Ist das römische Bedaium größer als gedacht?

Sensationelle archäologische Funde in Seebruck

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Archäologin Katrin Heigermoser von der zuständigen Grabungsfirma X-Cavate Archaeology zeigte den Gemeinderäten um Bürgermeister Bernd Ruth und Ortsheimatpfleger Hans Fenzl die bedeutendsten Funde der letzten Wochen. Auch Archäologin Evelyn Edelmann und Hanni Spies vom Heimat- und Geschichtsverein Bedaium waren beim Ortstermin mit dabei.

Seebruck - Neuerliche archäologische Entdeckungen in Seebruck: Eine archäologische Grabungsfirma entdeckte antike Gebäudefundamente und zahlreiche Kleinfunde an der Straße "Am Anger". Ist das Römische Bedaium größer als bisher angenommen? 

Römische Gebäudefundamente statt neuer Parkplätze

Nach den sensationellen Seebrucker Römerfunden im Sommer 2015 an der Pfarrkirche und am Seefeld sowie Ende 2016 an der Römerstraße kamen in den letzten vier Wochen im südlichen Bereich der Straße „Am Anger“ westlich der dortigen Schulbushaltestellte erneut römische Gebäudefundamente, zahlreiche Kleinfunde und sogar ein antiker Brunnen ans Tageslicht. 

Auf die Römerschicht, die auf der dort befindlichen Wiese nur etwa 20 Zentimeter unter der Grasnarbe liegt, stieß die beauftragte archäologische Grabungsfirma "X-Cavate Archaeology" im Zuge von Bauarbeiten. Die Gemeinde Seeon-Seebruck möchte auf dem rund 1.000 Quadratmeter großen erworbenen Grundstück 25 Parkplätze und zwei Behindertenstellplätze bauen. Da das Baugebiet am äußersten nördlichen Rand der Denkmalschutzzone („rote Zone“) liege, sei man zunächst nicht davon ausgegangen, dass man dort in dem Maße auf das römische Bedaium treffen würde, so Bürgermeister Bernd Ruth bei einem Ortstermin mit den Archäologen, Grabungstechnikern, Gemeinderäten, Bedaiumvereinsvertretern und Ortsheimatpfleger Hans Fenzl.

Denkmalschutzzone („rote Zone“) Seebruck

Seebruck als Gewerbegebiet der Römer?

Als dann Archäologin Katrin Heigermoser Ende März/Anfang April auf fünf Meter breiten Sondagestreifen umgehend auf römische Fundamente gestoßen sei, hätten sich die Vermutungen von Dr. Martin Pietsch vom Landesamt für Denkmalpflege (LfD) in München bestätigt, so Ruth. Anschließend sei flächig abgetragen worden, um auf die damalige Siedlungsschicht zu gelangen. „Wir gehen aber nicht in die Tiefe, wir nehmen nur die Steinbefunde auf dem Niveau des Baggers auf, dokumentieren alles und sichern die Kleinfunde“, erklärte Alois Spieleder, einer der drei Chefs der archäologischen Grabungsfirma, und verwies darauf, dass es sich um „keine Grabung“ handle. 

Das Areal sei "voll mit römischen Funden", meinte Heigermoser, die mit ihren Mitarbeitern in den letzten Wochen tagtäglich auch bei widrigsten äußeren Bedingungen vor Ort war. Ihrer Meinung nach handle es sich um "spezielle Bauten, keinen normalen Wohnbereich". Ein römisches Gewerbegebiet wäre naheliegend, dafür würden auch frühere archäologische Entdeckungen in der näheren Umgebung sprechen. Die teilweise ziemlich starken Grundmauern könnten ein hohes Mauerwerk getragen haben, mutmaßte sie. 

