Nach Paukenschlag im Gemeinderat

Kiesgrube bei Seeon massiv reduziert: So reagieren Befürworter und Gegner

Nur noch auf der rechten Seite hinter der Reitanlage Seeon-Grünweg darf die Eggstätter Baufirma laut dem neuen Bescheid des Landratsamts künftig für nur mehr zwei Jahre Kies abbauen. Direkt dahinter wurde vor 60 Jahren schon einmal Kies abgebaut, wie die Überreste links im Bild zeigen. 
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Nur noch auf der rechten Seite hinter der Reitanlage Seeon-Grünweg darf die Eggstätter Baufirma laut dem neuen Bescheid des Landratsamts künftig für nur mehr zwei Jahre Kies abbauen. Direkt dahinter wurde vor 60 Jahren schon einmal Kies abgebaut, wie die Überreste links im Bild zeigen. 

Seeon-Seebruck - Dass die Kiesgrube in Grünweg nur noch zu einem Drittel der geplanten Fläche entstehen soll spaltet die Gemüter. Bei einer Sache aber waren sich sowohl Gegner als auch Befürworter des Projekts einig: Wirklich nachvollziehen können sie die Entscheidung des Landratsamts nicht. 

Große Augen, verwirrte Gesichter, Kopfschütteln: So sah das Resultat der Gemeinderatssitzung in Seeon-Seebruck aus. Eine kurzfristig vor der Sitzung herausgegebene Erklärung des Landratsamts, dass der bisherige Genehmigungsbeschluss nicht mehr länger Bestand hat und nur mehr ein Drittel der angedachten Kiesabbaufläche genehmigt wird, überraschte alle Anwesenden in der Seeoner Sporthalle. Nicht nur die Abbaufläche, auch die Dauer verringert sich um ein Vielfaches. 


Fragende Gesichter bei Befürwortern und Gegnern des Kiesprojekts 

Gleich nach Abhandlung diesen Tagesordnungspunkts zur geplanten Kiesgrube in Seeon-Grünweg sammelte sich eine Traube aus Menschen vor der Halle, um über das soeben Erfahrene zu diskutieren. Sebastian Riedel von der gleichnamigen Baufirma aus Eggstätt mischte sich mit fast gesammelter Mannschaft unter die rund 100 Zuhörer. Er bedankte sich im Anschluss bei seinen Mitarbeitern für die Unterstützung und erklärte gegenüber chiemgau24.de zusammen mit seinem Rechtsbeistand: "Natürlich kam diese Entscheidung auch für uns sehr überraschend. Wir nehmen das jetzt so zur Kenntnis, warten den offiziellen Bescheid des Landratsamts ab und werden den Grund, warum die Genehmigung nun zurückgenommen wurde, genau prüfen."  

Nur noch auf dieser Fläche hinter der Reitanlage Seeon-Grünweg darf die Eggstätter Baufirma laut dem neuen Bescheid des Landratsamts künftig für nur mehr zwei Jahre Kies abbauen. Direkt hinter dieser Wiese befindet sich der Bansee. 

Unverständnis machte sich auch bei Gerd Raepple breit. Der Seeoner befürwortet zwar das Zurückrudern des Landratsamts, ihm ist aber das verbleibende Drittel der Kiesabbaufläche ein Dorn im Auge. Als zweiter Vorsitzender im Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) setzt er sich seit Jahren gegen Kiesabbau rund um die Chiemseegemeinde ein - ob gegen die von der Gemeinde geplanten Vorrangsflächen für Kiesabbau oder gegen die aktuelle Debatte in Grünweg.


Vor allem eines ist Raepple ein Rätsel: Warum greift das Landratsamt erst jetzt das Argument des Toteiskessels auf? "Nach gefühlt 10.000 Jahren Genehmigungsverfahren fällt auf, dass in diesem Bereich ein Toteiskessel liegt. Interessant ist auch die Tatsache, dass jener Toteiskessel wohl nur auf einer Seite der Kiesabbaufläche vorhanden wäre - die nördliche Fläche, auf der abgebaut werden darf, birgt demnach keine geologische Verschüttungen, die beim Zurückweichen von Gletscher entstanden sind", erklärte Raepple mit ironischem Unterton und hob in dem Zusammenhang hervor, der UVA-Vorstand werde sich zusammensetzen und die Möglichkeit einer Klage in Erwägung ziehen

Klageverfahren für Gemeinde "nicht rentabel" 

Die Gemeinde Seeon-Seebruck wird keine Rechtsmittel gegen den neuen Bescheid des Landratsamtes einlegen. So beschloss es der Gemeinderat gegen zwei Stimmen der Grünen. Dritte Bürgermeisterin Dr. Christine Kosanovic von der Freien Wählergemeinschaft Seebruck (FWGS) hatte sich mit Pro und Contra des Klagewegs beschäftigt: "Dass das Landratsamt einen bereits genehmigten Bescheid überhaupt noch einmal überprüft und darüber hinaus seine Entscheidung ändert, ist nicht alltäglich. Dagegen ein Klageverfahren über den Verwaltungsweg einzuleiten ist in meinen Augen nicht rentabel."

