Paukenschlag in Ratssitzung Seeon-Seebruck 

Landratsamt entzieht Teile der Genehmigung für Kiesgrube in Grünweg

Nur noch auf dieser Fläche hinter der Reitanlage Seeon-Grünweg darf die Eggstätter Baufirma laut dem neuen Bescheid des Landratsamts künftig für nur mehr zwei Jahre Kies abbauen. Direkt hinter dieser Wiese befindet sich der Bansee. 
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Nur noch auf dieser Fläche hinter der Reitanlage Seeon-Grünweg darf die Eggstätter Baufirma laut dem neuen Bescheid des Landratsamts künftig für nur mehr zwei Jahre Kies abbauen. Direkt hinter dieser Wiese befindet sich der Bansee. 

Seeon-Seebruck - Überraschung in der Sitzung des Seeon-Seebrucker Rats am Montagabend: Die geplante Kiesgrube einer Eggstätter Baufirma bei Grünweg wird sich massiv verkleinern. Dies teilte das Landratsamt der Gemeinde kurzfristig vor der Sitzung mit. Demnach darf nur mehr auf einem Drittel der ursprünglich geplanten Fläche Kies abgebaut werden. 

Update, 20.30 Uhr: Landratsamt kippt bisherigen Genehmigungsbeschluss 

Große Augen machten sowohl die Gemeinderatsmitglieder als auch die Bürger rund um Seeon-Seebruck, Anhänger des UVA und der Bürgerinitiative sowie Mitarbeiter der Firma Riedl aus Eggstätt zu Beginn der Sitzung. Eigentlich sollte der Eilantrag der Grünen auf Widerruf der Baugenehmigung und Zurückstellung des Bauantrags der Kiesgrube debattiert werden. 


Bürgermeister Martin Bartlweber erklärte jedoch, dass sich die Sachlage sehr kurzfristig geändert habe: Das Landratsamt habe kurz vor der Sitzung des Seeon-Seebrucker Rats in der Sporthalle in Seeon eine Erklärung zum aktuellen Sachstand nach der erneuten Überprüfung herausgegeben. Die Überraschung: Die Genehmigung von zwei Drittel der beantragten Abtragfläche auf der Fläche hinter der Reitanlage Grünweg wurde zurückgenommen. Lediglich im nördlichen Teil - wo schon vor 60 Jahren einmal Kies abgebaut wurde - ist demnach noch künftiger Kiesabbau erlaubt - allerdings nur für mehr für einen Zeitraum von zwei Jahren.  

Der Bürgermeister verlas die Pressemitteilung des Landratsamts im Wortlaut


"Der Genehmigungsbescheid für den Kiesabbau auf dem Gelände der Reitanlage Grünweg in der Gemeinde Seeon-Seebruck wird zum größten Teil aufgehoben. Nach der am 18 Juni 2020 erfolgten Abgrabungsgenehmigung hatte Kreisrat Sepp Daxenberger beim Landratsamt interveniert und eindringlich auf die Auswirkungen auf das Landschaftsbild sowie auf die ökologische Bedeutung des Bansees hingewiesen. Auch Bürgermeister Bartlweber bekräftigte dieses Argument.

Das Landratsamt hat das Gebiet um den See daraufhin nochmals intensiv geprüft. Dabei wurde verstärkt die besondere Ortskenntnis von Bürgern aus Seeon-Seebruck eingebunden. Bei der Prüfung wurde festgestellt, dass der Bansee einen sogennanten Toteiskessel bildet. Südlich des Verbindungswegs nach Pavolding ist der Toteiskessel bislang unberührt. Dementsprechend hat das Landratsamt die Abgrabungsgenehmigung für diesen Bereich aufgehoben.

Toteiskessel sind geologische Verschüttungen, die beim Zurückweichen der Gletscher entstanden sind. Zum Teil haben sich durch das Schmelzen des Gletschereises auch Toteisseen gebildet. Die Prüfung, ob solche Toteisflächen bestehen, ist kein üblicher Bestandteil einer Antragsprüfung für Kiesabbauflächen. Toteiskessel bzw. Toteislöcher sind als wichtige Landschaftsbestandteile nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz besonders geschützt. Ein Kiesabbau an einer solchen Stelle ist nicht zulässig.

