Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Seeon-Seebruck-Truchtlaching

Rund 60 Teilnehmer bei Radl-Demo gegen Kiesabbau am Bansee - „Gegen Kies-Tourismus“

Nach der Fahrrad-Demo gegen Kiesabbau am Bansee folgte dort eine Schlusskundgebung, auf der der BN-Ortsvorsitzende Richard Gruber und Gemeinderätin Angelika Wolfertstetter sprachen. Rund 60 Bürger nahmen an der Veranstaltung teil.
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Nach der Fahrrad-Demo gegen Kiesabbau am Bansee folgte dort eine Schlusskundgebung, auf der der BN-Ortsvorsitzende Richard Gruber und Gemeinderätin Angelika Wolfertstetter sprachen. Rund 60 Bürger nahmen an der Veranstaltung teil.

Seeon-Seebruck - Rund 60 Bürger aus Seeon, Truchtlaching und Seebruck beteiligten sich am Freitagnachmittag an einer Fahrrad-Demo der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe, um ihren Unmut über den begonnenen, vorerst aber wieder gestoppten Kiesabbau am Grünweg in Seeon zu bekunden.

Das Abbaugebiet befindet sich in unmittelbarer Nähe des südwestlich vom Seeoner Sees gelegenen Bansees und damit am Naturschutzgebiet Seeoner Seen, das mit dem Biotopverbund Eggstätt Hemhofer Seenplatte verbunden ist. Rund 50 Meter davon entfernt grenzen auch ein FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) und ein Vogelschutzgebiet an. Nachdem der Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Seeon-Seebruck-Truchtlaching Richard Gruber die Teilnehmer und Ordner an der Grundschule Seeon begrüßt hatte, radelte man mit Klingelgeläut in Schlange über die Altenmarkter Straße in die Seeoner Ortsmitte und von dort über die Seestraße zum Bansee.


Begleitet und abgesichert wurde die Demonstration von zwei Polizeiwagen. An den Fahrrädern waren Schilder mit Schriftzügen wie „Kiesabbau und Schwerlastverkehr stört Mensch und Natur sehr“ und „Gegen Kies-Tourismus“ zu lesen.


„Der Bund Naturschutz bewertet diesen Kiesabbau äußerst kritisch, er ist unverantwortlich hier am FFH-Naturschutzgebiet“, betonte Gruber auf der Schlusskundgebung am Zielort und erinnerte daran, dass der malerisch gelegene Bansee mit seinem auf der anderen Radwegseite gelegenen Biotop-Bruder ein wichtiger Grundwasserspeicher sei. Viele schützenswerte Pflanzen- und Tierarten hätten dort ihre Heimat und der Mensch finde in herrlicher Landschaft Ruhe und Erholung. „Unsere Agenda als Bund Naturschutz ist, Natur und Umweltschutz im Einklang mit den Menschen zu bringen.

Naturschutz ist auch Menschenschutz und trägt zum Gemeinwohl und Frieden auf unserer Erde bei“, so Gruber. Kiesabbau habe seine Berechtigung, dürfe aber nicht auf Kosten von Mensch und Natur geschehen. Die Menschheit bekomme immer deutlicher die negativen Folgen ihres Handelns zu spüren, mache aber einfach so weiter, als hätte man zwei Erden zur Verfügung. Laut Gruber würden durch den Hunger nach Rohstoffen schützenswerte Landschaften zu Ödland, klimawichtige Baumbestände gerodet, Lebewesen gefährdet und Grundwasserstände beeinflusst. „Alles hängt mit allem zusammen, von der Ursache bis zur Wirkung. Was wir tun, was wir nicht tun oder verhindern, das beeinflusst unsere Umwelt und den Klimawandel“, so Gruber. Am Ende appellierte er an das Landratsamt und den Kiesabbaubetreiber zum Wohle von Mensch und Natur zu entscheiden.

Gemeinderätin Angelika Wolfertstetter (Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte, dass die Gemeinde Seeon-Seebruck insgesamt 26 Hektar große Konzentrationszonen für den Kiesabbau ausweisen wolle, obwohl das Gemeindegebiet nicht im Regionalplan 18 mit entsprechenden Vorrang- und Vorbehaltsflächen berücksichtigt sei. Die Gemeinde übernehme damit die Gutachterkosten, die ansonsten der abbauinteressierte Kiesunternehmer zu tragen hätte. Zudem würde man damit die Hemmschwelle zum Kiesabbau senken. „Wollen wir es den Kiesabbauunternehmern wirklich zu einfach machen?“, mahnte die Gemeinderätin an. Finanzielle Vorteile für die Gemeinde kann sie keine erkennen. Da es keinen ansässigen Kiesunternehmer gebe, würde die anfallende Gewerbesteuer in jene Kommune wandern, in der der Firmenhauptsitz liege, so Wolfertstetter.

Vorgeschichte: Obwohl die Gemeinde Seeon-Seebruck den Antrag der Kiesabbaufirma vom 29. Januar 2018 zur Errichtung einer Kiesgrube am Grünweg in Seeon mit anschließender Wiederverfüllung per Gemeinderatsbeschluss abgelehnt hatte, erteilte das Landratsamt Traunstein am 18. Juni dieses Jahres überraschend eine Abgrabungsgenehmigung für eine 2,1 Hektar große Fläche. Dagegen reichte der Umweltschutzverband Alz (UVA) Anfang August Klage ein. Nach einem juristischen Tauziehen gab das Verwaltungsgericht München am 29. September dem Eilantrag des klagenden Umweltschutzverbands statt, nachdem Mitte August das Eilverfahren im Eilverfahren zurückgewiesen worden war. „Der Kiesabbau erster Bauabschnitt ist hiermit vorläufig gestoppt worden“, freute sich BN-Ortsgruppenchef Gruber auf der Demo. Gänzlich tabu bleiben müsse der südlich davon angedachte Kiesabbau.

mmü

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