UVA und Seeoner Interessengemeinschaft gegen Gemeinde-Pläne

Resolution gegen Kiesabbau-Projekt in Seeon-Seebruck

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Die ursprünglich geplanten Flächen für Kiesabbau im Gemeindegebiet von Seeon-Seebruck. 
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Seeon-Seebruck - Wie groß, ab wann, wer darf abbauen? Viele offene Fragen beschäftigen die Bürger rund um das geplante Kiesabbauprojekt. Die Seeoner Interessengemeinschaft (IG) sowie der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) beziehen noch vor dem Infoabend der Gemeinde am 13. Februar Stellung zu den Plänen. 

Am Montag, 11. Februar, trafen sich rund 40 Interessierte aus dem Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) und einer Seeoner Interessengemeinschaft (IG) beim Alten Wirt in Seeon. 

Ziel war, sich über die aktuellen Gegebenheiten, die planerischen und rechtlichen Vorgaben und das weitere Vorgehen gegen die Kiesabbauplanungen in der Gemeinde Seeon-Seebruck auf gleichen Informationsstand zu bringen.

Skepsis bei den Bürgern über gemeindliche Pläne

UVA-Vorsitzende Gisa Pauli und Gerd Raepple brachten die interessierten Bürger dabei auf den aktuellen Stand. Schnell wurde klar: Die Bürger stehen dem gemeindlichen Vorhaben weiter skeptisch gegenüber. In der "Ablehnung der überdimensionierten und wegen der Regionalplan-Reserven sowieso nicht erforderlichen Kiesabbau-Fläch" seien sich Nachbarn und viele nicht unmittelbar Betroffene Seeoner einig gewesen. 

Raepple fasst zusammen: "Trotz der Reduzierung von 70 auf etwa 24 Hektar werden die geplanten Kiesabbau-Flächen wegen der entstehenden der schweren Schäden an Natur und Landschaft und nicht zuletzt am Menschen als unvertretbar angesehen – zumal Seeon bereits jetzt von Kiesabbau-Kratern wie in der Nachbargemeinde Obing umgeben ist." 

Dass der Bauantrags Swietelsky auf einer 4,5 Hektar großen Fläche nördlich Eglhart von der Gemeinde nur auf wenige Tage und nicht auf Dauer des Flächennutzungsplan-Verfahrens zurückgestellt wurde, sei ebenfalls kritisch beurteilt worden. Diese Fläche sei zwar vom Landschaftsbild her noch am wenigsten dramatisch, jedoch wegen der ökologischen Schäden und auch wegen der Immissionsbeeinträchtigungen als "besonders negativ zu beurteilen".

Der etwa zwei Hektar große Kiesabbau in Thalham (Gemeinde Obing) direkt neben der Staatsstraße St 2094. 

Die Stellungnahme des UVA zusammengefasst: 

Der UVA ist nach eigener Aussage wegen der umfangreichen Kiesabbau- Vorhaben im Bereich Seeon und Umgebung in großer Sorge. Hier zeichnet sich ein unverantwortlicher Wettbewerb im Ausverkauf der Natur ab, der Ressourcen ausbeutet - solange der Vorrat noch reicht. 

Die entstehenden Schäden am Landschaftsbild, am Boden, an Flora und Fauna und am Menschen müssen aber in einer so wundervollen Landschaft vermieden oder zumindest so gering wie möglich gehalten werden. Das größte Kapital der Region ist eine intakte Natur und deren Schönheit, um die dieses Land von vielen Bundesländern beneidet wird. Die Besucherzahl in Bayern hat sich erhöht und ist weiter steigend. Die Urlauber bringen den Einheimischen im Tourismusbereich viele Arbeitsplätze. Ein Großteil der Bevölkerung lebt gut davon. Überdimensionierte Kiesabbauflächen hätten da für Mensch und Natur verheerende Folgen.

Die Ausbeutung und Verkraterung unserer Heimat muss gestoppt werden 

Rings um Seeon sind bereits im Umkreis von wenigen Kilometern gut 50 Hektar Kiesabbau-Flächen vorhanden - aber die Gemeinde Seeon-Seebruck will darüber hinaus noch weitere 20 oder 30 Hektar - oder wie ursprünglich vorgesehen sogar 70 Hektar- ausweisen. 

