Argumente des Sprechers der Interessengemeinschaft Seeon

"80 bis 160 Kieslaster-Fahrten an Werktagen durch Rabenden, Seeon und Truchtlaching"

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Gerd Raepple von der Interessengemeinschaft Seeon sieht keinen Bedarf an Kiesabbauflächen in Seeon-Seebruck, wie er in seiner Stellungnahme ausführt. 
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Seeon-Seebruck - Die Anhänger der Interessengemeinschaft Seeon (IG) kämpfen weiter gegen die von der Gemeinde geplante Ausweisung von Kiesabbau-Flächen. Inzwischen ist die 48. Änderung des Flächennutzungsplans der Gemeinde soweit fortgeschritten, dass sich das geplante Projekt mit den Einwänden der Träger der öffentlichen Belange beschäftigt. 

Ursprünglich war geplant, die Frist für die eingehenden Stellungnahmen bis zum 2. September im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Vorentwurfsplanung laufen zu lassen. Bürgermeister Bernd Ruth erklärte auf Nachfrage von chiemgau24.de, dass diese Frist wohl verlängert werde. Seine Begründung: "Wie man an zahlreichen Veranstaltungen und Bürgerforen erkennen kann, ist das Thema nicht einfach. Wir möchten den Bürgern wirklich zeigen, dass wir in dieser Debatte alles getan haben, was in der gemeindlichen Macht steht." 

Erst wenn die Stellungnahmen abgearbeitet sind, kann die Gemeinde Beschlüsse zu dem umstrittenen Projekt fassen. Die bisherigen Planungsschritte können im Rathaus der Gemeinde Seeon-Seebruck sowie im Internet auf der Homepage eingesehen werden. 

"Jeder hier im Ort ist betroffen" 

Gerd Raepple, Projektleiter im Umweltschutzverbands Alztal und Umgebung e.V. (UVA) und Sprecher der Interessengemeinschaft Seeon (IG), erklärt einmal mehr, dass die Gegner nicht aufgeben wollen. 

Raepple hebt in seiner Stellungnahme zu den geplanten Kies-Konzentrationszonen mitunter hervor: "Vom übermäßigen Kiesabbau mit der Beeinträchtigung der Natur und des Landschaftsbilds sowie von dem zu erwartenden immensen Schwerlastverkehrs-Aufkommens ist jeder hier im Ort betroffen."

Mitunter folgende Punkte hebt Raepple hervor: 

  • Die Planung sei nicht an die Ziele der Raumordnung gemäß Paragraph 1, Absatz 4 Baugesetzbuch angepasst: Das für die Raumordnung in Bayern maßgebliche Landesentwicklungsprogramm weise den Regionalplänen die Aufgabe zu, Vorrang und Vorbehaltsgebiete zur Kies-Gewinnung für den regionalen und überregionalen Bedarf festzulegen - bedarfsgerecht mit 2.500 Hektar Fläche. Die in der Flächennutzungsplan-Änderung vorgesehenen Kiesabbau-Konzentrationsflächen würden weit abseits der Gebiete des Regionalplans liegen.
  • Die Planung widerspreche den "Grundsätzen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes sowie einer am Bedarf ausgerichteten, sparsamen Inanspruchnahme des Bodens und der Bodenschätze"
  • Unter anderem prangert Raepple an, dass der durch den Kiesabbau verursachte Schwerlastverkehr "in keinster Weise beschränkt oder in verträgliche Bahnen geleitet und nicht einmal bemessen". Rechnerisch erklärt Raepple: "Bei 26 Hektar Abbaufläche, einer Abbautiefe von 15 bis 30 Metern und einem angenommenen Ausbeutungsgrad von nur 50 Prozent ergeben sich zwei bis vier Millionen Kubikmeter Kies. Das sind 100.000 bis 200.000 Lkw-Ladungen zu 16 Tonnen pro Lkw beziehungsweise 20 Kubikmeter pro Lkw und ein Wert von etwa 15 bis 100 Millionen Euro (bei einem Preis von 10 bis 30 Euro pro Tonne). Bei je einer Hin- und einer Rückfahrt für den Kiestransport und die Wiederverfüllung ergeben sich rund 400.000 bis 800.000 Lkw-Fahrten auf der Kreisstraße TS31 in 25 Jahren an jeweils 200 Arbeitstagen. Das sind 80 bis 160 Lkw-Fahrten an Werktagen durch Rabenden, Seeon und Truchtlaching." 
  • Des Weiteren zweifelt Raepple daran, ob die für den Kiesabbau in Frage kommenden Flächen auch wirklich geeignet seien: Das Niereiterfeld in der dreiseitig von Wald umgebenen Senke nördlich von Eglhart sei "wegen seiner abgeschiedenen Lage von besonderer ökologischer Bedeutung und somit schützenswert". Das Landratsamt Traunstein habe vor etwa 20 Jahren einen Kiesabbau-Antrag in diesem Bereich abgelehnt. Das Großfeld südwestlich von Steinrab sei von weither bereits einsehbar und ebenfalls schützenswert. Ein Kiesabbau an dieser Stelle würde Raepple zufolge kurz vor der Ortseinfahrt Seeon das "Landschaftsbild schwer schädigen". Bei der geplanten Konzentrationszone Großfeld/Steinrab kämen zudem denkmalpflegerische Bedenken hinzu: Mitunter seien die Bodendenkmäler Teil des von der Gemeinde angelegten archäologischen Rundwegs, der durch die Kiesabbau-Konzentrationsflächen schwer geschädigt werden würde.

