Gemeinde stellt das Konzept für den Ausbau der Uferpromenade vor

Sind Radfahrer am See nicht erwünscht?

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Bei der Vorstellung des Konzeptes für Teilausbau des Chiemsee-Radrundweges im Bereich von Seebruck, wurde nicht nur massive Kritik an der Steglösung geübt, sondern auch die Vorgehensweise des Gemeinderates angeprangert. Dieses Foto zeigt den Ist-Zustand. Die Aufnahme unten zeigt eine Entwurfszeichnung, wie der Ausbau mit einer Steglösung aussehen könnte.

Seebruck - Die Seebrucker sind sauer: Das Konzept für den Ausbau der Uferpromenade würde Radfahrer benachteiligen. Die Vorwürfe richten sich direkt gegen den Gemeinderat:

Den Planern des Ausbauteilstücks in Seebruck im Rahmen des Chiemsee-Uferwegausbaus an der Uferpromenade einen kombinierten Geh- und Radweg mit einer teilweisen Steglösung für die Fußgänger zu konzipieren war durchaus bewusst, dass sie damit ein sensibles Terrain betreten. Dass der vorliegende Entwurf bei den Seebruckern aber auf einen derart massiven Widerstand stößt, davon war bis zur Gemeinderatssitzung am 2. Dezember vergangenen Jahres, in der der Entwurf einstimmig abgesegnet wurde, nicht auszugehen. Die Seebrucker sind gelinde ausgedrückt „stocksauer“. Sie kreiden dem Gemeinderat an, hinter verschlossenen Türen agiert zu haben, ohne im Vorfeld die Bürger mit eingebunden zu haben. Gegen den Vorwurf wehrte sich Bürgermeister Konrad Glück bei der Vorstellung des Konzeptes durch die Gemeinde beim“ Hafenwirt“.

Entsprechend groß war auch das Interesse der Bürgerinnen und Bürger. Der Saal platzte aus allen Nähten. Diejenigen die keinen Platz mehr fanden, verfolgten die Diskussion vom Gang aus. Wie berichtet, fand zu diesem Thema bereits eine Informationsversammlung statt, zu der eine Initiative eingeladen hatte, die sich aus den Reihen der Anlieger der Uferpromenade kurzfristig formierte, um die Bevölkerung „rechtzeitig über die Auswirkungen zu informieren“. Aus dem wenigen Informationsmaterial, das ihnen zur Verfügung stand, hatten die Initiatoren eine Fotomontage aufgelegt, wie die Steglösung aussehen könnte. Schon damals hatte es aber von Seiten der Gemeinderäte geheißen, dass der Entwurf des Planungsbüros Dippold& Gerold in Prien „mit Sicherheit nicht so aussehen wird.“ Seit der Versammlung ist das Thema, insbesondere die Steglösung, Tagesgespräch und die Bürger halten auch mit ihrer Enttäuschung gegenüber der Gemeinde nicht hinterm Berg.

Einige Seebrucker fühlen sich offenbar derart verletzt, dass sie eine Begegnung mit Bürgermeister Konrad Glück meiden. Er habe eine Abneigung deutlich zu spüren bekommen, in dem ihn Leute auf der Straße keines Blickes mehr würdigen, sagte Glück. Es sei schon ein wenig verwunderlich, dass die gleichen Leute, die sich für eine Verlagerung des Radweges an den See ausgesprochen haben, jetzt Kritik üben. Ob das der richtige Umgang ist, wenn man dann auf der Straße nicht mehr gegrüßt wird, stellte er in Frage. Mit Unterstützung der Gemeinderäte unterstrich mehrfach, dass es der Wunsch der Seebrucker gewesen sei, die Radfahrer, die jetzt über die Haushoferstraße geleitet werden, wieder an den See zu bringen. Der Gemeinderat habe darauf reagiert und das Planungsbüro Dippold& Gerold mit den Untersuchungen und einem Konzept beauftragt. Der Konzeptvorschlag und die Finanzierung, die über ein Sonderbaulastprogramm möglich wäre, sollte dann mit den Bürgern diskutiert werden. Die Kritik dass der Gemeinderat geheim agiert hätte, wies er von sich. „Wir waren bestrebt, wie bei anderen Projekten auch, den Bürgern eine Besprechungsgrundlage vorzulegen, die auch Stand hält.“De facto sei nichts verheimlicht worden. Die Kritiker hielten jedoch daran fest, dass die ganze „Misere“ dadurch entstanden sei, weil der Entwurf in nichtöffentlichen Sitzungen behandelt worden sei. Dass der Entwurf, den Anton Schmuck vom Büro Dippold & Gerold vorstellte, eine „Verniedlichung der Probleme“ darstelle, wie aus der Diskussion zu entnehmen war, wurde ebenso mit Applaus begrüßt wie die Aussagen: „Wenn die Steglösung zur Ausführung kommt, haben wir keinen Promenade mehr sondern nur noch einen Weg.“

