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Tag eins der gesperrten Alzbrücke

„Katastrophe“ bis „Ich nehm‘s sportlich“: So sehen die Seebrucker die Lage

Sperrung der Alzbrücke Seebruck
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Seit 15. November ist die Alzbrücke in Seebruck gesperrt. Für Dr. Helmut Galneder kein Problem. Allerdings gibt es auch andere Meinungen von Seebrucker Bürgern. chiemgau24.de hat sich diesbezüglich umgehört.

Bis Herbst 2022 bleibt die Alzbrücke in Seebruck für den Verkehr gesperrt. Die marode Brücke wird peu à peu teilsaniert. chiemgau24.de hat sich am ersten Tag der Sperrung ein Bild von der Lage vor Ort gemacht und Meinungen der Seebrucker eingefangen.

Seebruck - Montagvormittag, 15. November: Die Chiemseegemeinde ist in nebulöse Schleier gehüllt, das Bayerische Meer in einen tiefen Grau-Ton getränkt. Hier und da vernehmen wir den schrillen Schrei eines Blässhuhns, das mit seinem weiß-schwarzen Kopf auf der Chiemsee-Oberfläche sanft in den Wellen schaukelt - in ein paar Metern Entfernung zu seinen gefiederten Kollegen.

Auf der Alzbrücke herrscht Ruhe. Die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm? Bauzäune säumen die gesamte Länge der Brücke. Auf einem grellen gelben Schild steht „Betreten der Baustelle verboten“. An den Enden der Brücke stechen weiß-rote Leitbaken mit blinkenden Lämpchen ins Auge. Weitere Schilder weisen auf die gesperrte Brücke bis Herbst 2022 sowie Sicherheitsinformationen für Fußgänger und Radfahrer hin.

Die meisten Autos drehen an den Baken wieder um

Seit 7 Uhr morgens ist die Alzbrücke für den motorisierten Verkehr gesperrt, bestätigt uns ein Bauarbeiter, der mit einer orangenen Warnweste bekleidet gerade einen der Baken gerade rückt. „Ein paar Autos haben sich bisher verirrt, die aber gleich wieder umgedreht sind. Größere Orientierungsprobleme von Lkw oder Transportern gab es bislang nicht“, bestätigt er uns auf Nachfrage, während ein Peugeot-Fahrer mit Rosenheimer Kennzeichen an der Ecke zum „Hotel Wassermann“ einbiegt und mit einem Blick auf die Absperrung unverrichteter Dinge wieder kehrt macht.

Von beiden Seiten ist die Alzbrücke für den Verkehr abgeriegelt - bis Herbst 2022.

Der Weg für den Verkehr führt nurmehr über eine große Umleitung auf die andere Straßenseite. Passierbar bleibt die Brücke lediglich für Fußgänger und Radfahrer - und das bis Herbst kommenden Jahres.

Transport von Geschäft zum Kunden per Lastenfahrrad über die Brücke

„Eine Katastrophe“ in den Augen von Longin Penkner. Ihm gehört das Geschäft „Elektrotechnik Sedlmeier“ auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke in der Haushoferstraße. „Die meisten Großkunden befinden sich aber auf der anderen Seite - für uns logistisch ein Wahnsinn“, erklärt er, während er mit dem Finger auf die gesperrte Brücke deutet und wild gestikuliert.

„Wir haben da Parkplätze gemietet und transportieren alles mit einem Lastenfahrrad, den Weg über die Brücke dürfen wir ja noch nutzen. Die Umleitung fahren wir nicht. Nun wird sich zeigen, ob und wie sich das in der Praxis über so viele Monate hinweg bewährt.“

Während wir uns mit dem Geschäftsinhaber unterhalten, hätte uns beinah ein Rennradler in voller Sportlermontur umgefahren: Ohne groß zu bremsen prescht er auf die Brücke zu - direkt vorbei an dem Hinweisschild „Radfahrer absteigen“. Mit einem raschen Sprung auf die Seite lassen wir ihn vorbei, ehe es noch zu einem Zusammenstoß kommt.

„Die Radler nehmen gar keine Rücksicht“, kommentiert Penkner den Vorfall kopfschüttelnd. „Da müssen‘s als Fußgänger schon gscheid aufpassen, dass nichts passiert. Sämtliche Hinweisschilder werden da ignoriert und ans Absteigen denkt kaum einer.

„Radfahrer absteigen“ - Der Hinweis wird bislang noch selten beachtet.

Zu Fuß oder mit dem Klapprad zum Auto auf die andere Seite

Eine ganz andere Meinung hingegen vertritt Dr. Helmut Galneder. Er besitzt eine Zahnartzpraxis in Palling, wohnt in der Römerstraße in Seebruck und marschiert gerade gemütlichen Schrittes mit einem Lächeln im Gesicht über die Alzbrücke, um zuhause Mittagspause zu machen. Genau in dem Moment fragen wir ihn, wie er zur Sperrung der Brücke steht.

