Knappe Mehrheit für Naturfriedhof

Seeon-Seebruck - Ein Naturfriedhof soll nichts verändern, sondern Alternativen bieten. Drei Hektar sollen dazu zur Verfügung gestellt werden:

Es bleibt dabei: Das laufende Flächennutzungsplan-Änderungsverfahren zur Ausweisung einer knapp drei Hektar großen Waldfläche für einen Naturfriedhof bei Wattenham wird fortgeführt. Darauf verständigte sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit knapper Mehrheit. Wie berichtet, spricht sich der Pfarrverband Seeon gegen das Projekt aus.

Dass das Thema den Bürgern auf den Nägeln brennt, zeigte das große Interesse an der Sitzung, in der die ersten Stellungnahmen der Behörden und Öffentlichkeit im Rahmen des Verfahrens behandelt wurden. Im Sitzungssaal war kein Sitzplatz mehr frei.

Zum Thema:

Zusammenfassend stellte Bürgermeister Konrad Glück fest, dass mit Ausnahme der Kirche von den beteiligten Behörden keine negativen Argumente eingegangen seien. Das Erzbischöfliche Ordinariat habe in seinen Stellungnahmen grundlegende Vorbehalte gegen diese Art der "Ruhefront" geäußert und sich dem örtlichen Pfarrverband angeschlossen, der einen Naturfriedhof insbesondere aus ethischen Gründen ablehnt.

In einer Erklärung, die von 250 Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde unterzeichnet worden war und voll inhaltlich vorgelesen wurde, hält der Pfarrverband Seeon diese Art der Bestattung "aus moralischer und ökologischer Sicht für fragwürdig". Die Unterzeichner vermuten dahinter auch ein "profitorientiertes Geschäft" und appellierten an die Gemeinde, von einer Ausweisung Abstand zu nehmen.

Als Alternative könnten sie sich jedoch die Ausweisung einer Fläche in den Dorffriedhöfen vorstellen, um für Menschen, die diese Bestattungsform bevorzugen, eine letzte Ruhestätte unter Bäumen zu schaffen.

Dieser Kompromissvorschlag wurde auch aus den Reihen der CSU-Fraktion unterstützt, die gleichzeitig mehr Informationen für die Bevölkerung forderte und den Beschlussvorschlag geschlossen ablehnte.

Nach Ansicht des Bürgermeisters seien die Bürger in mehreren Informationsversammlungen hinreichend über das Projekt informiert worden, das jedoch mit der Dorffriedhof-Alternative wenig vergleichbar sei. Dem Gemeinderat sei beim Einleitungsverfahren sehr wohl bewusst gewesen sei, dass das Projekt für einen größeren Einzugsbereich gelte. Naturfriedhöfe seien kein Modetrend, sondern eine Bestattungsform, die immer mehr Zuspruch fände, sagte Glück.

Vor allem für Menschen, die fernab ihrer Familie leben und sich aus Sorge um die Grabpflege ansonsten anonym bestatten lassen, würden Naturfriedhöfe eine weitere Alternative bieten. Glück: "Wir wollen nichts verändern, sondern eine Alternative bieten."

Weiter betonte er, dass die Gemeinde als Träger ganz klare Vorstellungen habe, was die Bestattungsform betreffe. So sei keine anonyme Bestattungsform geplant. Ein kleines, am Baum angebrachtes Täfelchen mit Namen soll auf den Verstorbenen hinweisen.

Der Naturfriedhof, der von der Staatsstraße erschlossen werden soll, soll mit einem hölzernen, etwa einen Meter hohen Handlauf eingefriedet werden. Ein zusätzliches Verkehrsaufkommen, wie von den Wattenhamern befürchtet, ist nach Ansicht der Gemeinde nicht zu erwarten.

Wie der Diskussion zu entnehmen war, stellt die noch aufzustellende Satzung für viele Gemeinderäte ein wichtiges Argument dar. Zweiter Bürgermeister Hans Huber und Josef Freiwang (FW) wiesen darauf hin, dass die jagdlichen Einrichtungen weiterhin möglich sein müssen. Für Stefan Berger (FW) ist die Satzung ebenso ausschlaggebend wie für Peter Huber (FW), der die Seelsorger in der Gemeinde nicht zusätzlich belastet wissen will.

Den Worten von Josef Hölzl (FW), das Projekt nicht als Konkurrenzunternehmen, sondern als zusätzliche Bestattungsmöglichkeit zu sehen, schlossen sich Lampert Axthammer (FW) und Andreas Dorn (FW) an. Georg Niedermaier: "Wenn die Kirche stark ist, dann verträgt sie es."

Dem Projekt eine klare Absage erteilten Dritter Bürgermeister Rudi Mayer und Franz Parzinger (beide FW). Es sei nicht die Aufgabe der Gemeinde für Fremde eine Bestattungsmöglichkeit vorzuhalten, sagte Parzinger. Ähnlich argumentierte auch Mayer, der auch die Meinung vertrat, dass das Gebiet an dieser Stelle "viel zu schade und zu wertvoll ist".

Mit 10:7 Stimmen wurde der Beschlussvorschlag, das Verfahren weiter zu verfolgen, mitgetragen. Die Pläne mit den Stellungnahmen liegen für weitere vier Wochen öffentlich im Seebrucker Rathaus aus.

ga/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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