Der Entwurf, der, wie Glück sagte, kein „Evangelium“ darstelle und noch veränderbar wäre, ist im Vergleich zu der Fotomontage der Bürgerinitiative durchaus etwas anmutender. Der Steg ist wesentlich niedriger und wird unterbrochen. Der gesamte Ausbau entlang der Promenade würde sich ab der Alzbrücke rund 850 Meter entlang der Traunsteiner Straße bis zum Ende der Gemeindegrenze Chieming bewegen. Mit dieser Lösung könnte eine räumliche Teilung zwischen den Radfahrern und Fußgängern erreicht werden. Beginnend ab der Alzbrücke müssten die ersten 135 Meter ab der Alzbrücke aus Platzgründen als kombinierter Geh- und Radweg ausgeführt werden. Daran anknüpfend könnte auf der bestehenden Trasse dann bis zum Dampfersteg ein getrennter, etwa 250 Meter langer Geh- und Radweg gebaut werden. Im weiteren Bereich wäre ein 185 Meter langer Steg für die Fußgänger vorgesehen, der von einer 65 Meter langen Landlösung unterbrochen und im Anschluss auf einer Länge von 135 Metern fortgeführt werden würde. Die restlichen 60 Meter würden wieder in der Landlösung ausgeführt werden. Die Stahlpfosten für den etwa 1,80 hohen Steg, würden im Abstand von fünf bis sechs Metern eingebracht. Der Belag des Steges würde in Holz ausgeführt werden. Das Geländer – schmale Stahlstützen mit Seilen – würde sich dem Geländer der bereits bestehenden Plattformen anpassen. Um den Seezugang sicherzustellen, würden neben den bestehenden Plattformen im landläufigen Bereich drei weitere dazu kommen.

Der Tenor der rund zweistündigen Diskussion vermittelte den Eindruck, dass die Seebrucker die Radfahrer gar nicht an der Seeseite haben möchten, und eine Steglösung für die Fußgänger, die der Knackpunkt bei der ganzen Sache scheint, generell verteufeln. Sie sehen einen Steg als Fremdkörper an, der die Landschaft verschandeln würde. Die beengte Situation ab der Alzbrücke und die aufwendige Pflege (an den Pfosten bleibe Unrat hängen) wird ebenso negativ gesehen wie eine Gefährdung der Existenz der noch einzigen Seebrucker Gästepension an der Traunsteiner Straße. Bestreben der Tourismus-Gemeinde ist es aber, durch einen attraktiven Ausbau eine Verlängerung der Saison zu erreichen. Ziel sei es, so Glück, den Chiemsee-Uferweg als Premium-Weg auszuschildern und damit den Tourismus anzukurbeln. Der Gemeinderat ist jetzt gefordert, nach alternativen Lösungen zu suchen. Darunter auch den Vorschlag einiger Versammlungsteilnehmer, die ohnehin desolate Kaimauer um einige Meter in Richtung See zu versetzen, um Platz für eine Lösung ohne Steg zu schaffen. „Keiner möchte den Steg haben, deshalb sollte die Gemeinde bei der obersten Behörde des Grundstückbesitzers, der Schlösser- und Seenverwaltung anklingeln.“ Die Überlegung, den Geh- und Radweg entlang der Straße zu führen, hätte nach Aussagen von Anton Schmuck Konsequenzen für die an der Promenade befindlichen Bäume. „Die Bäume und die Begrünung müssten weg.“

ga

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