Antike Mauerfundamente in Seebruck gefunden

Steinfundament eines römischen Streifenhauses entdeckt?

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Die provinzialrömische Archäologin Andrea Krammer (hinten) vermaß und dokumentierte mit dem Archäologen Hans-Peter Volpert antike Fundamentreste nördlich der Seebrucker Römerstraße, auf Höhe der neuen Klinik ChiemseeWinkel. Die Funde lassen darauf schließen, dass dort einst in Bedaium, dem heutigen Seebruck, ein römisches Streifenhaus stand.

Seeon-Seebruck - Erneut stieß man in Seebruck auf antike Mauerfundamente. Die herbeigerufenen Archäologen sind davon überzeugt, dass es sich um die Reste eines römischen Streifenhauses handelt.

Das Römermuseum Bedaium in Seebruck macht derzeit Winterpause, dafür gibt es von Archäologen-Seite interessante Neuigkeiten. Knapp eineinhalb Jahre nachdem am Seefeld 1, am Standort des früheren Zahnarzt-Lehrer-Gebäudes, bei Aushub der Baugrube römische Gebäudefundamente zum Vorschein gekommen waren, stieß man nun bei den Vorbereitungsarbeiten für die Außenanlagen des neuen Klinikgebäudes (Bettenhaus) zwischen der Baugrube und der Römerstraße erneut auf antike Mauerreste. 

Die provinzialrömische Archäologin Andrea Krammer (hinten) vermaß und dokumentierte mit dem Archäologen Hans-Peter Volpert antike Fundamentreste nördlich der Seebrucker Römerstraße, auf Höhe der neuen Klinik ChiemseeWinkel. Die Funde lassen darauf schließen, dass dort einst in Bedaium, dem heutigen Seebruck, ein römisches Streifenhaus stand.

Der provinzialrömischen Archäologin Andrea Krammer zufolge handle es sich um das rund zehn Meter lange Steinfundament (Außenmauer) eines römischen Streifenhauses, das bis rund drei Meter an die Römerstraße heranreichte. Den Fundspuren nach zu urteilen, habe dieses Gebäude sogar über einen beheizbaren Raum verfügt, so die frühere Seebrucker Museumsleiterin. Des Weiteren sei man auch noch auf diverse Kleinfunde gestoßen wie Ziegel und Terra Sigillata. „Wir haben am Fundort alles aufgenommen, eingemessen, dokumentiert, gezeichnet und fotografiert, dann ist die Mauer eingesandet, mit Fließ überdeckt und aufgekiest worden“, so Krammer. 

Es sei schon bemerkenswert, dass in Seebruck rund 20 Jahre keine Relikte aus der Römerzeit zu Tage gekommen seien und seit dem letzten Sommer bereits mehrmals Archäologen und Grabungstechniker im Einsatz waren, freut sich Ortsheimatpfleger Hans Fenzl. Als „etwas Besonderes“, bezeichnete er auch den Umstand, dass das Mauerfundament nur zirka 30 Zentimeter unter dem Niveau der heutigen Römerstraße liege und man bereits beim Pflanzen eines Baumes darauf stoßen hätte können. Das „Streifenhaus“ ist der charakteristische Häusertyp für die von einer gallorömischen Bevölkerung geprägten vici in den römischen Nordwestprovinzen. Er war sehr schmal angelegt und reichte längsseitig von der Straße weg, um möglichst vielen Grundstücken einen Zugang zur Durchgangsstraße zu gewähren. Die Gebäude wurden in der Regel Wand an Wand gebaut oder sie teilten sich sogar eine Außenwand. Manchmal trennte die Häuser auch ein schmaler Gang. Die Raumaufteilung der Streifenhäuser variierte. 

Nicht selten befand sich aber an der Straßenfront ein Raum, der als Ladenlokal fungierte, von dem aus die Kundschaft auf der Straße bedient werden konnte. Auch in Bedaium, dem heutigen Seebruck, könnte dies der Fall gewesen sein, denn nur rund 150 Meter westlich befinden sich an der heutigen Römerstraße die überdachten Mauerreste einer römischen Darre, ein Gebäude, in dem unter anderem Fisch und Fleisch geräuchert wurden. Gegenüber dürfte sich ein „römischer Marktplatz“ befunden haben. Nicht nur weil ein römisches Streifenhaus selten alleine stand, könnten im benachbarten Bereich des unlängst abgerissenen Seebrucker Rathauses die Archäologen bald wieder einiges zu tun bekommen. 

mmü

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