"Planungsfragen werden nicht gelöst"

Gerd Raepple von der Seeoner Interessengemeinschaft (IG) und Gisa Pauli, Vorsitzende des Umweltschutzverbands Alztal und Umgebung (UVA) kämpfen gegen das gemeindliche Kiesabbauprojekt. 

Zusammenfassend sehe Raepple die 48. Änderung des Flächennutzungsplans Seeon-Seebruck "in Widerspruch zu verbindlichen Vorgaben der Raumordnung und Landesplanung sowie zu den selbst gesetzten Planungszielen. Planungsfragen werden nicht gelöst, sondern eher verstärkt." Letztlich sei zu befürchten, dass die Ausweisung der Konzentrationszonen zu einer "Förderung des Kiesabbaus, zu einer verstärkten Inanspruchnahme des Bodens und zu einer weiteren Verkraterung unserer Heimat führt". 

Zudem befürchtet Raepple, dass jederzeit weitere Flächen hinzu kommen könnten, da eine "dauerhafte und rechtssichere Lösung zur Begrenzung und Steuerung des Kiesabbaus" fehle. 

Die Lösung in den Augen Raepples: Kiesabbau wieder regional regeln. Hierzu seien aber wohl Änderungen am Bayerischen Landesplanungsgesetz und Landesentwicklungsprogramm sowie am Regionalplan Südostoberbayern erforderlich.

Das ist in Seeon-Seebruck geplant: 

Die Gemeinde möchte Kiesabbau gezielt steuern - mit Konzentrationszonen. Denn Kiesabbau ist privilegiert, den Abbau untersagt nicht einmal der Regionalplan für die Region 18. Die Gemeinde sieht ihre Planung als Abwehr- und Schutzinstrument vor einem ungeordneten Kiesabbau während die Gegner befürchten, dass die große Flächenausweisung dazu führen könnte, dass Kiesunternehmen von weither angelockt werden und damit die Verkraterung unser Heimat fortschreitet.

Dass zu Beginn von 70 Hektar Abbaufläche gesprochen wurde, spaltete bereits die Gemüter. Das wurde auf der ersten Bürgerversammlung zum Thema Kiesabbau deutlich. Gerade von Seiten der Seeoner Interessengemeinschaft (IG) und des Umweltschutzverbands Alztal und Umgebung (UVA) regt sich immer wieder reichlich Widerstand. Regelmäßig finden Protestveranstaltungen statt. 

Auf der Mitgliederversammlung des Umweltschutzverbands Alztal und Umgebung (UVA) am 1. April in Trostberg stand neben dem großen Aufreger-Thema um Risiken und Auswirkungen der "neuen Mobilfunk-Generation 5G" auch dass von der Gemeinde Seeon-Seebruck geplante Kiesabbauprojekt im Fokus. Inzwischen wandten sich die Kies-Gegner sogar an Staatsminister Hubert Aiwanger

Mittlerweile ist die Rede von 26 Hektar, doch die Unsicherheit in den Bürgerreihen konnte auch der zweite Infoabend in Truchtlaching Mitte Februar nicht komplett vertreiben. In dem Zusammenhang sehen die Gegner auch die Pläne der Entlastungsspange als Alternative zur maroden Alzbrücke kritisch. 

mb

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