Bürgerversammlung:

Viel Lob und Kritik von Bürgermeister Glück

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Seeon-Seebruck - Die Neugestaltung der Uferpromenade liegt auf Eis, der Rathausneubau ist eigentlich beschlossene Sache. Was Bürgermeister Konrad Glück noch so bewegt:

Was die angedachte Neugestaltung der Seebrucker Uferpromenade mit Geh- und Radweg anbelange, habe sich der Gemeinderat am 17. Februar entschieden, „das Projekt bis zur Neuwahl und Konstituierung eines neuen Gemeinderates ruhen zu lassen“, so der nach 24 Jahren aus dem Amt scheidende Bürgermeister Konrad Glück auf seiner letzten Bürgerversammlung im „Hafenwirt“ Seebruck. Der Vollzug der entsprechenden Gemeinderatsbeschlüsse sei ausgesetzt worden. Zuvor hatte es vor Weihnachten eine von Bürgern organisierte „Protestveranstaltung“ gegen die sogenannte „Steg-Lösung“ und Mitte Januar eine offizielle Informationsveranstaltung gegeben.

Seebrucker Herzklinik

Mit Blick auf die seit Januar geschlossene insolvente Seebrucker Herzklink betonte Glück, dass der Grundstückseigentümer unter bestimmten baulichen Voraussetzungen bereit wäre, den Klinikbetrieb wieder aufzunehmen: „Derzeit laufen Verhandlungen, vielleicht wissen wir schon in Kürze mehr“. Der Gemeinderat habe sich Ende Januar ausdrücklich für den Erhalt der Klinik stark gemacht, stellte Glück klar.

Rathausneubau

Zur Sprache kam auch der geplante Neubau des Rathauses in Seebruck. Im Juli 2012 hätten sich die Gemeinderäte mit großer Mehrheit für den Neubau am Standort des alten Rathauses, für die Integration der Tourist-Info und für ein Wettbewerbsverfahren ausgesprochen, erinnerte der Rathaus-Chef und bat darum, jetzt doch „bitte keine neue Standortdebatte“ zu eröffnen. Gemeinsam mit dem Architekten, der sich sehr kooperativ gezeigt habe, wolle man alles dafür tun, um am Ende zu einem „stimmigen Ergebnis“ zu kommen. Über das weitere Vorgehen und gegebenenfalls auch über die Vergabe werde vielleicht schon in der nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzung entschieden. Für den Rathausbau seien aktuell rund eine Million Euro Rücklagen vorhanden, betonte Glück und verwies darauf, dass die Gemeinde „rechnerisch schuldenfrei ist“.

Erleichtert zeigte er sich darüber, dass im Zuge der beschlossenen Verwaltungszusammenlegung nicht wieder alte Gräben in der Einheitsgemeinde aufgerissen worden seien. Die Gefahr sei hier schon groß gewesen.

Jahrhunderthochwasser

Den Rückgang der Übernachtungszahlen und Übernachtungen führte Glück auf das Jahrhunderthochwasser im vergangenen Juni und die „nicht immer zutreffenden negative Berichterstattung“ zurück. Beim Kampf gegen die Wassermassen seien die örtlichen Feuerwehren und vielen freiwilligen Helfer vor allem in Seebruck und Truchtlaching unermüdlich im Einsatz gewesen, um Schäden zu verhindern, lobte Glück.

Während am Malerwinkel vom AZV eine Unterführung mit Anbindung des Chiemseerundwegs favorisiert werde, gebe es seitens der Gemeinde Überlegungen, die Verkehrssituation dort durch einen Kreisverkehr zu verbessern, betonte Glück. Hier sei jetzt das Straßenbauamt am Zuge.

