Nach "Ja" in Bürgerbefragung zur Entlastungsspange

Bürgerforum kämpferisch: "Werden uns jeder Umweltschädigung entgegenstellen"

Die Gegner der Entlastungsspange um das Bürgerforum Seebruck auf der maroden Alzbrücke. 
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Die Gegner der Entlastungsspange um das Bürgerforum Seebruck auf der maroden Alzbrücke. 

Seeon-Seebruck - Die Bürgerbefragung zur Entlastungsspange Seebruck als Alternativlösung zur baufälligen Alzbrücke brachte ans Licht, dass die Mehrheit der Seebrucker für eine Weiterverfolung der Pläne sind. Sind damit die Weichen für den Bau einer Entlastungsspange gestellt? Die Gegner rund um das Bürgerforum haben dazu eine ganz andere Ansicht. 

Die Bürger von Seeon-Seebruck haben ihr Votum abgegeben: 60,2 Prozent der Befragten äußerten den Wunsch, dass die Gemeinde die Planungen der Bayerischen Straßenbauverwaltung weiterhin unterstützen solle. 39,8 Prozent stimmten mit "Nein" und zwei Prozent enthielten sich. 


Für Bürgermeister Bernd Ruth ein erfreuliches Ergebnis: "Nachdem wir über Wochen mit Kritik beschossen wurden, freuen wir uns über 60 Prozent an 'Ja'-Stimmen. Auch die Wahlbeteiligung von 62 Prozent untermauert die klare Meinung der Seebrucker zur geplanten Entlastungsspange."

Fehlende offizielle Informationen für die Seebrucker? 

Die Gegner der Planungen haben zum Ergebnis der Bürgerbefragung eine deutliche Meinung. Toni Mayer, Hannelore Ebeling und Hans Heistracher, die Sprecher des Bürgerforums Seebrucks, verbuchen den Anteil von knapp 40 Prozent an "Nein"-Stimmen" als Erfolg ihrer Aufklärungsarbeit der letzen Wochen und Monate - auch wenn sie sich ein mehrheitliches "Nein" als Ergebnis gewünscht hätten. Das teilen sie am Donnerstagmorgen des 27. Februars in einer schriftlichen Stellungnahme mit. 


"Da seitens der Gemeinde und des Staatlichen Bauamts kaum Informationen zum Für und Wider einer neuen Straße mit zweiter Alzbrücke gegeben wurden, konnten sich die Befragten lange keine fundierte Meinung bilden. Die Fragestellung war dann so, dass eigentlich jeder mit 'Ja' antworten musste, weil jeder eine Verkehrsentlastung der Ortsmitte befürwortet. Nur wenige Naturfreunde wussten, welche höchstwertigen Schutzgebiete der Alzauen und des Hochmoors Gramsenfilzen durch den Bau einer neuen Straße zerstört würden."

Bürgerforums-Sprecher Toni Mayer. 

Bis heute wisse man nicht, welche "konkreten Verbesserungen durch die sogenannte Entlastungsspange" erreicht werden könnten und wie viel Zusatzverkehr angezogen werde. "Wir wissen nicht einmal, ob die vom Staatlichen Bauamt wegen der Schutzgebiete noch 2018 festgestellte Unzulässigkeit einer neuen Straße jetzt plötzlich anders beurteilt wird", heißt es weiter. 

Entlastungsspange eine "schwere Fehlplanung"? 

Das Bürgerforum freue sich zwar über knapp 40 Prozent an Abstimmenden überhaupt erreicht zu haben - man hätte aber selbstverständlich ein mehrheitliches "Nein" als Ergebnis bevorzugt. 

"Damit hätten wir dann erreichen können, dass die Lösung der Verkehrsprobleme einschließlich der besonders problematischen Radfahr- und Fußgängerverbindung nicht 15 Jahre lang verzögert wird. Nun aber wird das Staatliche Bauamt die alte Alzbrücke erneuern, sie dazu auf fast ein Jahr gänzlich sperren und auf 40 Tonnen Belastung ausbauen - ohne Radweg und ohne Verkehrsberuhigung, sprich der Schwerverkehr wird sprunghaft zunehmen und die Fußgänger und Radfahrer werden noch mehr gefährdet", sind die Sprecher, die diese Planung weiterhin für eine "schwere Fehlplanung" halten, überzeugt.

Die blau eingezeichnete Trasse einer möglichen Entlastungsspange nördlich des Ortsteils Graben stammt vom Architekturbüro Landbrecht und soll vor allem als Diskussionsgrundlage dienen. Eine genaue, mögliche Trassenführung steht noch nicht fest. 

Bürgerforum kämpft weiter für die Zukunft Seebrucks 

Man wolle deshalb weiter für eine Verkehrsberuhigung der gesamten Ortsdurchfahrt, für eine überörtliche Lenkung des Fern- und Schwerverkehrs auf die Fernverkehrsstraßen sowie für eine unverzügliche Sanierung und Verbesserung der Brücke am alten Standort mit sicherem Rad- und Fußweg kämpfen. 

"Wir werden weiterhin eintreten für den Erhalt der Naturschutzgebiete - allen voran des Hochmoors sowie des FFH-Gebiets. Dass knapp 40 Prozent der Befragungsteilnehmer dies offensichtlich auch befürworten, ist für uns ein Ansporn. Das Bürgerforum wird kritisch verfolgen, wie das Staatliche Bauamt - mit der weiteren Unterstützung der Gemeinde - die Raumwiderstandskartierung und die Raum- empfindlichkeitsanalyse sowie die Trassenfindung vornimmt und die Umweltverträglichkeitsstudie erstellt. Und wir werden uns jeder Umweltschädigung entgegenstellen", geben sich die Gegner der Entlastungsspange weiter kämpferisch. 

Drei Bürgerversammlungen ab 27. Februar: 

Die Debatte rund um die Pläne für eine Entlastungsspange wird auch auf den Bürgerversammlungen in der letzten Februarwoche zur Sprache kommen. 

chiemgau24.de berichtet im Anschluss an die erste Bürgerversammlung in Seebruck über die Inhalte und die Themen, die den Seebrucker Bürgern unter den Nägeln brennen, am Freitag, 28. Februar.

mb/Stellungnahme Bürgerforum Seebruck  

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