Naturfriedhof: Fronten prallen aufeinander

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Seeon-Seebruck -Im Zuge des in einem Waldstück bei Wattenham in der Gemeinde Seeon-Seebruck geplanten Naturfriedhofes prallen die Fronten aufeinander:

Während der Gemeinderat das Projekt mit großer Mehrheit befürwortet, lehnt die Kirche einen Friedwald in dieser Form aus ethischen Gründen ab. Im Rahmen eines CSU-Bürgerstammtisches beim "Alten Wirt" in Seeon wurde über das Für und Wider sachlich debattiert.

Dass die Kirche von dem Vorhaben, dessen baurechtliches Verfahren bereits läuft, nicht begeistert ist, bekundet der Pfarrgemeinderat im Pfarrverband mit einer Unterschriftenaktion. Nach Ansicht von Pfarrer Dr. Hans Huber widerspreche diese Bestattungsform - "die bei uns nicht Brauch ist" - der kirchlichen Trauermoral. "Da wird ein Taferl angebracht und dann ist Schluss", sagte Huber, der auch vermutet, dass dadurch ein seelsorgerischer Mehraufwand zu erwarten sei. Als Alternative schlug er jedoch vor, in den Dorffriedhöfen Flächen auszuweisen, um für Menschen, die diese Bestattungsform bevorzugen, eine letzte Ruhestätte unter Bäumen zu schaffen.

Vor dem Hintergrund, die Menschen in der Heimat zu bestatten, wo die Gräber von den Angehörigen besucht und gepflegt werden, stellte Gabi Dietl fest: "Die Toten gehören zu den Lebendigen." Sie kritisierte, dass der Wunsch eines Friedwaldes nicht in der Gemeinde entstanden sei, sondern von einem auswärtigen Betreiber, der sich damit quasi eine goldene Nase verdienen möchte.

Bürgermeister Konrad Glück ruderte zurück und erklärte, dass der Antrag des Unternehmens aus Prien wie jeder andere Antrag auch im Gemeinderat intensiv behandelt und zunächst bei einer Gegenstimme mitgetragen wurde. Im Zuge der Verfahrenseinleitung hätten sich drei Gemeinderatsmitglieder dann dagegen ausgesprochen. Glück erklärte weiter, dass auch die Gemeinde, die im Falle einer Umsetzung des Projekts auch die Trägerschaft übernehmen muss, mit dem Vorhaben Neuland betreten habe. "Ganz klar, es ist nicht das normale Bild." Aber eine Möglichkeit einer neuen Bestattungsform, die immer mehr Zuspruch finde. Vor allem für Menschen, die fernab ihrer Familie leben und sich aus Sorge um die Grabpflege ansonsten anonym bestatten lassen, würden Naturfriedhöfe eine weitere Alternative bieten. Ein kleines, am Baum angebrachtes Täfelchen weise auf den Verstorbenen hin und die Angehörigen könnten die individuelle Grabstätte jederzeit besuchen.

Als Betreiber habe immer noch die Gemeinde den Hut auf, sagte Glück und stellte klar, dass sich durch die zu erwartenden geringen Einnahmen der Deckungsgrad der allgemeinen Kosten für die Friedhöfe nur unwesentlich erhöhen werde. Weiter teilte er mit, dass die Stellungnahmen der sogenannten Träger öffentlicher Belange in der Gemeinde bereits eingegangen seien und die weitere Abwicklung den Gemeinderat noch beschäftigen werde.

Für Diakon Georg Oberloher stellte sich die Frage, ob denn die Gemeinde jeden Trend mitmachen müsse. "Wir ziehen uns einen Schuh an, den wir gar nicht brauchen", betonte er und verwies auf den Vorschlag von Pfarrer Dr. Huber, den auch Ruhestandspferrer Helmut Kopp begrüßen würde, auf einem Gemeindefriedhof Flächen dafür auszuweisen. Nach Ansicht von Matthias Untermayer sei die klassische Bestattungsform ein Luxus, den man in der Gemeinde Seeon-Seebruck noch genießen könne, der aber nicht mehr der Realität entspräche. "Die Leute suchen sich selber den Platz aus und nicht die Angehörigen."

Dass eine letzte Ruhestätte in einem Friedwald auch für Menschen in der Region ein tröstlicher Gedanke ist, diese Erfahrung hat auch Gemeinderätin Martha Gruber gemacht. Bürger aus Truchtlaching, Sankt Georgen und Peterskirchen hätten sich ihr gegenüber geäußert, diese Bestattungsform ins Auge zu fassen.

Auch der CSU-Ortsvorsitzende Josef Daxenberger geht davon aus, dass das Angebot auch von Leuten aus der näheren Umgebung genutzt werden wird. Wobei es auch "sicher viele Auswärtige sein werden".

Gemeinderat Alfred Eiblmaier bevorzugt zwar die klassische Beerdigungsform, steht aber hinter dem Vorhaben der Gemeinde. "Es gibt Leute, die nicht kirchlich gebunden sind und man sollte diese Einstellung respektieren." Durch das Projekt werde niemand geschädigt und die Einnahmen kämen wiederum der Gemeinde respektive der Allgemeinheit zu Gute. Vor rund einem Jahr hat sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen, diese neue Bestattungsform zu unterstützen. Unter anderem wurde auch ein Gutachten wegen des im FFH-Gebiet befindlichen angedachten rund drei Hektar großen Grundstückes zwischen dem Anwesen Scheitzenberg und dem Weiler Wattenham erstellt. Wie Bürgermeister Glück der Chiemgau-Zeitung sagte, sei mit einer endgültigen Entscheidung im Herbst zu rechnen.

ga/Chiemgau-Zeitung

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