Kritik am Gemeinderat

FWGS-Gemeinderatskandidat Dr. Peter Lämmerhirdt sprach sich zu Beginn der Diskussion für mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz aus. So sei es schon ziemlich bedenklich, dass 2013 Zweidrittel der 156 Gemeinderats-Beschlüsse in nichtöffentlicher Sitzung gefallen seien. „Es ist meiner Meinung nach falsch, brisante Themen erst intern zu lösen“, betonte Lämmerhirdt, der sich in dieser Sache durch ein Antwortschreiben des Bayerischen Ministerpräsidenten bestätigt fühlt. „Auch in den verbleibenden zwei, drei Sitzungen werde ich das im Gemeinderat so machen, wie ich es für richtig halte, dazu brauche ich keinen Ministerpräsidenten und keinen Rechtsanwalt“, erwiderte Glück. Wie das dann in Zukunft gehandhabt werde, sei seinem Nachfolger überlassen, da werde er sich nicht mehr einmischen, so der Rathaus-Chef.

Insbesondere für ältere, nicht mehr so mobile Menschen wäre es von Vorteil, wenn diese auch in Seeon und Truchtlaching gemeindliche Anlaufstellen hätten, bemängelte Lämmerhirdt die beschlossene Verwaltungszusammenlegung.

Die Änderungsvorschläge zum Rathausneubau werde man den Bürgern voraussichtlich im Mai vorstellen, beantwortet Glück die Frage einer Bürgerin. „Die Entwicklung in Seebruck macht mich sehr nachdenklich“, betonte Landwirt Matthias Untermayer, der in Stöffling „Urlaub auf dem Bauernhof“ betreibt. Exemplarisch nannte er die Schließung zahlreicher Geschäfte und Gastronomie-Betriebe. Wie sich das Umfeld entwickle, betreffe nicht nur den Tourismus, sondern auch die Einheimischen. Er hoffe aber, dass in der nächsten Wahlperiode „wieder mehr Schwung in den Gemeinderat reinkommt“.

An die Bürger appellierte Untermayer, sich nicht nur dann zu engagieren, wenn sie etwas am eigenen Gartenzaun betreffe. Er habe einst als Gemeinderat im Gremium ein „Dorfkonzept“ präsentiert, dies sei aber auf wenig Resonanz gestoßen, bedauerte der Seebrucker Hotelier Peter Stocker.

Die Eigentümerin des derzeit geschlossenen Hotels und Gasthofs „Post“, Andrea Altendorfer, fügte an, dass am 1. April ein neuer Pächter wiedereröffne.

Als riesigen Fehler, den die Gemeinde gemacht hat“, bezeichnete es Dritter Bürgermeister Rudolf Mayer aus Seebruck, dass das Café Kaltner östlich der Alzbrücke nicht in irgendeiner Form erhalten werden konnte. Der Aufstellungsbeschluss „Sondergebiet Hotel“ habe vor etwa 15 Jahren im Gremium mit acht zu acht Stimmen keine Mehrheit gefunden. Verantwortlich dafür seien aber nicht die damaligen Seebrucker Räte und auch nicht Bürgermeister Glück, denn die hätten alle dafür gestimmt, so Mayer, der seit 18 Jahren Gemeinderat ist.

Am Ende der „historischen Bürgerversammlung“ bedankte sich Zweiter Bürgermeister Hans Huber unter Applaus beim scheidenden Bürgermeister für dessen 24-jährige Arbeit an der Spitze der Einheitsgemeinde. Das Zusammenspiel zwischen Gemeindeoberhaupt, Gemeinderat und Verwaltung sei „immer ganz hervorragend“ gewesen.

Glück meinte, dass er sich stets „als Bürgermeister aller drei Ortsteile“ gesehen habe und bat auch in den verbleibenden Wochen um konstruktive Zusammenarbeit. In Sachen „aktive Bürgerbeteiligung“ appellierte er an die Bürger, am 16. März zur Wahl zu gehen. Der Gemeinderat arbeite stets für die Bürger und setze sich für deren Interessen ein.

Lob und Kritik von Konrad Glück

mmü 

Rubriklistenbild: © mmü

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