Italien und Ungarn sowie zahlreiche historisch Interessierte fanden sich drei Tage lang im Hafenwirt in Seebruck ein, um dort die Serie von Colloquia zur provinzialrömischen Archäologie mit dem Thema „Römische vici und Verkehrsinfrastruktur in Raetien und Noricum“ fortzusetzen. Das erste Colloquium dieser Art fand 2010 im oberösterreichischen Linz statt und bei der zweiten Auflage diskutierte man 2012 in Salzburg, dem antiken Iuvavum, über die Ursprünge der Stadt. Dass man sich diesmal hinaus auf das Land begab und ein kleines oberbayerisches Dorf am Nordufer des Chiemsees als Austragungsort wählte, ist kein Zufall, denn Bedaium, das römische Seebruck, war vor fast 2000 Jahren ein bedeutender vici und Verkehrsknotenpunkt an der römischen Fernverkehrsstraße zwischen Iuvavum (Salzburg) und Augusta Vindelicorum (Augsburg) und gehörte zum Verwaltungsbezirk Iuvavum in der Provinz Noricum.

Schon damals führte dort eine stark frequentierte Brücke über die Alz. „Kelten und Römer haben in unserem Landkreis vor allem in Seebruck ein reiches Erbe hinterlassen, das nicht nur entdeckt, geborgen und gesichert wurde, sondern auch mit Interessierten geteilt wird“, lobte der stellvertretende Landrat Andreas Danzer bei der Eröffnung des Colloquium Bedaium. Danzer bedankte sich bei der neuen Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Bedaium, Dr. Christine Kreitmair, und deren Stellvertreterin Andrea Krammer für das ehrenamtliche Engagement, das im Verein bereits seit über 25 Jahren an den Tag gelegt werde. „Es freut uns sehr, dass sie Seebruck mit seinen historischen Wurzeln als Ort ihrer Veranstaltung gewählt haben“, begrüßte Bürgermeister Bernd Ruth die Gäste aus nah und fern. Er sei davon überzeugt, dass man die Zukunft nur erfolgreich gestalten könne, wenn man sich auch mit der Historie befasse. Die lange Geschichte der Seebrucker Alzbrücke spiele auch bei der Planung der angedachten neuen Brücke eine Rolle. „Einige tausend Münzen“ könnten auch bei dieser Baumaßnahme zu Tage befördert werden, betonte der Salzburger Althistoriker Herbert Graßl bei seinem Vortrag „Bedaium – Bedakon – Bedaius“ und appellierte an seine bayerischen Kollegen den Aushub, wenn es soweit sei, gründlich zu untersuchen.

Die Vorsitzende des Bedaiumvereins, Dr. Christine Kreitmair, erinnerte daran, dass man nach dem plötzlichen Tod ihres Vorgängers Dr. Alfons Regnauer im vergangenen September das „Bedürfnis“ gehabt habe, „weiterzumachen und den Verein in seinem Sinne weiterzuführen“. Nur allzu gerne wäre Regnauer bei diesem Colloquium dabei gewesen, „das ihm sehr am Herzen gelegen ist“, meinte die provinzialrömische Archäologin und Museumsmitarbeiterin Andrea Krammer. Zudem gab sie bekannt, dass man die Veranstaltung Dr. Alfons Regnauer und dessen Vorgänger Carl Ostermayer widme. Es komme nicht von ungefähr, dass Seebruck „der besterforschte und meist publizierte Römerort im südlichen Bayern“ sei, stellte sie klar und erinnerte an die Verdienste der hiesigen Heimatforscher Pfarrer Jakob Weyerer, Pfarrherr Johann Baptist Kagermeier, Hauptlehrer Josef Kraus und Carl Ostermayer, die die keltischen und römischen Wurzeln Seebrucks im letzten Jahrhundert akribisch erkundet hätten.

Beim Rundgang um die Seebrucker Pfarrkirche machte Dr. Bernd Steidl von der Archäologischen Staatssammlung auf gut sichtbare römische Spolien aus Kalkstein und Nagelfluh aufmerksam, die beim Bau des Gotteshauses Ende des 15. Jahrhunderts wiederverwendet worden seien. Sie gehörten zu einem einst hier befindlichen spätantiken Kastell, das nach den neuen Forschungsergebnissen einen bedeutenden Tempel als Vorgängerbau gehabt habe. Krammer führte die Teilnehmer zur überdachten antiken Darre, deren Fundamente Mitte der 80er Jahre freigelegt wurden. Im 1988 eröffneten Römermuseum müssten eigentlich einige Sachen erneuert werden, der Verein sei aber schon froh, wenn er den täglichen Betrieb am Laufen halten könne, räumte sie ein.

Das umfangreiche dreitägige Programm umfasste neben gut 25 Fachvorträgen auch einen sehr gut besuchten Festvortrag, den der provinzialrömische Archäologe Siegmar von Schnurbein zum Thema „Holzpfosten und Reiterstatuen – Über die Gründung römischer Städte in Deutschland“ hielt. Veranstalter waren die Archäologische Staatssammlung in München, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, die Gesellschaft für Archäologie in Oberösterreich, das Oberösterreichische Landesmuseum, das Salzburg Museum, die Universität Salzburg und das Römermuseum in Seebruck.

Zum wissenschaftlichen Komitee gehörten Raimund Kastler, Wilfried K. Kovacsovics, Lena Kühne, Felix Lang, Martin Pietsch, Bernd Steidl, Stefan Traxler, Wolfgang Wohlmayr und Andrea Krammer, die maßgeblich an der Planung und Organisation der dreitägigen Fachtagung beteiligt war. Den Abschluss bildete am vergangenen Samstag eine Schiffsexkursion auf die Fraueninsel. Vor und nach der Führung von Bernd Steidl tauschte man sich nochmal über die vorgestellten Forschungsansätze und gewonnenen Einsichten aus.

Forscher pilgern zum antiken Verkehrsknotenpunkt

mmü

Rubriklistenbild: © mmü

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