Was es mit der entdeckten rechteckigen steinernen Fläche auf sich habe, die vermutlich sogar in das südlich angrenzende Nachbargrundstück hineinreiche, müsse erst noch geklärt werden. Ein Platz sei es aber wohl nicht gewesen. Die Palette an Funden reiche von der vorchristlichen Keltenzeit bis ins 3. Jahrhundert nach Christus, betonte Heigermoser und zeigte den Gemeinderäten unter anderem eine antike metallene Fibel (Gewandspange) aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus, also der frühen Römerzeit, eine bronzene Münze, Tierknochen und unzählige Keramikscherben, darunter auch Bruchstücke des aus Südgallien importierten rötlich gefärbten römischen Luxusgeschirrs Terra Sigillata. Auf der geborgenen Münze könne man aktuell kaum etwas erkennen, sie müsse erst restauriert werden, so die Archäologin. 

Ein besonders schöner Fund ist diese Terra Sigillata-Scherbe, auf der die römische Jagdgöttin Diana und der Hirtengott Pan abgebildet sind. Die Kleinfunde kommen nun zur näheren Untersuchung ins Landesamt für Denkmalpflege nach München. Die Steinbefunde verbleiben für die Nachwelt gesichert im Boden. Die Parkplätze werden nach Abschluss der archäologischen Arbeiten drüber gebaut.

Parkplätze werden trotzdem gebaut 

Stolz zeigte sie auch eine größere Terra Sigillata-Scherbe, auf der die römische Jagdgöttin Diana und der Hirtengott Pan abgebildet seien. Die Funde kommen nun erst einmal zur näheren Untersuchung ins Landesamt für Denkmalpflege nach München. „Vielleicht bekommen wir das ein oder andere Exemplar irgendwann einmal als Dauerleihgabe in unser Römermuseum in Seebruck“, hoffte Ruth. Der Eigentümer müsse in so einem Falle gewährleisten, „dass Funde auf Anfrage öffentlich zugänglich sind und er muss auch den Erhalt der Funde gewährleisten“, so Archäologe Spieleder. Dies wäre in Seebruck der Fall. 

So eine große geschlossene archäologische Dokumentations- und Grabungsfläche habe man in Seebruck seit Jahrzehnten nicht mehr gehabt, freute sich Ortsheimatpfleger Hans Fenzl und verwies exemplarisch auf die Ausgrabungen des römischen Gräberfeldes in den 70er Jahren im Ortsteil Graben, östlich der Alz. Gemäß des geltenden „Erhaltungsgebotes“ werde das Ganze von den Archäologen am Ende wieder fachmännisch und sauber verschlossen, so Fenzl. Unter den Parkplätzen wären die römischen Hinterlassenschaften dann bestmöglich für die Nachwelt und zukünftige Archäologen-Generationen mit vielleicht noch viel besseren Forschungsmethoden geschützt, war man sich einig. 

Diverse Kleinfunde

Naheliegend sei, dass die Denkmalschutzzone nun zeitnah nach Norden erweitert werde, meinte Heigermoser. Die auf der anderen Straßenseite befindliche Wiese bezeichnete sie als „Verdachtsfläche“. „Wer (Zer-)Störungen, also Baumaßnahmen, in einem Bodendenkmal zum eigenen Vorteil genehmigt bekommen will, müsse als Ausgleich wenigstens die archäologischen Sicherungs-Grabungen bezahlen“, erläuterte Dr. Martin Pietsch vom LfD auf Nachfrage das geltende Verursacherprinzip. 

Die von der Gemeinde Seeon-Seebruck als Bauherr und Grundeigentümer zu tragenden Kosten belaufen sich bisher auf zirka 15.000 Euro. „Wenn wir im westlichen Bereich weitermachen, kommen noch einmal bis zu 8000 Euro hinzu“, meinte Ruth und sprach sich dafür aus. Der Gemeinderat beschloss dann in öffentlicher Sitzung mehrheitlich, dass die archäologischen Arbeiten fortgesetzt werden sollen. Für Heigermoser und ihre Kollegen ist also diese Woche noch nicht Schluss. Sie rechnen mit weiteren zwei Wochen Arbeit. 

mmü

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