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Prozess um Messerattacke von Chemnitz: Urteil ist gefallen

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Bürgermeister Ruth unglücklich mit Ausstieg aus Chiemseer Verbund 

Ohne Mückenbekämpfung: Mutiert Seeon-Seebruck zu einem "Amazonas-Delta"? 

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Seeon-Seebrucks Bürgermeister Bernd Ruth ist nicht glücklich damit, dass sich die Gemeinde künftig nicht mehr an der Stechmückenbekämpfung am Chiemsee beteiligen soll. 
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Seeon-Seebruck - Bürgermeister Bernd Ruth ist mit der Entscheidung, dass sich die Gemeinde künftig nicht mehr an der Kooperation zur Stechmückenbekämpfung am Chiemsee beteiligen soll, nicht glücklich. Ist der Austritt schon in Stein gemeißelt oder kann an dem Beschluss womöglich noch gerüttelt werden? 

"Der Beschluss vom April 2019 ist durch, an dem lässt sich nichts mehr feilen oder rückgängig machen", erklärt Seeon-Seebrucks Bürgermeister Bernd Ruth und macht keinen Hehl daraus, dass er mit dieser Entscheidung nicht zufrieden ist. 

Die Befürworter des Austritts argumentierten in der April-Sitzung mit dem primären Gesichtspunkt, dass es nicht nur alleine um die Mückenlarven gehe. Sie dienen vielmehr auch als Nahrungsgrundlage für Frösche, Vögel oder Fische, die am Chiemsee leben. 

Ruths Ansicht nach sei die Enscheidung im Rat zu einem "denkbar ungünstigen Zeitpunkt" gefällt worden: "Ein paar Wochen zuvor ging das Volksbegehren 'Rettet die Bienen' erfolgreich über die Bühne und Umweltschutz war plötzlich in aller Munde. Ich denke, das war eine Steilvorlage und einige Gemeinderatsmitglieder, die dann auch der Argumentation der Befürworteter folgten, wurden womöglich ein bisserl vom Volksbegehren beeinflusst." 

Chemie-Keule mit Pestiziden komme nicht zum Einsatz

Dabei schädige das Eiweißmittel BTI andere Lebewesen am Chiemsee in keinster Weise. Das sei Ruth zufolge bewiesen: "Wir bekämpfen im Rahmen des Verbunds nur eine Mückensorte, die Überschwemmungsmücke, die sich vermehrt, sobald Hochwasser eintritt. Das BTI wird zwei Mal im Jahr gezielt auf diese Mückenart gespritzt und greift auch lediglich diese Larven an. Ich könnte mir vorstellen, dass viele bei der Stechmückenbekämpfung glauben, wir schwingen die Chemie-Keule mit Pestiziden - doch das ist definitiv nicht der Fall." 

Entschieden wurde am Ende in der Sitzung des Rats mit 9:6 Stimmen für den Austritt aus dem Verbund. 

Negative touristische Auswirkungen für Seeon-Seebruck

Ruth legt weiter seine Sichtweise dar: "Ich habe von Anfang an dagegen argumentiert, weil ich natürlich den Tourismus und die Folgen für unseren Tourismusort Seebruck im Hinterkopf habe. Die Urlaubsgäste unterscheiden nicht zwischen den Mücken - für die ist es einfach nur unangenehm, wenn sie von den Plagegeistern belagert werden. Ich sehe auch die Gefahr, dass die Touristen ausbleiben, wenn sich das herumspricht. Bei einer Mückenplage verwandelt sich Seeon-Seebruck ohne Bekämpfung in ein Amazonas-Delta. Gerade bei dem verregneten Mai heuer könnte ich mir gut vorstellen, dass BTI wieder zum Einsatz kommen wird, da sonst eine Mückenepidemie droht." 

Deshalb sei Ruth "voll und ganz" auf der Seite der beiden Betreiberinnen der "Chiemsee Pension Seebruck" und teile ihre Bedenken, die sie der Gemeinde in einem Schreiben geschildert haben: "Auch in meinen Augen wird der Tourismus in Seeon-Seebruck leiden, wenn wir ab 2020 nicht mehr gegen die Mücken vorgehen werden. Wer möchte dann die folgenden Sommer noch in Seebruck verbringen?" 

Wiedereintritt könnte wieder Thema werden

Auch wenn an diesem Beschluss vom April nun nicht mehr zu rütteln sei, Ruth zeigt sich kämpferisch und werde nach eigener Aussage die Möglichkeit nutzen, im Herbst diesen Jahres einen Gegenantrag zu stellen. In dem wolle er sich für den Wiedereintritt in den Verbund aussprechen und bis dahin fachliche Meinungen und Hintergrundinformationen zu dem Thema einholen. 

Dass derweil weitere Chiemsee-Gemeinden auf den Zug des Austritts aufspringen könnten, könne Ruth schlecht einschätzen: "Ich bin mir unsicher, ob es hier Nachahmer geben wird. Doch die anderen Gemeinden werden das Thema sicher auch diskutieren." 

"Ich verfolge auf alle Fälle das Ziel, wieder zurück zum Verbund zu kehren - das ist die einzige Chance für Seeon-Seebruck den Tourismus im Ort langfristig zu erhalten", erklärt der Bürgermeister abschließend. 

mb

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