Wahlversammlung endet im Streit um neues Rathaus

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Die Umsetzung des beschlossenen Rathaus-Neubaus in Seebruck scheint sich zu einer „Never-Ending-Story“ zu entwickeln. Aus energetischen Kostengründen hatte man sich für einen Neubau und gegen eine Sanierung des alten Schulhauses (siehe Foto, 1950 in Betrieb gegangen, soll abgerissen werden) ausgesprochen. Über den Standort in der Ortsmitte sind sich fast alle einig, doch bei der Bauweise scheiden sich weiterhin die Geister. Sicher ist, dass die Seeoner Dienststelle aufgelöst wird und nach Seebruck kommt. Ob auch die Tourist-Info vom Anger in die Seebrucker Ortsmitte verlegt wird, steht noch nicht endgültig fest.

Seeon-Seebruck - Dass die Wahlveranstaltung der Freien Wählergemeinschaft Seebruck erst nach drei Stunden zu Ende war, lag an der hitzigen Diskussion über das geplante neue Rathaus

Dass die informative Wahlveranstaltung der Freien Wählergemeinschaft Seebruck (FWGS) erst nach knapp drei Stunden zu Ende war, lag vordergründig an der abschließenden hitzigen Diskussion über das in Seebruck geplante neue Rathaus, das die Gemüter der Bürger der Einheitsgemeinde ungemein bewegt.

"Rathaus betrifft uns alle"

Wenn dies nur das Vorspiel auf die Bürgerversammlungen vom 6. bis 8. März gewesen sein soll, kann man sich dort auf einiges gefasst machen. Und zwar nicht nur in Seebruck, sondern auch in den beiden anderen Ortsteilen Seeon und Truchtlaching, denn „das Rathaus betrifft uns alle, nicht nur euch Seebrucker“, echauffierte sich eine Truchtlachingerin. Nicht nur bei der Bauweise und Fassadengestaltung gehen die Meinungen nach wie vor auseinander, sondern auch die Standortfrage scheint nicht für alle entschieden zu sein.

„Der bisherige Standort ist vollkommen daneben“, schimpfte der Seebrucker Hotelier und ehemalige Gemeinderat Peter Stocker. Dort sei es viel zu eng für so einen „zweieinhalb Mal so großen Verwaltungspalast“. Das neue Rathaus müsse auch für alle Gemeindebürger gut zugänglich sein, so Stocker. Der geplante Neubau sei „nicht überdimensioniert“, erwiderte FWGS-Gemeinderat Josef Hölzl und verwies auf die Vorgaben des Raumprogramms. Jetzt das Fass der Standortfrage noch einmal neu aufzumachen, „halte ich für abwegig“, betonte Hölzl mit Verweis auf den eindeutigen Gemeinderatsbeschluss.

Wohin mit der Tourist-Information?

Über die zukünftige Unterbringung der Tourist-Information sei hingegen noch nicht abschließend entschieden. Beistand erhielt er vom FWGS-Ortsvorsitzenden Rudolf Mayer, dessen Ratskollegen Andreas Dorn und vom früheren Seebrucker Gemeinderat Heinz-Georg Plikat: „Lasst das Rathaus bitte mitten im Dorf, stellt es nicht aufs Feld“. Eine Lanze für die Bewahrung der charakteristischen Ortsmitte brach Dr. Alfons Regnauer, denn „um das malerische Ensemble von Kirche, Museum/Taverne und Rathaus beneiden uns allen Menschen“. Veränderbar sei nur noch der Architekten-Entwurf, denn der habe „alle schockiert“. Man habe vor der europäischen Ausschreibung nicht wissen können, dass solch ein Rathaus-Neubau von den Architekten „nur modern gedacht“ werde, rechtfertigte sich Dorn und stellte den Architektenwettbewerb in Zweifel.

Der Bürgermeisterkandidat der drei Freien-Wähler-Gruppierungen Sebastian Maier wiederholte seinen Standpunkt, dass er gegen eine Abfindung des Architekten sei, denn dies wäre Verschwendung von Steuergeldern. Auf die Frage von Gemeinderat Michael Regnauer (CSU), wie man denn beim Rathaus-Thema eine aktive Bürgerbeteiligung hätte umsetzen können, sprach sich der Bürgermeisterkandidat dafür aus, die Bürger in solchen wichtigen Sachfragen von Anfang besser einzubinden und mitzunehmen. Jeder müsse alles sagen dürfen und wenn dann alles wertfrei auf dem Tisch liege, gelte es Schnittmengen zu suchen. Solch eine offene Diskussionskultur müsse aber „über Jahre wachsen“, meinte Maier und sprach von einem „Lernprozess für Gemeinderat und Bürger“. Es laufe immer auf eine problematische Entscheidung hinaus, wenn alle drei Ortsteile betroffen seien, betonte Dritter Bürgermeister Rudi Mayer, der seit 18 Jahren im Gemeinderat sitzt.

Kompromiss ist schwierig

Über einen Kompromiss schimpfe am Ende jeder. Man müsse nun irgendwie schauen, „dass wir den Entwurf so geändert kriegen, dass er gefällt“, fügte Mayer stirnrunzelnd an. Der nach 24 Jahren aus dem Amt scheidende Bürgermeister Konrad Glück erklärte, dass die Standortuntersuchungen eindeutig das „Ergebnis Seebruck“ gebracht hätten. Die Gefahr sei groß gewesen, dass man alte Gräben in der Einheitsgemeinde wieder aufreiße. Dies dürfe auch in Zukunft nicht geschehen. Ein von der FWGS bevorzugtes neues Rathaus mit alter Fassade, „geht gar nicht“, meinte ein Seebrucker Architekt und verteidigte den modernen Entwurf seines Kollegen. Die Arbeit des Gemeinderates, der sich sechs Jahre mit dieser Rathaus-Thematik beschäftigt habe, dürfe jetzt nicht zunichte gemacht werden.

mmü

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