Bürgermeister Ruth von Bevölkerung enttäuscht

Das war's! Keine zweite Alzbrücke in Seebruck

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Rund 250 Meter flussabwärts vom jetzigen Standort hätte die neue Brücke gebaut werden sollen. 
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Seebruck - Monatelang hingen Protestplakate im Ort - sie haben ihr Ziel nicht verfehlt: In Seebruck wird nun nicht weiter an einer zweiten Brücke über die Alz geplant. Wie geht es nun weiter?

Die Gemeinde Seeon-Seebruck wird einen neuen Brückenstandort in Seebruck nicht mehr weiter zu verfolgen, sondern sich auf einen Neubau der bestehenden Alzbrücke konzentrieren. Die fehlende Unterstützung der Bevölkerung und der überörtlichen Behörden und nicht zuletzt der Kaufpreis für das benötige Grundstück führten dazu, dass der Gemeinderat am Montag in seiner Sitzung im Bürgersaal Truchtlaching die Reißleine zog. 

Für Ruth "die größte Niederlage"

Bürgermeister Bernd Ruth.

Die Gemeinde habe ihre Hausaufgaben, die ihr von der Regierung Oberbayern auferlegt worden sein, immer erledigt, sagte der sichtlich frustrierte Bürgermeister Bernd Ruth. Entscheidend sei, dass die Regierung nicht herhalte und uns mit Hausaufgaben heimschicke, die dann im Sand versiegen. „Ich bin so frustriert, dass i sog, des konn´s ned sei.“ Für ihn sei es nach drei Jahren im Amt die größte Niederlage kurz vor dem Ziel nein sagen zu müssen, so Ruth. 

Die Summe, die für das Grundstück hätte aufgebracht werden müssen, wurde zwar nicht genannt. Der Preis dürfte sich aber bei weit über einer Million Euro bewegen. Er, Ruth, habe zwar versucht, den Preis zu drücken, was ihm aber nicht gelungen sei. Der Erwerb des Grundstückes wäre auch mit dem Risiko verbunden gewesen, dass der neue Brückenstandort aufgrund der strengen Auflagen, insbesondere des Naturschutzes, womöglich überhaupt nicht hätte realisiert werden können

Der Gemeinde droht jetzt eine Klage

Auf dem besagten Grundstück in der sogenannten Reimer-Kurve besteht bereits Baurecht. Die PS Bauträger GmbH hatte das 7300 Quadratmeter Grundstück an der Ludwig-Thoma-Straße erworben, noch bevor sich die Gemeinde dafür entschieden hatte, den Bereich als Sanierungsgebiet auszuweisen. Die Bauanträge für drei Häuser waren auch bereits eingereicht. Seit der beschlossenen Änderungssperre liegt der Bauträger mit der Gemeinde im Clinch. Der Bauträger möchte jetzt dem ihm entstandenen Schaden ersetzt haben und hat eine Amtshaftungsklage erhoben. Diese müsse die Gemeinde jetzt noch überstehen, sagte Ruth. 

Monatelang zierten Protestplakate wie dieses den Ort.

Lobend erwähnte er, dass der Gemeinderat zu 100 Prozent hinter der Seebrucker Dorfentwicklung im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) stehe und trotz des Widerstandes so durchgehalten habe. Die damit einhergehende Verlegung der Alzbrücke, die ein Teil des Entwicklungskonzepts gewesen wäre, aber separat durch das Staatliche Bauamt abgewickelt hätte werden müssen, wäre eine Chance gewesen, den Verkehr aus dem Ort zu bekommen. Es sei schade, dass die Bemühungen des Gemeinderates kein positives Ende genommen habe. 

Ruth von der Bevölkerung "maßlos enttäuscht"

Ein Modell, in dem die zweite Brücke bereits dargestellt war.

Von der Bevölkerung, deren Bedenken er bezüglich eines neuen Brückenstandorts er zwar verstehen könne, sei er aber maßlos enttäuscht. Es habe nur Kritik gehagelt, Anerkennung oder Anregungen habe man so gut wie gar keine verspürt. Im Stich gelassen fühlt sich der Bürgermeister auch von der Politik. Lediglich Landrat Siegfried Walch hätte die Gemeinde in ihrem Vorhaben unterstützt, sagte Ruth. Sich der Dringlichkeit dieses Themas bewusst, wurde die Gemeinderatssitzung in den Bürgersaal in Truchtlaching verlegt. In der Hoffnung, möglichst viele Bürger zu erreichen und ihnen das aufwendige, bisher durchgeführte Verfahren chronologisch zu erläutern. 