Zwei Drittel des Bescheids seien aufgehoben, gegen das letzte Drittel mit einer deutlich geringeren Abbauzeit von nur zwei statt acht Jahren zu klagen erscheine ihr als nicht sinnvoll. Man solle diesen Kompromiss des neuen Bescheids akzeptieren und keine große Aktion gegen den noch verbleibenden nördlichen Bauabschnitt starten, so Kosanovic. Es werde zudem an dieser Stelle nicht in unberührte Natur eingegriffen, da der Bereich vor 60 Jahren bereits für Kiesabbau freigegeben war. 

Daxenberger plädiert auf Vorantreiben der Konzentrationszonen 

Der Eilantrag der Grünen auf Widerruf der Baugenehmigung und Zurückstellung des Bauantrags hatte nicht mehr länger Bestand. Fraktionssprecher Anton Mayer zeigte sich überrascht: "Für mich ist diese Information brandneu. Wir wollen unser Ansinnen in Anbetracht der verbleibenden genehmigten Fläche aufrecht erhalten. Unser Ziel wird es weiter sein, das Kiesabbauprojekt gänzlich zu verhindern." 

Der Bansee befindet sich in unmittelbarer Nähe zu der geplanten Kiesgrube in Seeon-Grünweg. 

Bürgermeister Martin Bartlweber hingegen zeigte sich zufrieden mit dem Beschluss: "Wir haben in dieser Sache viel erreicht - auch wenn nicht geklagt wird." Der Bürgermeister verwies abschließend am aktuellen Beispiel Grünweg noch einmal auf die Gewichtung der von der Gemeinde angestrebten Konzentrationsflächen für Kiesabbau, was wiederum Sepp Daxenberger (CSU) auf den Plan rief. Er machte seinem Ärger über die ganze Debatte Luft und plädierte dafür, dass endlich etwas voran geht: "Wir verlieren alleine jetzt sechs Wochen an Zeit über die Sommerferien. Unser Ansinnen muss sein, die Vorrangflächen auch wirklich zu realisieren und nicht länger Zeit verstreichen zu lassen. Andernfalls war's das für uns." 

Die Kiesdebatte um Grünweg habe dem Kreisrat zufolge einmal mehr gezeigt, wie sehr das Thema die Gemeinde spalte. Es könne nicht sein, dass voreilige Falschmeldungen kursieren und an die Öffentlichkeit gelangen, WhatsApp-Videos die Stimmung zusätzlich aufheizen. Und dass eine Petition gegen den Kiesabbau mit zahlreichen getätigten Unterschriften am Ende zurückgezogen werden muss, sei in seinen Augen eine "Blamage"

Die Pläne für den Kiesabbau in Seeon-Grünweg: 

Das Kiesabbauvorhaben hätte ursprünglich zwei Grundstücke auf dem Gelände der Reitanlage Grünweg am Ortsrand von Seeon. betroffen. Als Pächter plante die Firma Riedel auf dem Grundstück nördlich des Verbindungswegs, der von Grünweg nach Pavolding führt, in einem ersten Bauabschnitt auf einer Fläche von circa 5.000 Quadratmetern Kies mit einem Abbauvolumen von 66.000 Kubikmetern abzubauen. 

Auf einem südlich davon gelegenen Grundstück zwischen dem Weg nach Pavolding und dem sogenannten Grünweg, der nach Roitham führt, sollte in einem zweiten Bauabschnitt auf einer Fläche von 1,4 Hektar Kiesabbau stattfinden. Dieser Beschluss für zwei Drittel der beantragten Abbaufläche wurde nun zurückgenommen. Für den nördlichen Teil bleibt die Genehmigung bestehen. In diesem Bereich hat in der Vergangenheit seit den 60er-Jahren bereits Kiesabbau direkt oberhalb des Bansees stattgefunden. 

mb

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