Ich nehm‘s sportlich, weil ich bisher jeden Tag mit dem Wagen zur Arbeit gefahren bin. Nun steht mein Auto auf der anderen Seite, da gehe ich jetzt jeden Tag zu Fuß an der frischen Luft durch Seebruck und über die Brücke und fahre von da aus in die Arbeit. Ich habe mir sogar extra ein Klapprad angeschafft, das wird ab morgen im Einsatz sein“, erzählt er augenzwinkernd.

„Die Gemeinde stellt uns Pendlerparkplätze zur Verfügung und mir taugt das. Wahrscheinlich wird mir der tägliche Fußmarsch oder das Radfahren nächstes Jahr fehlen, wenn die Brücke saniert und wieder geöffnet ist.“

Die Alzbrücke in Seebruck ist mehrere Monate lang nur für Fußgänger und Radfahrer passierbar.

Für Pendler „gscheid nervig“

Der Seebrucker Ingo Niedermayer wohnt wie Dr. Galneder auf der „richtigen“ Seite, wie er sagt. Er war neugierig, wie die Arbeiten auf der Brücke voranschreiten und macht sich mit dem Radl ein Bild von der Lage - doch noch ruhen die Arbeiten. „Ich erachte den Zeitplan für die Brückensanierung als ehrgeizig, sollte der eingehalten werden. Ansonsten habe ich persönlich kein Problem mit der Sperrung. Sie tangiert mich eigentlich nur, wenn ich nach Traunstein fahren möchte. Aber für andere, die täglich auf die andere Seite müssen oder für Pendler ist das schon gscheid nervig“, lautet seine Stellungnahme.

Für eine Mitarbeiterin in der Klinik „Chiemsee Winkel“ stelle die gesperrte Alzbrücke ebenfalls „keine direkte Beeinträchtigung“ dar. „Ich parke auf der anderen Seite und gehe einfach über die Brücke“, ruft sie uns im Vorbeigehen zu, ehe sie auch schon wieder verschwunden ist.

„Der Name ‚Seebruck‘ ist nun nicht mehr Programm“

Mitten auf der Brücke treffen wir ein älteres Ehepaar aus Tübingen, das hier drei Tage Kurzurlaub genießt. Ihre Blicke schweifen über den Chiemsee und die Blässhühner, die sich mittlerweile zahlreich versammelt haben, um auf der Seeoberfläche zu gründeln. Das Ehepaar war im vergangenen Jahr zum Radfahren im Chiemgau und hat sich bereits über die gesperrte Brücke gewundert.

Gestern sind wir noch drüber gefahren und heute sage ich zu meiner Frau, jetzt ist Seebruck geteilt“, erklärt der Mann mit einem Blick auf die Absperrung. Wir haben schon gehört, dass das fast ein Jahr gesperrt sein soll, das stelle ich mir gerade für die Seebrucker selbst schlimm vor. Der Name ‚Seebruck‘ ist nun nicht mehr Programm.“

„Warten wir bis zum Frühjahr, wenn die Touristen zahlreich kommen...“

Ein Anwohner aus Ischl ist ebenfalls aus Neugier auf die Brücke gekommen. Auf die Frage, wie er zur Sperrung steht, antwortet er mit leicht sarkastischem Unterton, es seien ja „nur elf Monate“. Im selben Moment führt er an, dass es seiner Ansicht nach „sinnvoll“ gewesen wäre, gleich mit dem Neubau der Entlastungsspange zu beginnen, als die marode Alzbrücke zu sanieren, um sie wieder für den Schwerlastverkehr zuzulassen. Doch auch ihm ist bewusst, dass das ob des laufenden Planfeststellungsverfahrens nicht so rasch gehe.

Darüber hinaus befürchtet er ein Verkehrschaos über die Umleitungsstrecken und für vor allem für den Ortsteil Truchtlaching. „Jetzt über die kalten Monate geht‘s ja noch, aber warten wir bis zum Frühjahr, wenn die Touristen zahlreich kommen...“. Den Satz lässt er offen stehen.

Ein gutes dreiviertel Jahr lang ist die Brücke im Herzen Seebrucks nur noch für Fußgänger und Radfahrer passierbar.

„Man kann sich aufregen oder man muss es so nehmen, wie es ist“

Eine Marquartsteinerin, die bei der Firma „Regnauer Fertighausbau“ arbeitet, kann dem Mann nur beipflichten: „Für mich ist das eine Voll-Katastrophe, denn ich muss täglich die Umleitung fahren. Es ist zwar klar, dass etwas gemacht werden muss an der Brücke, aber elf Monate sind für mich eine Herausforderung. Vom Büro aus kann ich beobachten, wie der Verkehr mehr wird.“

Ein Lob hat die Dame indes für die Gemeinde über: „Die Verwaltung ist sehr bemüht, mit Parkplätzen die Situation zu erleichtern und den Leuten so entgegenzukommen, das muss ich schon betonen. Über die Sperrung selbst bleibt mir nur zu sagen: Man kann sich aufregen oder man muss es so nehmen, wie es ist.“

mb

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