„Unverständlich, dass Abbau als unschädlich angesehen wird"

UVA legt nach: Beschwerde gegen Kiesgruben-Betrieb in Seeon-Grünweg eingereicht

Bagger und Lastwagen fahren auf der Kiesgrube in Seeon-Grünweg
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Die Arbeiten an der Kiesgrube Seeon-Grünweg laufen seit Anfang August.

Seeon-Seebruck - Dass die Bagger bereits rollen auf dem Gelände der Kiesgrube in Grünweg ist dem UVA ein Dorn im Auge. Mit allen Mitteln soll der Kiesabbau gestoppt werden. Nun geht der Verband einen Schritt weiter und legt Beschwerde vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof ein.

Der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) hat am 2. August Klage vor dem Verwaltungsgericht München und am 12. August Eilantrag eingereicht, um den begonnenen Kiesabbau in Seeon-Grünweg zu stoppen. Zwei Tage später hat das Verwaltungsgericht den Baustopp abgelehnt - mit der Begründung, dass das Landratsamt Traunstein glaubhaft dargelegt habe, dass bis zur Eilentscheidung keine weiteren wesentlichen nachhaltigen Beeinträchtigungen durch den bereits jetzt erfolgenden Kiesabbau zu erwarten seien.


Kiesgrubenbetrieb in Seeon-Grünweg: Gründe des Verwaltungsgerichts für UVA nicht nachvollziehbar

Schriftlich erklärt der UVA Trostberg um die beiden Vorsitzenden Reinhold Schopf und Gerd Raepple: „Da das Landratsamt Traunstein die Akten noch nicht an das Gericht übermittelt hatte und somit noch keine Entscheidung in der Sache möglich war, wurden nur die Interessen des UVA an der Natur gegen die wirtschaftlichen Interessen des Kiesabbau-Betreibers abgewogen. Dass der UVA dem Gericht die vom Landratsamt erhaltenen Unterlagen zugesandt hat, wurde offensichtlich nicht wahrgenommen. Das Gericht hat entschieden, dass die Schäden bereits eingetreten sind und dass deshalb ein Baustopp nicht erforderlich ist.“


Der UVA bestreitet dies „mit aller Deutlichkeit“. Es liege auf der Hand, dass das FFH- und Vogelschutzgebiet, die Biotope und die Biotop-Verbundachse umso mehr geschädigt werden, je länger der Kiesabbau mit seinen Erschütterungen, den Lärm- und Staubimmissionen, den Verkehrs- und anderen Belastungen andauere. Zudem werde das Risiko des Eingriffs in das empfindliche hydrologische System der Eiszerfallslandschaft immer größer, je tiefer und großflächiger in den Untergrund eingedrungen werde. Schließlich sei bereits nach wenigen Metern Kiesabbau die Wasserspiegel-Höhe des benachbarten Seeoner Klostersees und des unmittelbar angrenzenden Bansees und seinen Überschwemmungsflächen erreicht.

„Dass hier Risiken und Gefährdungen für das Gewässersystem bestehen, ist offenkundig und dass diese nicht ansatzweise untersucht wurden, ergibt sich aus den Bauunterlagen", heißt es in der Stellungnahme des Verbands.

Kiesgrube in Seeon-Grünweg: UVA legt Beschwerde vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof ein

Es ist nach Meinung des UVA „völlig unverständlich, dass die Weiterführung des Kiesabbaus als unschädlich angesehen“ werde. Außerdem sei es das „falsche Signal, wenn ein begonnener Eingriff deshalb fortgesetzt werden darf, weil der Schaden ja schon eingesetzt“ habe. Der UVA verstehe auch nicht, wieso das Gericht die wirtschaftlichen Interessen einer billigen Kiesgewinnung über die Belange der gerade hier so erhaltenswerten und empfindlichen Natur stellen konnte. Um dies durch die nächste Instanz prüfen zu lassen, hat nun der Berliner Fachanwalt des UVA am 18. August Beschwerde beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt.

mb/Pressemitteilung UVA Trostberg

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