Gemeinde bringt Ratsbegehren auf den Weg 

Pläne für Entlastungsspange vorantreiben? Seeon-Seebrucker sollen wählen

+
Bürgermeister Bernd Ruth möchte mit einem Ratsbegehren die Meinungen der Bürger hören. 
  • schließen

Seeon-Seebruck/Trostberg - Die Debatte um die marode Alzbrücke und den geplanten Bau einer Entlastungsspange hat eine neue Dimension angenommen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Gemeinde steht nun ein Ratsbegehren an. 

"Wir wollen damit den Bürgern die Gelegenheit geben, ihre Meinung zur Entlastungsspange offen darzulegen", erklärt Bürgermeister Bernd Ruth im Gespräch mit chiemgau24.de die Beweggründe des geplanten Ratsbegehrens. 

Den Anstoß, ein Ratsbegehren überhaupt ins Leben zu rufen, gab die CSU-Fraktion. Die Freien Wähler haben sich an den Antrag angeschlossen, der am 16. September in der Gemeinderatssitzung behandelt wird. Ruth geht von einem positiven Beschluss aus in der ersten Sitzung nach der Sommerpause. Offen sei laut dem Bürgermeister die genaue Fragestellung. Wichtig sei es, die Bürger von Seeon, Seebruck und Truchtlaching entscheiden zu lassen, ob die Gemeinde ihre vertiefte Untersuchung zu den Planungen rund um die Entlastungsspange weiter verfolgen soll oder nicht

"Wir wollen klar signalisieren, dass die Gemeinde über die Jahre hinweg mühselig an einer Lösung gearbeitet hat. Wir bringen den Verkehr nicht weg. Die Forderungen einiger Gegner beispielsweise ein Tempo-30-Limit einzuführen oder eine Beschränkung auf 25 Tonnen für die neue Brücke geht laut Staatlichem Bauamt nicht. Für uns wäre es schon ein großer Sieg, den Ortsteil Graben zu entlasten und den verkehrlichen Durchgang zu minimieren. Endgültig über die Entlastungsspange entscheiden wird ohnehin das Staatliche Bauamt und die Regierung von Oberbayern. Die Gemeinde ist nur begleitend dabei - den Rest machen Fachleute", unterstreicht Ruth. 

Mit der Entscheidung, ein Ratsbegehren auf den Weg zu bringen, reagiert die Gemeinde auf den Widerstand der Unterstützer der neuen Bürgerinitiative, die inzwischen auch vom Umweltschutzverbands Alztal und Umgebung (UVA) gestärkt wird. 

Hintergrund:

Die85 Jahre alte Alzbrücke auf der Staatstraße 2095 zwischen Traunstein und Bad Endorf soll nach dem Ansinnen von Regierung und Sraßenbauamt in etwa einjähriger Bauzeit saniert werden. Seit jeher war die Brücke auf nur 24 Tonnen ausgelegt - inzwischen ist sie nur noch auf 12 Tonnen beschränkt, das Bauwerk ist schwer geschädig

Die Lösung soll die sogenannte Entlastungsspange bringen: Langfristig soll die alte Brücke durch eine neue auf 40 Tonnen ausgelegte Brücke mit einer Gesamtbreite von rund 15 Metern ersetzt werden. Dafür sollen 200 Meter von der instandzusetzenden alten Alzbrücke entfernt am westlichen Ufer von der Gemeinde erworbene Grundstücke weichen.

Diese Verlegung der Staatsstraße 2095 würde das Landschaftsschutzgebiet "Oberes Alztal" und das nach der europäischen Natura-2000-Verordnung als Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet) und als Vogelschutzgebiet unter Schutz gestellte sowie als Biotop kartierte Grabener Moor queren.

Alternativen zu dem Bauwerk konnten sich nicht durchsetzen. Eine Teil- oder Gesamtumgehung für Seeon-Seebruck lehnt das Bauamtab.

So könnte die Entlastungsspange verlaufen. Die Pläne hatte das Staatliche Bauamt in der Infoveranstaltung vorgestellt.

Nun soll in einem auf 15 Jahre angepeilten Planungsverfahren die Entlastungsspange von der Reimer Kurve zum östlichen Beginn der Haushoferstraße beziehungsweise zum Campingplatz Arlaching konzipiert werden. Kostenpunkt: 15 Millionen Euro

Schäden an Natur und Landschaft sowie die Auswirkungen auf groß- und kleinräumige Verkehrsströme einschließlich der Immissionsbelastung sollen während des Verfahrens festgestellt werden. 

mb

Zurück zur Übersicht: Seeon-Seebruck

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT