Neue Initiative wehrt sich gegen geplante Entlastungsspange 

Ein "Schandfleck" in Seebrucks Landschaftsbild? 

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So könnte die Entlastungsspange verlaufen. Die Pläne hatte das Staatliche Bauamt in der Infoveranstaltung vorgestellt.
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Seeon-Seebruck - Gegen die von der Gemeinde geplante "Entlastungsspange" weht Gegenwind - in Form einer neu gegründeten Initiative "Bürgerforum Seebruck". Sie setzt sich für eine behutsame Sanierung der Alzbrücke am bisherigen Standort mit verkehrsberuhigenden Maßnahmen ein. 

Die von der Gemeinde Seeon-Seebruck geforderte "Entlastungsspange" im Zug der Staatsstraße 2095 stößt zunehmend auf Kritik. Bürgermeister Bernd Ruth hatte im Mai zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, bei der Vertreter der Regierung von Oberbayern und des Staatlichen Bauamts Traunstein die zwischen Verkehrsministerium und Gemeinde ausgehandelte Lösung vorstellten. 

Etwa hier soll die neue Straße mit der zweiten Alzbrücke verlaufen. 

Mit dieser Lösung jedoch geben sich anscheinend nicht alle zufrieden. Denn inzwischen formt sich Widerstand: Toni Mayer aus Seebruck hatte zu einem Treffen aufgerufen, dem am Mittwochabend des 12. Juni im Gasthaus Malerwinkel 30 Gemeindebürger folgten und gemeinsam das "Bürgerforum Seebruck" gründeten.

"Tourismus im Ort halten"

Die Kritik der Anwesenden entzündete sich an dem als unverantwortlich bezeichneten Eingriff in die Natur: Die Straßentrasse würde nördlich Graben durch das Moor verlaufen, das als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und durch die europaweite Natura-2000-Verordnung als Flora-Fauna-Habitat- und Vogelschutzgebiet gesichert ist.

Nach Ansicht der Initiative handele es sich hier um einen kartierten Biotopbereich und ein durch gemeindlichen Bebauungsplan festgelegten Schutzbereich. "Die Trasse würde die Alz in einem bisher unberührten Uferbereich queren und müsste um 12 Meter bis hoch zur 'Reimer Kurve' ansteigen. Diese Schrägbrücke bewirkt eine Immissionsausstrahlung über den gesamten Ort und wäre ein Schandfleck im Landschaftsbild", betonen die Initiatoren in einer Pressemitteilung. 

Gerade für den Raum Seeon könne mit der Umgehung von Seebruck eine Verkehrszunahme eintreten, die großräumige Auswirkungen von Traunstein bis Wasserburg haben könne. 

Zweifel hegt die Initative auch bezüglich der von einigen Gemeinderäten erhofften Vorteile einer Uferpromenade an der Traunsteiner Straße. Gerade wenn diese Straße und die Brücke in gemeindliche Zuständigkeit und Baulast käme, werde sie weiter den örtlichen und den Tourismusverkehr aufnehmen müssen. Man wolle den Tourismus jedoch nicht um den Ort herumleiten, sondern im Ort halten.

Die Alz mit Seebruck im Hintergrund. Die neue Bürgerinitiative fürchtet mit den Plänen des Neubaus der Brücke und der Entlastungsspange einen Eingriff in die Natur. 

Was Seebruck brauche, sei keine Landschafts- und Tourismus-schädigende Umfahrung, sondern eine bestandsorientierte Sanierung der Alzbrücke unter Beibehaltung der Tonnage-Beschränkung und Verbesserung der Radfahrmöglichkeiten, eine verkehrsberuhigende Ausgestaltung der gesamten Ortsdurchfahrt von der Ludwig- Thoma-Straße bis Arlaching.

Toni Mayer rief dazu auf, das neue Bürgerforum weiter zu entwickeln und wies darauf hin, dass bereits zum Umweltschutzverband Alztal (UVA) und auch zum örtlichen Bund Naturschutz Verbindung aufgenommen wurde. UVA-Vorsitzende Gisa Pauli habe bereits Unterstützung - auch bei einer etwaigen Klage gegen ein Planfeststellungsverfahren - zugesichert. Auch zur Seeoner Initiativgruppe gegen den im Gemeindegebiet geplanten Kiesabbau bestehen enge Verbindungen. 

Langes Hin und Her in den vergangenen Jahren

Bereits bei den Überlegungen zu einer zweiten Alzbrücke vor einigen Jahren bildete sich Widerstand im Ort, Protestplakaten wurden aufgehängt. Im Mai 2017 resignierte dann Bürgermeister Bernd Ruth und der Gemeinderat: Man verabschiedete sich vom Gedanken einer zweiten Alzbrücke, weil die Unterstützung aus der Bevölkerung und der überörtlichen Behörden fehlte. 

Das Staatliche Bauamt Traunstein stellte im Sommer 2018 schließlich vier Varianten für einen Brückenneubau vor, mit denen der Gemeinderat rundweg unzufrieden war. In der Diskussion rückte ein Brückenneubau rund 200 Meter weiter nördlich dann doch wieder in den Fokus des Gemeinderates - die Mehrheit hielt an diesem Gedanken fest. Heuer im Februar brachten erneute Gespräche zwischen Verkehrsministerium, Landrat, Staatlichem Bauamt und Bürgermeister dann den Durchbruch für die sogenannte Variante C1 - eine kleine Umfahrung und eine neue Brücke. 

mb/Pressemitteilung "Bürgerforum Seebruck"

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