Abschirmung vor Corona-Viren entsteht in Seebruck 

Segelmacher wird erfinderisch: Schutz vor Tröpfchen selbst konstruiert

Christoph Langer fertigt in seiner Segelmacherei in Seebruck aufgrund der Corona-Krise jetzt Spuckschutz für Kassen und Theken. 
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Christoph Langer fertigt in seiner Segelmacherei in Seebruck aufgrund der Corona-Krise jetzt Spuckschutz für Kassen und Theken. 

Seeon-Seebruck - Normalerweise dreht sich in der Segelmacherei von Christoph Langer alles ums Boot. Doch weil der Chiemsee wegen der Corona-Krise gesperrt ist und Aufträge zurück gehen hat er sich spontan umorientiert: In seiner Werkstatt entsteht nun Spuckschutz für Kassen und Theken. 

Die Idee sei vor wenigen Tagen durch einen Impuls seines Onkels, der vor 20 Jahren nach Neuseeland ausgewandert ist, entstanden: Der gelernte Segelmacher habe sich zwar inzwischen umorientiert, bei einem Telefonat sei jedoch die zündende Idee gekommen: "Auch in Neuseeland kämpfen die Menschen mit dem Virus", schildert Langer. "Als ich meinem Onkel erzählt habe, dass meine Aufträge hier am Chiemsee aufgrund der aktuellen Situation zurückgehen, brachte er den Vorschlag, zur Überbrückung einfach Spuckschutze zu bauen, um Tröpfchen-Infektionen vorzubeugen. Da viele Firmen Lieferengpässen für Plexiglas haben, griff ich das kurzfristig auf und baute einfach einmal eine solche Vorrichtung." 


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Die Idee des Prototypen setzte Langer am Donnerstag, 27. März, in seiner Werkstatt in die Tat um. Etwa eine Stunde benötigt er für einen Spuckschutz. Die Herstellung: "kein Hexenwerk". Der Spuckschutz bestehe aus einer flexiblen Acrylglasfolie, die zwischen 0,5 und 0,75 Millimeter dick sei. Der Seebrucker habe das Material auf Rollenware in seiner Werkstatt ohnehin vorrätig, denn im Bootsbau nutze er es als Fensterglas für Verdecke. Auch die Aluminiumstangen zur Befestigung kämen aus dem Bootsbereich. Das Fensterglas wird zugeschnitten, umgschlagen und festgenäht, in einer Tasche stecken die Stangen, damit das Bauwerk stabil wird. 

"Den Spuckschutz kann flexibel hergestellt werden, die Größe kann ich je nach Bedarf variabel zuschneiden. Der Schutz lässt sich überall anbringen, wo er gebraucht wird - ob Bäcker, Metzger oder Firmen, bei denen noch Handwerker einkaufen", erklärt Langer.


Corona-Krise: Existensängste um seine Segelmacherei 

Solange das Corona-Virus weiter wütet, wird Langer Spuckschutze herstellen und so für sicheren und glasklaren Durchblick im persönlichen Gespräch sorgen. Denn auch der Segelmacher ist von der Krise betroffen und bangt um seine Existenz: "Normalerweise ist von März bis Mai die auftragsstärkste Zeit im Jahr. Weil alle Häfen am Chiemsee gesperrt sind, habe ich in den letzten drei Wochen nur einen Auftrag bekommen. Da hänge ich gerade ziemlich in der Luft. Momentan habe ich zwar noch etwas zu tun aber wenn es die nächsten Monate weiter so geht, stehe ich - wie so viele andere - vor einem größeren Problem." Arbeit auf dem Wasser gebe es genug, aber Langer könne ohne Schiffe nicht arbeiten, da er mitunter Maß nehmen müsse.  

Aus diesem Grund habe er nun entschieden, Spuckschutze zu bauen, um sich zumindest "ein bisserl über Wasser halten zu können" und anderen die Arbeit in Zeiten der Corona-Krise sicherer zu machen. Für einen fertig verarbeiteten Spuckschutz inklusive Arbeitszeit und Material verlangt Langer 68 Euro pro Quadratmeter. Auf Wunsch übernehme er auch die Montage vor Ort. 

Interessenten für die Spuckschutze dürfen sich jederzeit bei Christoph Langer melden, entweder per Mail an cl@tuchfuehlung-chiemsee.de, mobil unter der Nummer 0170/5225438 oder über das Festnetz unter der Nummer 08667/876482. Auch persönlich kann man bei Langer in dessen Werkstatt und freilich mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern in der Ludwigstraße 2a im Gewerbegebiet in Seebruck vorbeischauen. 

mb

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