Diskussionen in Seeon-Seebruck

Kiesgrube in Grünweg sorgt für Zündstoff - Gemeinde sind die Hände gebunden

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Beidseitig des bestehenden Kieswegs bei Grünweg soll in den nächsten Jahren Kies abgebaut werden. Nach Angaben des Grundstücksbesitzers werden die Gruben nach dem Abbau wieder mit Erde befüllt.

Seeon-Seebruck - Parallel zum laufenden Verfahren einer Festlegung von Konzentrationsflächen für den Kiesabbau in der Gemeinde Seeon-Seebruck, sorgt jetzt eine privilegierte Kiesgrube südwestlich des Reiterhofs Grünweg in Seeon für weiteren Zündstoff.

Während im Zuge des laufenden Verfahrens der künftige Kiesabbau klar geregelt werden soll, sind der Gemeinde bei dem Projekt in Grünweg die Hände gebunden. Das Landratsamt Traunstein hat den Bau einer Kiesgrube und Wiederverfüllung als Aushubdeponie mit Bescheid vom 18. Juni dieses Jahres genehmigt. In der Gemeinderatssitzung am Montag in der Turnhalle in Seeon wurde die Genehmigung öffentlich bekannt gegeben und nicht nur vom Gremium massiv kritisiert. Bürgermeister Martin Bartlweber hatte alle Hände voll zu tun, um die aufgebrachte Bürgerschaft zu beruhigen. In der Sitzung ging es sprichwörtlich zu wie in einem Taubenschlag. 


Zum Prozedere: Das Verfahren zum Bau einer Kiesgrube bei Grünweg, zu dem es einen negativen Gemeinderatsbeschluss gibt, läuft bereits seit über drei Jahren. 2018 hatte der Betreiber, die Baufirma Riedel aus Eggstätt, einen Bauantrag beim Landratsamt eingereicht. Diesem wurde jetzt mit entsprechenden Auflagen auch von Seiten des Naturschutzes stattgegeben. Das von der Gemeinde angeleierte Verfahren zur Festlegung von Konzentrationsflächen wurde allerdings erst nach dem Antrag der Firma Riedel eingeleitet, so dass die Gemeinde jetzt keine Handhabe hat, dieses Projekt zu verhindern. Wie Bürgermeister Bartlweber mitteilte, habe die Verwaltung diesbezüglich mit einem Rechtsanwalt Rücksprache gehalten. Dieser habe aber erklärt, dass die Aussichten, das Projekt zu verhindern, sehr gering wären.“Es ist eine privilegierte Genehmigung, gegen die wir rechtlich nicht dagegen vorgehen können“, so Bartlweber. Zumal bei einem Rechtsstreit keine Aussicht auf einen Erfolg bestünde gab er auch zu bedenken, dass gerichtliche Schritte auch mit einem nicht unerheblichen finanziellen Aufwand verbunden wären. 

Nach Angaben von Sebastian Riedel, der in der Sitzung anwesend war, soll die rund zwei Hektar große Kiesgrube bei Grünweg in Richtung Bansee in zwei Bauabschnitten realisiert werden. Mit der Umsetzung des ersten Bauabschnittes soll bereits in zwei bis drei Wochen begonnen werden. Der Kiesbedarf werde vorwiegend für den Eigenbedarf genutzt, sagte Riedel. Nach dem sich die Bauprojekte des regionalen Bauunternehmens weitgehend im Landkreis Rosenheim befänden, könne ein Lkw-Verkehr durch Seeon ausgeschlossen werden. Diese Aussage sorgte bei den Kiesgegnern für Gelächter. Scharf kritisiert wurde auch die Aussage des Firmenchefs, dass der Abtransport über den bestehenden Kiesweg erfolgen soll, der unmittelbar am Waldrand entlang führt und als sicherer Schulweg für die Kinder aus Pavolding und Roitham gilt. 


Massive Kritik zur Entscheidung des Landratsamtes äußerte Gemeinderätin Martha Gruber (FW). „Ich wehre mich dagegen und bin entsetzt, dass hier über unsere Köpfe hinweg entschieden wurde“, sagte Gruber unter Applaus der Besucher. Die ablehnende Haltung der Gemeinde werde hier nicht berücksichtigt und das Landratsamt sage noch dazu in einem so sensiblen Gebiet O.K. Sabine Pfaffenzeller (FW) teilte die Ansicht Grubers: „Zwei Kiesgruppen-Wüsten in einem Erholungsgebiet das geht nicht.“ Sepp Daxenberger (CSU) erinnerte daran, dass durch das laufende Konzentrationsflächen-Verfahren gerade Projekte wie dieses ausgehebelt werden sollen. „Wir können bei diesem Projekt schon dagegen sein, haben aber keine Chance.“ Toni Mayer von den Grünen forderte, trotzdem Druck auf das Landratsamt auszuüben. „Wir sollten kämpferisch bleiben und als Gemeinde strikt gegen das Vorhaben wehren.“ Seine Fraktionskollegin Angelika Wolferststetter forderte ein Gutachten, um eine Beschädigung der Häuser durch den Lkw-Verkehr auszuschließen. 

Die anwesenden Zuhörer, darunter auch Richard Gruber vom Bund Naturschutz und Vertreter der Jägerschaft, kritisierten neben der Lärm- und Schutzbelästigung auch der Verlust des Naherholungsgebietes. „Die Art und Weise ist nicht nachvollziehbar. So was darf uns nicht mehr passieren“, forderte Gruber. 

Die Bewohner aus Pavolding und Roitham wandten sich auch mit einem Schreiben an die Presse. Darin wehren sie sich gegen das geplante Vorhaben, gegen das sie auch rechtlich vorgehen wollen: „In der gestrigen Gemeinderatssitzung hat es den anwesenden Zuschauern sowie auch den Gemeinderäten die Sprache verschlagen, nachdem Bürgermeister Bartlweber den Beschluss zum Bau einer Kiesgrube in direkter Nachbarschaft zur Reitanlage Grünweg und dem angrenzendem Naturschutzgebiet verkündete. Niemand konnte verstehen, woher dieser Beschluss kam, nach dem die Gemeinde in den Vorjahren mehrmals den Antrag für eine Kiesgrube bei Grünweg abgelehnt hatte. Die Gemeinderäte waren an dem Entscheidungsprozess ganz offensichtlich nicht beteiligt gewesen“, heißt es in dem Schreiben. Mit Ausnahme einer Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde sowie weitere Gutachten und eine Begründung der Genehmigung seien im Rahmen der Sitzung nicht präsentiert worden, kritisieren die Dorfbewohner. 

Neben der Lärm- und Schmutzbelästigung beschäftigt die Dorfbewohner auch der Verlust des Naherholungsgebietes. Das Gebiet im Bereich des Bansees sei eine der letzten landschaftlichen Perlen im Chiemgau. Durch die geplante Kiesgrube würden die dort lebenden und brütenden Wildgänse, Schwäne und Enten und viele weitere Tierarten vertrieben werden. Gleichzeitig befürchten sie eine Verschlechterung der Wasserqualität im Naturschutzgebiet, dem Bansee und den dortigen Bächen. Ihr Mitgefühl gilt auch den in der angrenzenden Reitanlage lebenden Pferden, die dann unmittelbar neben der Kiesgrube weiden müssen.

ga

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