Münchens Alt-OB Christian Ude zu geplanter Entlastungsspange

"Zerstörerischer Eingriff in die nächste Umgebung von Seebruck"  

Christian Ude, Alt-Oberbürgermeister von München, besuchte am 2. Januar 2020 Seebruck, um sich ein Bild von der Lage der geplanten Entlastungsspange zu machen. 
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Christian Ude, Alt-Oberbürgermeister von München, besuchte am 2. Januar 2020 Seebruck, um sich ein Bild von der Lage der geplanten Entlastungsspange zu machen. 

Seeon-Seebruck - Die Debatten um die geplante Entlastungsspange reißen auch im neuen Jahr nicht ab und gingen am 2. Januar 2020 gleich nach Jahreswechsel mit bekannter Polit-Prominenz in die nächste Runde. 

Erst vor wenigen Monaten machte sich Ludwig Hartmann von den Grünen ein Bild von der Lage vor Ort. Hier war ebenfalls der Huberhof von Familie Mayer Ausgangspunkt für die Rundwanderung durch das Moor entlang der Alz an der Stelle der vorgesehenen neuen Trasse, die nun geplant wird, weil sich vier alternative Vorschläge des Staatlichen Bauamts für eine Brücke über die Alz nicht durchsetzen konnten.  


Anfang des Jahres zog es die nächste politische Größe in die Chiemseegemeinde an den malerisch gelegenen Hof von Toni Mayer junior, Sprecher des Bürgerforums Seebruck

Durch diese Gegend direkt an der Alz und inmitten des Moores soll eine zweite Alzbrücke für den Verkehr führen - für Christian Ude (rechts) mit Toni Mayer vom Bürgerforum Seebruck - nicht vorstellbar. 

Christian Ude, Münchens Alt-Oberbürgermeister, bezog am 2. Januar 2020 vor Ort Stellung zu den Plänen der Entlastungsspange. Auch wenn er kein Verkehrsexperte für den ländlichen Raum sei und nicht hier im Chiemgau lebe, so habe er hier "sein Herz verloren", betonte der Politiker zu Beginn: "Meine Familie und ich haben oft in dieser Gegend Urlaub gemacht - auf dem Huberhof war ich das erste Mal mit zwölf Jahren und im vergangenen Jahr versuchte ich mich zum ersten und bestimmt nicht zum letzten Mal im Kanu-Fahren auf der Alz von Truchtlaching aus. Als ich hörte, dass hier ein ganz bedrohliches Projekt in Planung ist, wollte ich mir die Situation unbedingt aus der Nähe anschauen." 


Auf den ersten Blick höre sich eine Umgehungsstraße für die Bürger gut an, erklärte Ude, mahnte aber gleichzeitig: "Die geplante Entlastungsspange ist keine Straße sondern eine Brücke, die das wertvolle ökologische Gebiet der Flora und Fauna zerschneidet. Die Situation vor Ort ist traumhaft und die Entlastungsspange wäre eine große Beeinträchtigung für die Gegend. Ich hege schwere Bedenken, was die Planungen anbelangt." 

Mayer: "Ein Wahnsinn" 

Für Toni Mayer und die Gegner der Entlastungsspange liegen die negativen Auswirkungen auf der Hand: "Ich nenne sie 'Belastungsspange', denn die Brücke be- statt entlastet. Freilich hört sich das zu Beginn wie ein Vorteil für uns Bürger an - doch wir laufen alle Gefahr, dass die Staatsstraße sich zu einer mautfreien Fernverkehrsstraße entwickelt und dann haben wir die Mehrbelastung durch Immission, Dreck und Lärm wegen des Schwerlastverkehrs. Das Ziel muss sein, Lkw auf die Autobahnen zu lotsen und den Verkehr im Ort langfristig zu reduzieren. Die Entlastungsspange bringt uns keine Besserung." 

Auch ökologisch betrachtet sei die Planung Mayer zufolge "ein Wahnsinn, ein Absurdum". Die Gramsenfilzen sei ein "ökologisch wertvolles 45 Hektar großes Hoch- und Übergangsmoor - diese Schutzzonen dürfen nicht angegriffen werden. Wir müssen unsere Heimat bewahren. Ich weiß nicht, was das für ein Bild ist, wenn man mit dem Kanu künftig unter der zweiten Alzbrücke paddelt und über den Köpfen brettern die Lkw."

Gisa Pauli vom Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) und Gerd Raepple von der Interessengemeinschaft Seeon sahen das ähnlich. Das Ganze sei ein "gesamtpolitisches Problem", man wolle eine Lösung für die ganze Region rund um Seebruck, ein stärkeres Einbringen der Kommunen um das "Gold und die Schätze des 21. Jahrhunderts", die nach einer Ausbeutung für immer verloren wären, für die Nachwelt erhalten. Dies seien nur einige der Ziele, für die die Gegner der Entlastungsspange kämpfen. 

Christian Ude (rechts) mit Toni Mayer vom Bürgerforum Seebruck und Michaela Losbichler vom Grünen-Ortsverband Seebruck. 

 Ude hegte zudem Bedenken in Bezug auf die anstehende Bürgerbefragung, die die Gemeinde im Februar durchführen möchte und die das zuvor vorgesehene Ratsbegehren abgelöst hat. 

Bei einer Fragestellung mit einer "Ja/Nein"-Antwortmöglichkeit sei Ude zufolge der Ausgang entscheidend. "Lautet die Fragestellung ob man dafür sei, dass der Staat die Planung vorantreibe, macht kein Bürger ein Kreuzerl, weil er sich denkt, der Staat regelt das eh. Lautet die Fragestellung, ob man für eine Umgehungsstraße sei, wird jeder Bürger zustimmen. Langfristig sehe ich so keine Beseitigung des Verkehrs in Seebruck und die Bürger bleiben weiter die Leidtragenden

Er empfehle den Bürgern genau zu lesen und plädiere für eine "Waffengleichheit" in Form einer umfassenden Aufklärung und Lieferung von Informationen aller Seiten - von den Bürgerinitiativen über die Gemeinde bis hin zu Politik und Bauamt

Wie es weitergeht mit den Plänen der Gemeinde zur Bürgerbefragung entscheidet sich in der ersten Sitzung des Gemeinderats Seeon-Seebruck am Montag, 20. Januar 2020

mb

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