Auf Jahrzehnte hinaus wird keine Wiederauffüllung, keine Rekultivierung und schon gar keine Renaturierung erfolgen. Noch unsere Enkel und Urenkel werden diese Schäden spüren. Aber anstatt den Flächenverbrauch zu reduzieren, Klima- und Artenschutz zu verbessern und auf die bereits vorhandenen Arten- und Naturschutzmängel zu reagieren, wird weiter Raubbau betrieben. Der Boden- und Flächenfraß setzt sich fort, Krater bleiben übrig.

Wozu ein Regionalplan – wenn er nichts bewirkt?

Bisher hatte die Regionalplanung das Ziel, den Kiesabbau zu ordnen und auf das notwendige Maß zu beschränken. Hierzu hat der Regionalplan Südostoberbayern im Jahr 2005 unter Mitwirkung des Industrieverbands Steine/Erden den gesamten regionalen und überregionalen Bedarf ermittelt und entsprechende Kiesabbau-Flächen von 2.500 Hektar in den fünf Landkreisen der Region reserviert. 

Eine dieser Flächen ist der Bereich Voglöd zwischen Rabenden und Landertsham in der Gemeinde Obing, wo bereits auf einer 12 Hektar großen Teilfläche Kiesabbau erfolgt. Auf diese und die anderen Vorrang- und Vorbehaltsgebiete des Regionalplans soll der Kiesabbau konzentriert werden. Ein darüber hinausgehender Kiesabbau ist zu vermeiden, um Natur und Landschaft zu schonen – so wollen es der Regionalplan und das Landesentwicklungsprogramm Bayern. Also ist es weder nötig noch sinnvoll, dass darüber hinausgehende Kiesabbau-Vorhaben zugelassen oder wie in der Gemeinde Seeon-Seebruck im Flächennutzungsplan neu ausgewiesen werden. Hierfür besteht kein Bedarf und dieser darf auch nicht geweckt werden. 

Seeon – ein Präzedenzfall?

Mit der Absicht weitere Kiesabbau-Flächen auszuweisen schafft die Gemeinde Seeon-Seebruck zum Flächen- und Naturschutz in äußerst negativer Form einen Präzedenzfall, der geradezu Investoren einlädt, einen Anspruch ihrer wirtschaftlichen Absichten zu erheben. Damit wird eine geordnete Planung, die Sicherung der Ressourcen und der Schutz der Heimat scheibchenweise ausgehebelt. Dies kann und darf - besonders in unserer natur- und klimaverändernden Zeit - nicht einfach hingenommen werden. 

Unser Appell 

Die Kommunalpolitiker werden kaum müde, den Chiemgau, seine schöne Landschaft und seine Kulturgüter zu rühmen – aber gleichzeitig werden unser Wohnwert, die Naherholung, der Tourismus und auch die Landwirtschaft mit Füßen getreten. Unsere wunderschöne Heimat muss aber bewahrt und besonnen entwickelt werden. Jeder Gemeinderat trägt zum Wohl seiner Heimat mit seiner Stimme bei und muss sich für seine Entscheidung verantworten, jetzt und für die zukünftigen Generationen. 

Wir Bürger einschließlich unserer Touristen, unsere Landschaft, unsere Naherholungs- und unsere Landwirtschaftsflächen müssen geschützt werden. Der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung wird die Planungen und Entscheidungen der Gemeinde Seeon-Seebruck zum Kiesabbau – und genauso in allen anderen Gemeinden – sehr kritisch verfolgen und gegebenenfalls auch dagegen vorgehen.

Die Stellungnahme der Seeoner Interessengemeinschaft (IG) zusammengefasst: 

Falls eine gemeindliche Kiesabbaugenehmigung außerhalb von Vorrangflächen im Regionalplan rechtlich überhaupt zulässig ist, dies ist juristisch noch zu klären, sehen wir als einzige Möglichkeit die Aufstellung eines Flächennutzungsplanes, um unsere Gemeinde vor zügellosem Ausplündern zu bewahren! Entscheidend sind dabei allerdings zwei Punkte, beachtet man die sehr hohe Verantwortung uns und der nachfolgenden Generationen gegenüber: 

  1. Es darf nur eine Konzentrationsfläche für Kiesabbau geben, da sonst zwei Kiesgruben gleichzeitig betrieben werden könnten,mit allen negativen Folgen für unsere Landschaft, doppeltem Schwerlastverkehr und damit für unsere Umwelt sowie Lebensqualität unserer Seeon-Seebrucker Bürger.
  2. Die ausgewiesene Fläche darf sich nur am voraussichtlichen Bedarf der Gemeinde Seeon- Seebruck orientieren. 

