Hat sich der Biber an der Alz zurückgezogen?

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Viele heimische Gewässer hat sich der Biber in den letzten Jahren im Chiemgau  zurückerobert. Am Oberlauf der Alz nahe Stöffling hatte der Neuankömmling im Herbst 2012 unter anderem diese mächtige Pappel gefällt. Mittlerweile fehlt von ihm dort jede Spur.

Seebruck - Vor über zwei Jahren hat ein Biber nördlich der Alzbrücke Schwerstarbeit verrichtet und eine mächtige Pappel gefällt. Mittlerweile ist es ruhig um ihn geworden.

Im Herbst 2012 hat sich ein Biber im oberen Alztal zwischen Seebruck und Pullach angesiedelt. Zahlreiche angenagte und gefällte Bäume in Ufernähe, allen voran eine alte prächtige Pappel mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern auf Höhe des Keltengehöfts Stöffling zeugten damals davon. Seit einiger Zeit scheint er nun aber verschwunden zu sein. Auch rund um einen dort befindlichen Biber-Bau ist es ruhig geworden, weshalb man davon ausgehen muss, dass sich dessen einstige Bewohner wohl ein neues Zuhause gesucht haben – entweder weiter flussabwärts in Richtung Truchtlaching und Altenmarkt, von wo sie die obersten Kilometer der Alz vor gut zwei Jahren „erobert“ hatten oder vielleicht, wenn auch weniger wahrscheinlich – am Chiemseeufer.

Dass der Biber nicht nur leichtes Fließgewässer liebt, sondern sich auch an stehenden Gewässern wohl fühlt, beweist er unter anderem am Chiemsee-Hafen des Fischereivereins Unterhochstätt, an der Gemeindegrenze zwischen Grabenstätt und Chieming gelegen. Über die Gründe seines Verschwindens an der Alz unterhalb von Seebruck bis mindestens Pullach lässt sich nur spekulieren. Womöglich störte ihn, dass er seinen „Lieblingsbaum“, die Pappel, dort in nicht ausreichendem Maße vorfand. Auch jener alte Pappelbaum, den er Ende 2012 in den Fluss fallen ließ, um sich über den Winter vom Wasser aus von deren Rinde und kleinen Ästen zu ernähren, war ihm nicht lange vergönnt.

Störend könnten sich zudem die vielen Bootsfahrer ausgewirkt haben, die von 1. Juli bis in den Herbst hinein die Alz befahren und im Landschaftsschutzgebiet für Unruhe sorgen. Womöglich machte ihm aber auch das Jahrhunderthochwasser Anfang Juni 2013 erheblich zu schaffen, denn schon im folgenden Sommer stieß man auf deutlich weniger Biberspuren.

Biber steht unter Naturschutz

Ein gewaltsamer Tod sollte ansonsten ausgeschlossen sein, denn obwohl sich der dämmerungs- und nachtaktive Biber in den vergangenen Jahren in der Region mangels natürlicher Feinde stark vermehrte und auch Schäden anrichtete, steht der „eingefleischte“ Vegetarier nach wie vor unter Naturschutz. Die Tiere dürfen nicht gefangen oder getötet und ihre Dämme und Bauten weder beschädigt noch zerstört werden. Allerdings gibt es Ausnahmeregelungen, wenn sich der Nager beispielsweise im Bereich von Kläranlagen, Wasserkraftwerken, Stauwehren und Hochwasserdämmen ansiedelt. Bejagt werden dürfe „Meister Bockert“, wie der Biber im Volksmund oft genannt wird, auch deshalb nicht, weil er nicht dem Jagdrecht unterliege, wie der Grabenstätter Jagdaufseher Martin Höpfl unlängst bei der Jagdgenossenschaft Oberhochstätt betonte.

Über viele Jahrhunderte wurde dem Biber von profitsüchtigen Jägern so stark nachgestellt, dass es 1867 bayernweit kein freilebendes Exemplar mehr gab. Der Übermacht derer, die ihr im wahrsten Sinne des Wortes auf den Pelz rückten, war die friedliebende Tierart nicht gewachsen. Anschließend galt der Biber rund hundert Jahre als ausgerottet. Dessen Rückkehr begann bereits 1966, als namhafte Naturschützer eines der erfolgreichsten deutschen Wiedereinbürgerungsprojekte starteten. Dem Bund Naturschutz zufolge seien mit Genehmigung der Behörden bis in die frühen 1980er Jahre bayernweit wieder 120 Biber aus Skandinavien und Russland angesiedelt worden. Aktuell betrage der Bestand geschätzte 14000 Tiere in 3000 Biberrevieren.

mmü

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