Rund 40, meist ältere Besucher waren gekommen, darunter auch Vertreter der Bürgerinitiative „Pro Seebruck“, die sich gegen einen neuen Brückenstandort und für eine große Ortsumfahrung ausgesprochen hatte. Insofern wurde von den Vertretern der Bürgerinitiative die Entscheidung, eine neue Trasse nicht mehr weiterzuverfolgen, begrüßt. „Ich bin schon erleichtert“, sagte Dagmar Liese der Redaktion. Andere erklärten kopfschüttelnd, dass sie es nicht nachvollziehen könnten, weshalb eine Umgehungsstraße in einem Tourismusort wie Seebruck nicht möglich sei. 

Die Stimmen aus dem Gemeinderat

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Ruth hatte in der Sitzung erklärt, dass die Regierung von Oberbayern erst kürzlich klar signalisiert habe: „Eine Ortsumfahrung wird nicht gebaut!“ Das Gremium war sich aus den oben genannten Gründen geschlossen einig darüber, das Bemühen um einen neuen Brückenstandort aufzugeben. „Es ist schade, wir haben so viel Herzblut hineingesteckt und Geld investiert“, bedauerte Sepp Daxenberger (CSU). Den Schwerlastverkehr aus dem Ort hinauszubringen wäre für die Entwicklung Seebrucks genial gewesen. 

Martin Bartlweber (FW) kam zu der Überzeugung, dass die Gemeinde jetzt an einem Punkt angelangt sei, die obere Trasse zu verlassen. „Wir haben alles probiert. Auch für mich ist Punkt gekommen, sich mit einem tränenden Auge von der neuen Trasse zu verabschieden und zu sagen 'Ich steige aus'“, sagte Christine Eglseer. Nach Ansicht von Josef Hölzl (FW) würden die vielen Unwägbarkeiten die zeitliche Schiene überrollen. Hölzl sprach sich ebenso gegen den Kauf des Grundstückes aus, wie die 2. Bürgermeisterin Martha Gruber. 

"Eine Monsterbrücke kann dort unten genauso umgesetzt werden"

Auch bei der Bürgerversammlung im März war die Brücke Thema Nr. 1

"Wir haben schon zwei Grundstücke bei der Bestandsbrücke gekauft und sollten nicht wieder Geld investieren", so Gruber. Als frustrierend bezeichnete Andreas Dorn (FW) die Gespräche bei der Regierung von Oberbayern, denen er als Gemeinderat mit beiwohnte. „Da hab ich keinen Lichtblick gesehen“. Er mahnte aber auch an, dass die Bestandsbrücke deshalb noch lange keine "gemähte Wiese" sei. „Eine Monsterbrücke kann dort unten genau so umgesetzt werden.“ 

Rudolf Mayer (FW) erwartet deshalb jetzt auch von den Gegnern Unterstützung beim Bau der angestammten Brücke. „Ich hoffe schon, dass den bevorstehenden Kampf nicht wieder der Gemeinderat alleine durchfechten muss, sondern diesen dann auch die Gegner unterstützen.“ Auch Franz Wörndl (CSU) befürchtete, dass durch den Ausbau der Bestandsbücke der Kampf erst so richtig los gehe. „Eine neue Brückentrasse wäre für Seebruck eine Traumlösung gewesen“, so Wörndl. 

Für Michael Regenauer (CSU) wäre die Neutrassierung die zukunftsträchtigste Lösung gewesen. „Ich hoffe, dass unsere Kinder nicht einmal sagen, warum habt ihr die Trasse nicht besser verfolgt.“ Nach Angaben vom Martin Birgel vom Planungsbüro Dragomir wäre die Neutrassierung der Brücke eine gute Variante für die Dorfentwicklung im Rahmen des ISEK gewesen. „Für uns gilt jetzt das Ziel, das allerbeste für Seebruck rauszuholen“, so Birgel. Er warnte davor, nicht in eine 08/15-Lösung zurückzufallen. 

Strenge Naturschutzregeln bei Sanierung der Bestandsbrücke

Dr. Hans Michael Schober vom gleichnamigen Landschaftsarchitektenbüro teilte mit, dass nach dem bisherigen Erkenntnisstand der höheren Naturschutzbehörde, ein Brückenbauwerk am neuen Standort möglich wäre. „Schon jetzt lässt sich sagen, dass keine erheblichen Beeinträchtigungen der Schutzgebiete bei entsprechend schadensbegrenzenden Maßnahmen entstehen würden." 

Von Seiten des ISEK wäre eine neue Brücke auch deshalb empfehlenswert, weil auch eine Sanierung beziehungsweise ein Neubau der Bestandbrücke die naturschutzrechtlichen Probleme nicht löse. Das bedeutet, dass die Gemeinde Seeon-Seebruck, respektive das Staatliche Bauamt als Straßenlastträger, beim Neubau der Brücke mit strengen Naturschutzauflagen rechnen muss. Der Beschlussvorschlag, das Grundstück nicht zu erwerben, wurde einstimmig abgesegnet.

ga

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