Der Genehmigungsbescheid wird daher für den südlichen Teil aufgehoben. Dabei handelt es sich um zwei Drittel der beantragten Abbaufläche. Für den nördlichen Teil bleibt die Genehmigung bestehen. Dabei handelt es sich um ein Drittel der Abbaufläche. In diesem nördlichen Bereich hat in der Vergangenheit seit den 60er-Jahren bereits Kiesabbau stattgefunden.

Zum Vergleich: Die Abbauzeit für die nun genehmigte nördliche Fläche beträgt etwa zwei Jahre – für den nicht mehr genehmigten südlichen Teil hätte sie acht weitere Jahre betragen.

Grundsätzlich gilt: Bei Genehmigungen solcher Art handelt es sich um umfassende rechtsstaatliche Verfahren. Maßgeblich sind dabei nicht politische Entscheidungen, sondern stets Gutachten und Stellungnahmen von Fachbehörden – so auch in diesem Verfahren." 

Der Bansee befindet sich in unmittelbarer Nähe zu der geplanten Kiesgrube in Seeon-Grünweg. 

Mit dieser neuen Erkenntnis war der Eilantrag der Grünen passé, wie Bartlweber weiter erläuterte. Gegen zwei Stimmen nahm der Gemeinderat diese neue Sachlage zur Kenntnis und beschloss keine weiteren rechtliche Schritte gegen das Landratsamt einzuleiten

Was Fraktionssprecher Anton Mayer dazu sagte, welche Meinung die übrigen Gemeinderatsmitglieder sowie die Vertreter des UVA nach dieser Erkenntnis vertraten, wie der Betreiber Sebastian Riedel auf die Nachricht reagierte und wieso die Gemeinde gegen diesen neuen Bescheid des Landratsamts nicht klagen wird, lesen Sie in einem gesonderten Artikel auf chiemgau24.de.

Erstmeldung, Montag, 20. Juli, 13 Uhr: 

Viel Diskussion entstand in den vergangenen Wochen um die geplante Kiesgrube auf dem Gelände der Reitanlage Grünweg. Vor allem von Seiten des Umweltschutzverband Altzal und Umgebung (UVA) sowie der Initiatoren der Bürgerinitiative Kiesgrube Seeon-Grünweg aber auch von der Fraktionsgemeinschaft der Grünen im Gemeinderat Seeon-Seebruck regt sich massiver Widerstand.

Letzere gehen nun einen Schritt weiter: Per Eilantrag fordern sie den Widerruf der Baugenehmigung und die Zurückstellung des Bauantrags bezüglich der Errichtung der von der Eggstätter Baufirma Riedel geplanten Kiesgrube in Seeon-Grünweg. Behandelt wird das Thema am Montag, 20. Juli, im Seeon-Seebrucker Gemeinderat ab 18.30 Uhr. Die Sitzung wird in der Seeoner Sporthalle abgehalten. Bereits um 18.15 Uhr beginnt zuvor die Bürgerfragestunde. 

Bürgermeister und Gemeinde stemmen sich gegen das Projekt 

Seit das Landratsamt nach fast vier Jahren grünes Licht für das Bauvorhaben in Seeon-Grünweg gegeben hat kochen die Emotionen hoch. Sowohl Zuschauer als auch Gemeinderäte äußerten sich am 6. Juli in der Sitzung kritisch über das Kiesabbauprojekt, dem im Jahr 2018 ein negativer Gemeinderatsbeschluss vorausging. Seeon-Seebrucks Bürgermeister Martin Bartlweber äußerte sich in einer Stellungnahme erneut ablehnend zu dem Vorhaben, zumal die Gemeinde zwischenzeitlich zur Lenkung derartiger Vorhaben und zugleich zur Schonung der Natur und des Landschaftsbildes sogenannte Vorrangflächen für Kiesabbau anstrebe. 

