Seeon-Seebruck boykottiert Stechmückenbekämpfung am Chiemsee *Mit Voting* 

Sorge um Tourismus: "Die Leute werden Seebruck meiden" 

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Noch liegt das Chiemseeufer in Seebruck verlassen dar. Doch mit den Sommermonaten könnten auch vermehrt Mücken in der Gemeinde einziehen. 
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Seeon-Seebruck - Als erste Chiemsee-Gemeinde hat sich Seebruck dazu entschieden, künftig nicht mehr bei der Bekämpfung von Stechmücken mitmachen zu wollen. Das könnte negative Auswirkungen auf den Tourismus haben, befürchten die Betreiberinnen der "Chiemsee Pension Seebruck". 

Die beiden Betreiberinnen schilderten ihre Bedenken in einem Brief an dem Gemeinderat. Darin wiesen sie vor allem auf die negativen touristischen Auswirkungen hin. "Wir sind entsetzt, dass Seebruck sich künftig nicht mehr an der Kooperation beteiligen möchte", erklären die zwei Damen im Gespräch mit chiemgau24.de. 

Das Problem: Die Betreiberinnen befürchten durch den Ausstieg eine Gefährdung des Tourismus. Die Auswirkungen aus dem Austritt bekämen wohl vor allem die Gastronomien und Hotels zu spüren, Umsatzeinbußen bei vielen Unternehmen könnten die Folge sein. 

"Wer will sich schon von Stechmücken zerfressen lassen?" 

Seeon-Seebruck sei ein Touristenmagnet. "Das könnte schlimm werden, wenn sich herumspricht, dass sich die Gäste im Sommer bei uns aufgrund der Mücken nicht aufhalten können", mutmaßen die Betreiberinnen und blicken negativ in die Zukunft. "Die Leute werden Seebruck meiden." 

Und weiter: "Mit unserer Pension sind wir auch von Bewertungen abhängig. Heutzutage steht alles im Internet. Wenn irgendwo auftaucht, dass Seebruck von einer Mückenplage heimgesucht wird, dann bleiben die Gäste freilich aus. Wer will sich schon abends draußen von Stechmücken zerfressen lassen, wenn er seinen Feierabend oder Urlaub genießt?"

Vor ein paar Jahren sei es eh schon einmal so schlimm gewesen mit der Mückenpopulation. Angesichts des verregneten und nassen Mai-Monats in diesem Jahr könnten sich die Mücken heuer durchaus nach Einschätzung der Hotel-Betreiberinnen vielfach vermehren. Darum sei die Eindämmung der Stechmückenpopulation am Chiemseeufer in den Sommermonaten laut der beiden auch so wichtig. 

Zudem sei das Mittel "BTI" lediglich ein Eiweißpräparat - ungefährlich für andere Tiere, den Mücken jedoch mache es den Garaus. Die "BTI"-Methode bekämpfe gezielt die Larven der Stechmücken und schadee keinem anderen Lebewesen, heißt es auch auf der Website der Abwasser- und Umweltverbands Chiemsee

Bienen und Mücken nicht vergleichbar

Die Gründe des Rats, warum Seeon-Seebruck als einzige Gemeinde aus dem Verbund aussteigt, können die Betreiberinnen des Hotels in Seebruck nicht nachvollziehen. In ihren Augen habe das auch nichts mit dem erfolgreichen Volksbegehren "Rettet die Bienen" zu tun. Stechmücken seien mit den Bienen, deren Population laut den beiden Betreiberinnen durchaus erhalten bleiben solle, nicht vergleichbar. Die Plagegeister würden Krankheiten übertragen und ihre Stiche seien - je nach Art der Mücke - gerade für Kinder nicht ungefährlich

Dazu komme, da sind sich die beiden sicher: "Wenn am Chiemsse künftig nicht mehr von offizieller Seite gespritzt wird, gehen die Seebrucker mit eigenen Mitteln gegen die Stechmücken vor."

Die Betreiberinnen der "Chiemsee Pension Seebruck" haben sich bereits informiert und werden wohl im Falle einer Mückenplage in den kommenden Jahren auf biologische Mittel oder Fallen zurückgreifen, die sie jedoch aus eigener Tasche bezahlen müssen. "Da kommen locker mal ein paar 1000 Euro zusammen - unnötige Zusatzkosten für uns." 

Ärgerlich sei in den Augen der beiden Damen außerdem, dass die Gemeinde hohe Fremdenverkehrsbeiträge verlange. "Da fragen wir uns schon, was die Gemeinde dann noch für uns konkret tut in punkto Tourismus." 

2019 ist Seeon-Seebruck noch beim Verbund dabei 

Wie Geschäftsstellenleiter Dominik Huber auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt, habe man das Schreiben der Betreiberinnen der "Chiemsee Pension Seebruck" mit den Hinweisen auf die möglichen negativen Auswirkungen in der Mai-Sitzung vorgetragen und zur Kenntnis genommen

An der Entscheidung zum Austritt aus der Kooperation zur Stechmückenbekämpfung am "Bayerischen Meer" werde sich aber wohl nichts mehr ändern. 

In der kommenden Sitzung am 3. Juni wolle sich der Gemeinderat mit der rechtlichen Situation beschäftigen. Huber dazu: "Der Austritt gilt erst ab dem kommenden Jahr. 2019 sind wir vertraglich gesehen noch dabei, falls es zu einer Bekämpfung der Mücken am Chiemsee kommen sollte." 

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mb

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