Feuerwehr spricht über tragischen Tod von Fahranfänger

Nach Horror-Unfall bei Seeon: „Die Verarbeitung beginnt erst jetzt“

Auch für die Einsatzkräfte sind solche schlimmen Unfälle, wie am Sonntag bei Seeon, nicht leicht zu verarbeiten. Vom Auto war nur noch das Hinterteil zu erkennen.
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Auch für die Einsatzkräfte sind solche schlimmen Unfälle, wie am Sonntag bei Seeon, nicht leicht zu verarbeiten. Vom Auto war nur noch das Hinterteil zu erkennen.

Seeon-Seebruck – Am Sonntagmorgen, den 26. Juli, kam ein 18-jähriger Traunsteiner bei einem tragischen Verkehrsunfall auf der TS31 von Seeon in Richtung Rabenden ums Leben. Rund 50 Feuerwehrmänner waren vor Ort beteiligt, die solche Einsätze im Anschluss verarbeiten müssen.

Für Martin Hochreiter, zuständiger Kreisbrandmeister, zählt der Unfall sicherlich zu einem der schlimmeren seiner Zeit bei der Feuerwehr. „Wenn junge Menschen bei so einem Verkehrsunfall ums Leben kommen ist das schon anstrengend“, so Hochreiter im Gespräch gegenüber chiemgau24.de. Am Sonntag, 26 Juli, kam ein 18-jähriger Fahranfänger aus Traunstein auf der Kreisstraße TS 31 kurz hinter dem Weiler Schachen rechts von der Fahrbahn ab und prallte frontal gegen einen Baum.

Zerfetztes Autowrack nach heftigen Aufprall

Für die Rettungskräfte aus Seeon, Rabenden und Seebruck, die zur Unfallstelle alarmiert wurden, bot sich ein schreckliches Szenario. Das Auto wurde regelgerecht in zwei Teil gerissen und fing sofort Feuer. Am Ende erinnerte nur noch das Hinterteil an ein Auto, vorne wurde alles zerfetzt. Der Aufprall muss heftig gewesen sein, da selbst ein Baum durch den Aufprall gebrochen ist. Letztendlich konnte aber nur noch das brennende Wrack gelöscht werden. Die Feuerwehren waren mit insgesamt etwa 50 Einsatzkräften vor Ort.

Besonders wenn man an die Unfallstelle kommt und einen schrecklichen Anblick vor sich hat, müsse man einen kühlen Kopf bewahren. In erster Linie würden sich Rettungskräfte erst mal ein Bild vom Unfall vor Ort machen. „Dann muss man allerdings Gefühle und Emotion beiseite lassen, damit man den Einsatz bewältigen kann. Wichtig ist dabei, dass Rücksicht auf alle Kameraden genommen wird“, schildert Hochreiter.

Gesprächsrunde nach Einsatz klärt offene Fragen

Um solch eine Tragödie besser zu verarbeiten, findet an der Einsatzstelle mit anderen Behörden ein Informationsaustausch statt. Anschließend wird im Gerätehaus nochmal über alles gesprochen: „Es ist wichtig, dass alle, die vor Ort waren, dieselben Informationen haben und sich nicht von Gerüchten beeinflussen lassen“, so Hochreiter. In dieser Gesprächsrunde würden auch auf noch offene Fragen eingegangen werden.

Die ganze Nachbearbeitung könne sich auch manchmal über Wochen hinweg ziehen. Sobald es neue Erkenntnisse gibt, können die Einsatzkräfte jederzeit Fragen stellen. „Es ist auf alle Fälle eine Betreuung da, damit nichts passiert“, erklärt der Kreisbrandmeister.

Helferinterventionsteam gefragt

„Mittlerweile wird bei so einem Unfall auch das Angebot des Helferinterventionsteams sehr gerne von dem Kameraden angenommen“, erzählt Hochreiter. Bei dieser Gruppe (Helferinterventionsteam - HIT) handelt es sich um ehrenamtliche Feuerwehrleute aus dem Landkreis Traunstein, die sich an einer Landesfeuerwehrschule Bayerns rund um das Thema „kameradschaftliche Erste Hilfe für die Seele“ weitergebildet haben. Ihnen gehören unter anderem die beiden Kreisfeuerwehrärzte Holger Hübner und Hubert Pilgram an. Die Mitglieder können von den Feuerwehren bei belastenden Einsätzen alarmiert werden und leisten vor Ort eine bedarfsgerechte psychische Begleitung für die eingesetzten Feuerwehrkräfte.

Früher sei dies noch nicht üblich gewesen. Im Nachhinein seien jedoch alle froh, dass dies inzwischen angeboten und gemacht wird. „Man kann zunächst über den Unfall sprechen. Wenn es nach Wochen immer noch Probleme gibt, wird niemand alleine gelassen und nach einer Lösung gesucht“, so Hochreiter.

Kameraden haben Unfall "sehr gut bewältigt - bis jetzt"

„Am Sonntag war dies sehr gut. Soweit man momentan sagen kann, haben alle Kameraden den tragischen Unfall sehr gut bewältigt. Die Verarbeitung beginnt allerdings erst jetzt“, berichtet Hochreiter. Er selbst war schon an einigen Einsätzen beteiligt und ist als Kreisbrandmeister bei vielen Unglücken dabei: „Man kann nicht sagen, dass ich mich daran gewöhnt habe, aber ich war schon öfters in vergleichbaren Situationen.“ Daher falle ihm dies vielleicht leichter.

Wie es zu diesem tragischen Unglück kam, ist derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen. Dafür hat die Staatsanwaltschaft einen Gutachter zur Ursachenklärung beauftragt. Die Unfallstelle sei laut der Feuerwehr jedoch nicht als besonders berüchtigt für solche schlimmen Tragödien.

jz

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