Bürgerversammlung in Seebruck

Entlastungsspange weiter heißes Eisen - Ruth verteidigt Bürgerbefragung 

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Bürgermeister Bernd Ruth reagierte auf der Bürgerversammlung 2020 im Malerwinkel auf Kritik und Anfragen der Seebrucker in punkto Entlastungsspange. 

Seeon-Seebruck - Obwohl Ruth das umstrittene Thema Entlastungsspange bewusst klein halten wollte auf der Bürgerversammlung rückte die Debatte am Abend des 28. Februars 2020 in den Fokus. 

"Es ist ein weites und schweres Tal, durch das wir durchmüssen und es wird mir immer wieder vorgehalten ich würde die Gemeinde spalten." Mit diesen Worten begann Ruth die Diskussion um die Entlastungsspange Seebruck. 


"Niemand will die Umwelt zerstören und unnötige Eingriffe in die Natur. Das Einzige, was die Gemeinde möchte ist eine Alternativenprüfung und es wäre unverantwortlich, wenn wir in dieser Debatte nichts unternehmen würden", bemerkte der Bürgermeister und erklärte weiter: "Wir wissen nicht, ob die Entlastungsspange gebaut wird - die Bürger haben ihr Votum abgegeben und mehrheitlich befürwortet, dass die Gemeinde die Alternative der Entlastungsspange weiter unterstützen soll. Daran ist nichts verwerflich. Wenn sich in der Raumempfindlichkeitsanalyse herausstellt, dass die Planung so nicht realisierbar ist wird diese ad acta gelegt. Dann ist es eben so und es muss ein neuer Weg gefunden werden." 

Bürgermeister Ruth erklärt die Problematik um die baufällige Alzbrücke Seebruck und die mögliche Alternativlösung, die Entlastungsspange. 

Das Verkehrsproblem in der Chiemseegemeinde existiere bereits seit über 60 Jahren, die ersten Diskussionen über eine Verbesserung der Situation reichen Ruth zufolge zurück bis in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Der Verkehr habe über die Jahre zugenommen, weswegen man an einer langfristigen Lösung arbeite und nun die Alternative Entlastungsspange prüfe. 


Anfragen der Seebrucker Bürger

171 Bürger fanden sich am Abend der ersten Bürgerversammlung im Hotel-Restaurant "Malerwinkel" ein. Hannelore Ebeling war die erste, die sich zu der Auswertung der kürzlich durchgeführten Bürgerbefragung zu Wort meldete: Sie hielt diese für "nicht ganz richtig". Die Befragung sei doch durchgeführt worden, um ein Meinungsbild aus der Bevölkerung wiederzugeben. In dem Schema der Auswertung seien jedoch nur diejenigen abgebildet worden, die auch an der Abstimmung teilgenommen haben. "Ich wehre mich schon dagegen, dass gesagt wird, dass eine riesige Mehrheit für den Trassenbau gestimmt hat - das stimmt nicht", erklärte Ebeling und erhielt für ihre Aussage Applaus. 

Bürgermeister Ruth erhielt für seine Reaktion, er könne dazu nur sagen, das sei Demokratie, ebenfalls Applaus. "Wir haben kein Wahlrecht und keine Wahlpflicht. Ich kann keinen zum Wählen verdonnern. Es tut mir leid, aber so ist es halt." 

Das Ergebnis der Bürgerbefragung zur Entlastungsspange Seebruck grafisch dargestellt in Prozent.

Von 40 Prozent der Bürgern wisse man nicht, was die über die Entlastungsspange denken, merkte ein weiterer Seebrucker an. In seinen Augen sei die Befragung "umsonst" gewesen. Ruth kommentierte zu diesem Vorwurf: "Das Ergebnis der Bürgerbefragung ist nicht entscheidend, ob die Entlastungsspange realisiert wird oder nicht - es geht um Heimat und Natur. Das Entscheidende ist, dass wir eine Alternativenprüfung wollen. Es geht um das große Problem Verkehr, das seit Jahrzehnten besteht. Wenn das Moor so wertig und schützenswert ist wie vermutet wird, dann wird die Raumempfindlichkeitsanalyse auf unsere Befragung keine Rücksicht nehmen."  

Toni Mayer, Sprecher des Bürgerforums, schaltete sich ebenfalls in die Diskussion ein: "Ich würde sagen, das Thema Bürgerbefragung ist abgehakt, unsere Stellungnahme bekannt. Für uns Grüne und das Bürgerforum ist es erfreulich, dass knapp 40 Prozent der Leute erkannt haben, was Sache ist. Es hieß immer, es sei nur eine Minderheit persönlich betroffen, tatsächlich aber ist es doch ein großer Anteil, denen das Ganze sehr am Herzen liegt. Was ich aber sehr schade finde ist die Tatsache, dass die Nutzungsdauer der Bestandsbrücke so fortgeführt wird während der Alternativenprüfung, sprich wir haben während der Planungszeit keine vernünftige Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer."

Mayer beendete die Debatte mit den Worten, man vertrete einen großen Anteil der Seeon-Seebrucker Bevölkerung, stehe hinter dem Erhalt von Moor, Naturflächen und der Landschaft und werde weiterkämpfen: "Es gibt andere Verkehrslösungen und Möglichkeiten, die schnell umsetzbar sind und die wollen wir auch in Zukunft anzeigen." 

Das Gasthaus Malerwinkel war voll besetzt mit Seebrucker Bürgern. 

Ruth bemerkte zum Schluss noch zur Bürgerbefragung, dass sich 100 Prozent der Leute Gedanken gemacht hätten -sie würden nur unterschiedliche Ansichten vertreten. "Was ich in den vergangenen Jahren als Bürgermeister gelernt habe ist, dass einem kein Mensch hilft - wir müssen uns selbst helfen und das funktioniert nur als Gemeinschaft." 

mb

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