Kiesgruben emittieren Staub und Lärm, welche die Naherholungsgebiete und bei entsprechender Nähe auch die Wohngebiete, zusätzlich zu den optischen Beeinträchtigungen, stören. In Seeon-Seebruck ist zudem keine Vorrangfläche für Kiesabbau im Regionalplan ausgewiesen.

Auch im Landesentwicklungsplan nach dem sich die Regionalplanung ausrichten muss, steht ganz klar, dass Bodenschätze dezentral und verbrauchsnah abgebaut werden sollen um lange Transportwege zu verhindern. Wir alle wissen, dass diese Forderung des Landesentwicklungsplanes in unserem Gebiet, Altenmarkt Seeon Obing schon lange nicht mehr befolgt wird.

Vor und bei der ersten Infoveranstaltung sagte Christian Nebel vom Landratsamt, die Gemeinde soll ihren Bedarf bestimmen und einen ausreichenden Zuschlag machen. Wir haben mit der Geschäftsleitung vom Planungsverband 18 Süd-Ost Bayern ein sehr informatives, offenes Gespräch geführt. Hier kam die klare Aussage, dass Flächenausweisungen außerhalb der Vorrang- und Vorbehaltsflächen nur geduldet sind. Richtige Vorgehensweise ist, den gemeindlichen Bedarf zu ermitteln und die Abbaufläche außerhalb der vorgesehenen Vorrangflächen des Regionalplanes auf den gemeindlichen Bedarfshorizont mit Sicherheitszuschlag wenn möglich auf eine Konzentrationsfläche zu beschränken.

Seeon ist nicht im Regionalplan aufgeführt und es wird aus unserem Gebiet Altenmarkt, Seeon, Obing so viel Kies exportiert, wie nirgendwo anders. Das widerspricht

  • dem Landesentwicklungsplan (fordert kurze Transportwege, durch Verbrauchsnahen Kiesabbau) 
  • dem Regionalplan (Kiesabbau außerhalb regionaler Vorrangflächen nur für örtlichen Bedarf) 
  • dem Landschaftsbild und den Menschen, die hier leben und daraus nur Nachteile haben

Das will kein Seeoner-Truchtlinger oder Seebrucker Bürger und hoffentlich auch kein Bürgermeister und auch keine Gemeinderäte die sich mit Sicherheit Ihren Bürgern und Ihrer Heimat mehr verpflichtet fühlen, als der Kies-Lobby. 

Der ermittelte Bedarf der Gemeinde Seeon-Seebruck nach der Einstufung "Verband Baustoffe- Steine-Erden" basiert auf einer Grundlage von sieben Tonnen Kiesverbrauch je Einwohner pro Jahr - was bei einer Abbautiefe von 15 Metern einer Größe von 3,05 Hektar entspricht. Wenn wir diese Fläche zur Absicherung der Gemeinde und der Bürger verdreifachen, sind wir bei etwa 10 Hektar. Als bestmöglicher Standort für einen Kiesabbau dürfte der Standort Eglhart-Nord sein, da hier die Erschließung gesichert ist und das Landschaftsbild am geringsten beeinträchtigt. 

Deshalb nochmal unser gemeinsames Ziel, den eigenen Bedarf ermitteln und diesen auf einer Fläche realisieren - das entspricht auch der konkreten Empfehlung des Planungsverbandes Süd-Ost Bayern. 

Infoabend am 13. Februar in Truchtlaching: 

Am Mittwoch, 13. Februar, findet ein zweiter Bürgerinformationsabend zur Debatte um die Ausweisung von Kiesabbauflächen im Gemeindegebiet statt. Um 18 Uhr sind alle interessierten Bürger in den Bürgersaal in Truchtlaching eingeladen. Christian Nebl vom Landratsamt Traunstein, Ralf Schindlmayr vom Ingenieurbüro Aquasoli in Siegsdsorf und die Rechtsanwältin Kerstin Funk werden an dem Abend Rede und Antwort stehen.

Zu Unmut bei vielen Teilnehmern des Treffens am Montagabend führte bereits, dass die gemeindliche Informationsveranstaltung zu einer laut Raepple "für viele Berufstätige nicht möglichen Uhrzeit und nicht im Seeoner Wirtshaussaal angesetzt" wurde.

mb

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