Bürgermeister Bartlweber zum Standpunkt der Gemeinde 

Umstrittener Kiesabbau in Seeon-Grünweg trotz Genehmigung gestoppt? 

Seeon-Seebrucks Bürgermeister Martin Bartlweber ist gegen das Kiesabbauvorhaben in Seeon-Grünweg. 
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Seeon-Seebrucks Bürgermeister Martin Bartlweber ist gegen das Kiesabbauvorhaben in Seeon-Grünweg. 

Seeon-Seebruck - Die geplante Kiesgrube der Baufirma Riedel auf dem Gelände der Reitanlage Grünweg löst heftige Debatten rund um die Chiemseegemeinde aus. Nun scheint das Projekt wohl kurzfristig gestoppt worden zu sein. Nach Gesprächen zwischen Gemeinde und Landratsamt wurden weitere Prüfungen für dieses Vorhaben beschlossen.

Die vom Landratsamt erfolgte Genehmigung zum Abbau von Kies in Seeon-Grünweg steht wohl auf der Kippe, wie einer schriftlichen Stellungnahme von Seeon-Seebrucks Bürgermeister Martin Bartlweber am Dienstagabend (14. Juli) zu entnehmen ist. 


Sowohl Zuschauer als auch Gemeinderäte äußerten sich am 6. Juli in der Gemeinderatssitzung kritisch über das jetzt genehmigte Vorhaben, das der frühere Gemeinderat bereits im Januar 2018 abgelehnt hatte. Zudem plane die Gemeinde zwischenzeitlich zur Lenkung derartiger Vorhaben und zugleich zur Schonung der Natur und des Landschaftsbildes sogenannte Vorrangflächen für Kiesabbau. Bartlweber betont erneut, wie wichtig dieser Beschluss ist: "Nur mit der Ausweisung von Konzentrationsflächen für den Kiesabbau ist es uns möglich, zukünftige Anträge im Sinne der Gemeinde zu steuern. Nur so haben wir es selbst in der Hand und verhindern, dass Kiesabbau an unerwünschter Stelle genehmigt wird."

Negativwirkungen für Mensch und Natur durch Kiesabbau? 

Nicht nur zahlreiche Gemeindebürger sondern auch Vertreter aller politischer Fraktionen des Gemeinderates hätten sich Bartlweber zufolge in den vergangenen Wochen dafür stark gemacht, dass das umstrittene Kiesabbauvorhaben nicht in der jetzt genehmigten Form durchgeführt wird. So habe Gemeinde- und Kreisrat Josef Daxenberger Landrat Siegfried Walch in einem persönlichen Gespräch eindringlich auf die "besondere ökologische Bedeutung des Bansees" hingewiesen. In gleicher Weise habe der Bürgermeister die "erheblichen naturschutzrechtlichen Bedenken" gegenüber Walch geäußert. 


Schon zuvor habe er Gespräche mit Naturschutzverbänden, Anwohnern und weiteren Interessenvertretern über die befürchteten Negativwirkungen des Projektes für Mensch und Natur geführt. Auch der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) hat massiven Widerstand gegen das Projekt angekündigt

Weiter heißt es in der schriftlichen Stellungnahme der Gemeinde: "Das Landratsamt Traunstein hält es nach alledem für erforderlich, das Kiesabbauprojekt und dessen Auswirkungen nochmals genau abzuwägen. Alle Aspekte des geplanten Vorhabens, einschließlich der Konsequenzen für die Natur und das Landschaftsbild werden einer neuen Prüfung unterzogen, sodass die erteilte Genehmigung derzeit nicht zur Umsetzung kommt." 

Gemeinde spricht sich gegen Kiesabbau aus: 

Bartlweber ist stolz auf die konstruktive Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinde: "Ich danke den Bürgern sowie den politischen Vertretern unserer Gemeinde, die sich mit viel Energie und Herzblut für den Erhalt der Flächen am Bansee und damit für unsere Heimat eingesetzt haben und dies auch weiterhin tun werden. Sie alle sind maßgeblich daran beteiligt, dass dieses Projekt jetzt erneut überdacht wird."

Dieselbe Meinung vertritt Anton Mayer, Sprecher der Fraktionsgemeinschaft der Grünen im Gemeinderat Seeon-Seebruck-Truchtlaching: "Das Wichtigste für uns ist, dieses Kiesabbaprojekt genau zu prüfen und wir streben natürlich an, das gänzlich zu verhindern. In diesem Punkt sind wir Grüne uns einig mit dem Bürgermeister und der Mehrheit der Gemeinde." 

Hintergrund zum Kiesabbauvorhaben in Grünweg: 

Auf dem Grundstück nördlich des Verbindungswegs, der von Grünweg nach Pavolding führt, soll in einem ersten Bauabschnitt auf einer Fläche von etwa 5.000 Quadratmeter Kies abgebaut werden. Auf einem südlich davon gelegenen Grundstück soll in einem zweiten Bauabschnitt auf einer Fläche von rund 1,4 Hektar Kiesabbau stattfinden. Die Genehmigung sieht vor, dass die Kiesgrubenflächen anschließend wiederverfüllt und rekultiviert werden. Die beiden Grundstücke grenzen östlich an den Bansee an. Dort besteht bereits seit den 60er Jahren eine kleinere Kiesabbaufläche. Mit der Umsetzung des ersten Bauabschnittes sollte bereits Anfang August begonnen werden. Der Kiesbedarf werde laut Betreiber, Sebastian Riedel von der gleichnamigen Baufirma Riedel aus Eggstätt, vorwiegend für den Eigenbedarf genutzt, soll aber auch verkauft werden. 

Das Genehmigungsverfahren zum Bau einer Kiesgrube in Grünweg läuft bereits seit knapp vier Jahren. 2018 hatte der Betreiber einen Bauantrag beim Landratsamt eingereicht, dem mit entsprechenden Auflagen auch von Seiten des Naturschutzes im Juni 2020 stattgegeben wurde. Nun ist jedoch unklar wie es weitergeht

mb/Pressemitteilung Gemeinde Seeon-Seebruck

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