Insekten-Tod durch Schwirren ums Licht in Seeon-Seebruck?

Anwohnerin fordert Abschaltung der Straßenlaternen in der Nacht 

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Seeon-Seebruck - Schutz der Insekten oder Schutz der Anwohner? Die Gewichtung dieser beiden Aspekte diskutierte der Gemeinderat in seiner ersten Sitzung im neuen Jahr. 

Konkret ging es um einen Antrag auf Abschaltung der nächtlichen Straßenbeleuchtung, über den der Gemeinderat Seeon-Seebruck am Montag, 14. Januar 2019, im Rathaus in Roitham zu beraten hatte. 

Bürgermeister Bernd Ruth schweifte dafür in die Vergangenheit, um die Debatte Straßenbeleuchtung zu erklären: "In den Ortsteilen Truchtlaching und Seeon wurden die Lampen viele Jahre lang für vier Stunden, von 1 Uhr bis 5 Uhr morgens, abgeschaltet. Dann aber erreichte uns ein Antrag von besorgten Bürgern, die betonten, das Bedürfnis nach mehr Sicherheit - vor allem in den seitlichen Nebenstraßen der Gemeinde - sei gestiegen. Man wünsche keine komplett zappendusteren Straßen in der Nacht. Daraufhin hat der Gemeinderat zurückgerudert - trotz der 6.200 Euro Gesamtkosten an Strom." 

Von dem Zeitpunkt an sei die Beleuchtung wieder durchgehend gewährleistet gewesen im Gemeindegebiet. In Seebruck selbst leuchteten die Straßenlampen bereits durchgehend. 

Lauert der Insekten-Tod an der Straßenlaterne? 

Nun aber erreichte die Gemeinde erneut ein Antrag einer Bürgerin aus Truchtlaching: Ihr scheine die Laterne ins Fenster, so ihr Argument. Doch das viel schlimmere Problem, das die durchgängige nächtliche Beleuchtung mit sich bringe, sei das Sterben der Insekten. Denn für die sei die Beleuchtung ganz schlecht. Laut Bürgermeister Ruth habe die Dame ihr Anliegen sachlich und fachlich untermauern können. 

Tatsächlich zieht das Licht so viele Insekten an, dass es die Ökosysteme durcheinander bringen kann, das Licht schadet den Insekten in erster Linie, weil es sie an ihrem natürlichen Verhalten hindert. Sie kreisen stetig anstatt zu fressen, sich zu paaren oder zu jagen - und irgendwann sinken sie erschöpft zu Boden. Auch durch die Hitzeeinwirkung können die Insekten zugrunde gehen.

Dabei spielt jedoch auch die Variante der Lampen eine Rolle - ob LED-Versionen, wie sie inzwischen in gängiger Straßenbeleuchtung zu finden sind, oder ältere Natriumdampflaternen

Zu dem Thema "Naturverträgliche Stadtbeleuchtung" äußerte sich auch schon der Naturschutzbund Deutschland

Einem weiteren Bürger aus Seeon-Seebruck war bereits vor zwei Jahren schon einmal die "Lichtverschmutzung" am Hafen ein Dorn im Auge. 

Sicherheit der Bürger an erster Stelle 

Unterstützung bekam die Anwohnerin aus Truchtlaching Ruth zufolge von einer Familie aus der Weinbergstraße in Seeon, die ebenfalls den Insektenschutz, vor allem was das akute Sterben einzelner Arten anbelangt, in den Fokus gerückt habe und zudem aufgrund des hellen Scheins der Lampen auf der Straße nicht schlafen könne. 

Nun hatte der Gemeinderat zu entscheiden: Ist der Schutz der Insekten vorrangig oder steht die Sicherheit der Bürger in der Nacht im Mittelpunkt? "Nach einer längeren Diskussion haben sich die Ratsmitglieder mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass die Sicherheit der Bürger wichtiger ist und wir die Laternen weiter die ganze Nacht hindurch brennen lassen", erklärt Ruth die Entscheidung des Rats. 

Somit ist die Debatte um die Abschaltung der Straßenlampen im Gemeindegebiet fürs Erste vom Tisch - womöglich bis zum nächsten Antrag aus der Bürgerschaft. 

Ihre Meinung ist gefragt: 

mb

Rubriklistenbild: © dpa (Armin Weigel)

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