Politiker suchten offenes Gespräch - So reagierten die Landwirte

Stilles Mahnfeuer am Kloster Seeon - "Damit die Politik uns nicht vergisst" 

Stilles Mahnfeuer am Kloster Seeon am Abend des 13. Januar 2020. Politiker kamen nach der Tagung hinzu und suchten mit den Landwirten das Gespräch. 
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Stilles Mahnfeuer am Kloster Seeon am Abend des 13. Januar 2020. Politiker kamen nach der Tagung hinzu und suchten mit den Landwirten das Gespräch. 

Seeon-Seebruck - Von 13. bis 16 Januar 2020 findet erstmals die Klausurtagung der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag im Kloster Seeon statt. Stillen Protest gab es gleich am Abend des ersten Tages vor den Toren des Klosters: Rund 80 Landwirte fanden sich neben dem Parkplatz des Klosters ein und entfachten ein Mahnfeuer als Zeichen des stillen Protestes.

"Es soll für den Rahmen einer Nachbesprechung nach den großen Protesten an Heilig-Drei-König dienen. Jeder Einzelne hat ein Zeichen für unseren Berufsstand gesetzt. Wir wollen allen Unterstützern und Helfern, die dabei waren, unseren Dank aussprechen. Das Mahnfeuer haben wir entzündet, damit die Politik uns nicht vergisst. Wir möchten erreichen, dass unsere Anliegen ernst genommen werden", erklärt Tobias Heiß vom Organisations-Team "Land schafft Verbindung (LSV)"


Seit Oktober 2019 von Anfang an dabei bei "Landschaft schafft Verbindung" ist Andreas Lang. Der Ruhpoldinger finde es gut, dass die Politik sich zu den Landwirten ans Feuer gesellt: "Wir sagen immer, wir wollen von den Politikern gehört werden und nun zeigen sie uns das, indem sie zu uns kommen. Wichtig ist, dass den Worten aber auch Taten folgen." 

Tobias Heiß und (links) und Andreas Lang vom Organisations-Team "Land schafft Verbindung (LSV)". 

CSU-Landtagsfraktion für Korrektur der geplanten Düngeverordnung 

Gekommen sind unter anderem Michaela Kaniber und Thomas Kreuzer. Sie suchten das Gespräch am Feuer und betonten, sie würden hinter den Landwirten stehen. Kreuzer, der nach eigener Aussage im Allgäu selbst 16 Jahre lang einen Milchviehbetrieb betrieben habe, könne sich gut vorstellen, wie es sich anfühlen müsse, wenn das Hab und Gut auf der Kippe stehe und man alles verlieren könne: "Soeben haben wir eine Resolution zur Düngeverordnung beschlossen. Zielführend muss jetzt sein, dass wir Gespräche mit Vertretern der Bauernschaft gezielt fortsetzen." 

Als konkreten Schritt wolle man unter anderem die Zahl der Messstellen, die die Nitratbelastung im Boden messen von bisher knapp 600 auf 1.500 erhöhen. Im Oppositionspapier steht auch, dass man verstärkt auf die Landwirte zugehen wolle. 

Michaela Kaniber und Thomas Kreuzer am Mahnfeuer nach der CSU-Tagung: Sie beteuerten, das Gespräch mit den Landwirten sei ihnen sehr wichtig. 

Kaniber untermalte: "Es ist für mich sehr wichtig hier zu sein und ich bin dankbar, dass sich das Thema Landwirtschaft in der Landtagsfraktion auf Platz eins vorgekämpft hat. Wir müssen uns austauschen und weiter Dialoge führen - auch einmal streiten. Aber ich möchte euch versichern, dass wir die Landwirte nicht im Stich lassen." 

Kaniber finde es "großartig", dass vor dem Kloster das Feuer als stiller Protest lodere - sie bat die Landwirte ausdrücklich darum, friedlich zu bleiben: "Ich sage immer 'Trau, schau, wem' - wer ist Freund und wer Feind. Ich kann sagen, die CSU ist euer Freund - vergelt's Gott für eure Arbeit." 

Mahnende Worte präsentiert dieser Traktor vor dem Kloster Seeon. 

Handwerk Landwirtschaft in Gefahr, wenn sich nichts ändert? 

Was sagen die Landwirte zum Hauptanliegen Düngeverordnung und den Versprechen der Politiker? Rupert Freiberger besitzt auf seinem Hof in Frabertsham bei Amerang 60 Kühe. Ihn und andere Bauern werde es in 50 Jahren nicht mehr geben, wenn sich nichts ändert, davon ist er überzeugt: "Wenn die CSU sagt, sie trägt den umstrittene Düngeverordnung nicht mit, dann ist das für uns schon ein Teilerfolg. Lieber jetzt Fehler eingestehen und beheben, als jahrelang die Konsequenzen dafür tragen." 

Dass das traditionsreiche Handwerk Landwirtschaft aussterben könne, wenn sich nichts ändert, das glaubt auch Freibergers Nachbar Josef Kirschner. Er hat nur mehr 20 Rinder und bietet Fremdenzimmer an, eine Art "Urlaub auf dem Bauernhof", auf dem die Besucher den Hof mit Hühnern und Ziegen hautnah erleben können. "Wir wollen, dass unsere Existenz Bestand hat. Tagtäglich brauchen wir Lebensmittel zum Essen. Die Rohstoffe dafür können nur wir Bauern liefern, es kann ja nicht alles aus dem 3D-Drucker kommen - das schmeckt doch nicht." 

Die beiden Nachbarn Josef Kirschner (links) und Rupert Freiberger aus der Nähe von Amerang. 

Seeon 2020 aus Sicht der Landwirte "abgeschlossen"

Das stille Mahnfeuer ist am Abend des 13. Januar 2020 in lockerer Gesprächsatmosphäre mit dem Bayerischen Bauernverbandespräsidenten Walter Heidl zu Ende gegangen. Neben der Düngeverordnung als Hauptthema wurden auch der Kälbertransport oder die Anbindhaltung für Kühe besprochen. 

Rupert Freiberger sprach am Ende allen explizit seinen Dank aus: "Es ist alles gut gegangen und ich bin froh, dass es so geklappt hat. Wir wissen nicht, ob wir im nächsten Jahr wiederkommen werden, wollen und dürfen. Seeon 2020 ist abgeschlossen, wie es 2021 aussieht - wart ma's ab.

mb

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