Auch das Landratsamt, so bestätigt es Pressesprecher Michael Reithmeier, auf Nachfrage von chiemgau24.de, habe das Kiesabbauvorhaben an diesem wasserwirtschaftlich und ökologisch sensiblen Ort von Beginn an kritisch gesehen und deshalb mehrmals die Bedeutung der Ausweisung von Vorrangflächen für Kiesabbau unterstrichen. Dieses Verfahren der Konzentrationszonen konnte bislang nicht zum Abschluss gebracht werden - nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Einwendungen aus der Bevölkerung, die die Gemeinde Seeon-Seebruck noch bearbeiten müsse. 

Antragsteller ruderte mit Plänen zurück 

Zum Verlauf des Verfahrens in Grünweg äußert sich Reithmeier wie folgt: "Der Antragsteller hat erstmals im Januar 2018 bei der Gemeinde Seeon-Seebruck Antragsunterlagen für ein Abgrabungsvorhaben auf den beiden Grundstücken eingereicht. Der Abgrabungsantrag erschien zunächst nicht genehmigungsfähig - auch weil der Antragsteller nach damaligem Planstand beabsichtigt hatte, zusätzlich den Verbindungsweg nach Pavolding abzugraben und an den Rand der Kiesgrube zu verlegen. Die Gemeinde Seeon-Seebruck hatte hierfür als Grundstückseigentümerin die Zustimmung verweigert." 

Im Frühjahr 2020 aber habe der Antragsteller eine neue Variante des Abgrabungsplans eingereicht, worin er auf die ursprünglich geplante Verlegung des gemeindlichen Verbindungsweges von Grünweg nach Pavolding verzichtet habe. "Zudem legte er umfangreiche wasserwirtschaftliche und naturschutzfachliche Gutachten vor. Auf deren Grundlage haben sowohl das Wasserwirtschaftsamt als auch die Untere Naturschutzbehörde als amtliche Sachverständige ihre Einschätzung abgegeben, wonach das Vorhaben genehmigungsfähig ist", erklärt Reithmeier.

Ökologische Bedeutung des Bansees und Auswirkungen auf das Landschaftsbild

Gemeindebürger sowie Vertreter der politischen Fraktionen im Gemeinderat sprachen sich dennoch in den vergangenen Wochen gegen das Kiesabbauvorhaben in der jetzt genehmigten Form aus - darunter Sepp Daxenberger. Er hat als Mitglied des Kreistags nach der erfolgten Genehmigung beim Landratsamt interveniert und eindringlich auf die Auswirkungen auf das Landschaftsbild sowie auf die ökologische Bedeutung des Bansees hingewiesen. Diese Aspekte werden Reithmeier zufolge nun erneut durch das Landratsamt geprüft. Diese Überprüfung gelte es aktuell abzuwarten. Fakt sei, dass die Genehmigung der Kiesgrube indes weiter Bestand habe. 

Das ist in Seeon-Grünweg geplant: 

Das Kiesabbauvorhaben betrifft zwei Grundstücke auf dem Gelände der Reitanlage Grünweg am Ortsrand von Seeon. Auf dem Grundstück nördlich des Verbindungswegs, der von Grünweg nach Pavolding führt, soll in einem ersten Bauabschnitt auf einer Fläche von circa 5.000 Quadratmetern Kies abgebaut werden. Auf einem südlich davon gelegenen Grundstück zwischen dem Weg nach Pavolding und dem sogenannten Grünweg, der nach Roitham führt, soll in einem zweiten Bauabschnitt auf einer Fläche von 1,4 Hektar Kiesabbau stattfinden. 

Mit der Umsetzung des ersten Bauabschnittes soll den Planungen zufolge Anfang August begonnen werden. Der Kiesbedarf werde laut Betreiber, Sebastian Riedel von der gleichnamigen Baufirma aus Eggstätt, vorwiegend für den Eigenbedarf genutzt, soll aber auch verkauft werden. Anschließend werden die Kiesgrubenflächen wiederverfüllt und rekultiviert. Die beiden Grundstücke grenzen östlich an den Bansee an. Am Bansee besteht bereits seit den 60er-Jahren eine kleinere Kiesabbaufläche.

mb

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