Baubeginn in rund zwei Wochen

Trotz Kritik: Wohn- und Nahversorgungsprojekt in Seeon kommt

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Große Banner machen bereits auf das zukunftsweisende Wohn- und Nahversorgungsprojekt am östlichen Ortseingang von Seeon aufmerksam. Mitte Mai soll mit dem Projekt begonnen werden. Neben einem Gebäude für medizinische Nutzung entsteht entlang der Altenmarkter Straße auch ein Wohngebäude mit zwölf Wohnungen.

Seeon-Sebruck - Im Rahmen der Ferienausschusssitzung im Truchtlachinger Bürgersaal wurde auch das geplante Wohn- und Nahversorgungsprojekt in Seeon thematisiert.

Als abenteuerlich bezeichnete Gemeinderat Sepp Daxenberger (CSU) in der Ferienausschusssitzung im Truchtlachinger Bürgersaal die Stellungnahmen von einheimischen Bürgern, die am geplanten Wohn- und Nahversorgungsprojekts in Seeon einiges zu bemängeln hatten. Unter anderem hatten sie im Zuge der Bauleitplanung, die in der Sitzung behandelt wurde, der Gemeinde eine Fehlplanung vorgeworfen und kritisiert, dass durch das Projekt das Orts- und Landschaftsbild ruiniert werde. Außerdem wurde der Gemeinde unterstellt, eine zweite Apotheke ohne Absprache mit der Inhaberin der im Ortskern etablierten Apotheke zu errichten. Daxenberger wies diese Behauptung entschieden zurück. 


„Die fehlende Informationspolitik am Anfang hat mich schon verwirrt“

Der Inhaberin der Kloster Apotheke, Liselotte Copei, sei seines Wissens angeboten worden, in das in dem Projekt integrierte Apothekengebäude rein zu gehen, sagte Daxenberger. Auf Nachfrage der Chiemgau Zeitung bestätigte Liselotte Copei, dass sie sowohl mit Bürgermeister Bernd Ruth als auch mit dem Bauherrn, Georg Brüderl, von der gleichnamigen Firma brüderl Architekten + Innenarchitekten Traunreut, Kontakt gehabt habe und dabei verschiedene Einstiegsmöglichkeiten durchgespielt worden seien. Allerdings sei der Kontakt erst zu einem Zeitpunkt erfolgt, wo die Planungen bereits angelaufen seien. „Die fehlende Informationspolitik am Anfang hat mich schon verwirrt“, beklagte die 66-Jährige. Als Alters- und gesundheitlichen Gründen habe sie jedoch entschieden, definitiv nicht in das Projekt mit einzusteigen. Außerdem spiele sie mit dem Gedanken, in den Ruhestand zu gehen: „Ich werde wahrscheinlich noch heuer aufhören.“ 

Gemeinderat habe sich einstimmig für Projekt ausgesprochen

Rückblickend auf den Entstehungsprozess des Projekts betonte Daxenberger mit Nachdruck, dass sich der Gemeinderat einstimmig für das Projekt ausgesprochen habe. Die Architektur sei in seinen Augen schlüssig und zeitgemäß. Dass das Projekt auch angenommen werde, zeuge von der Tatsache, dass bislang neun der insgesamt zwölf Wohnungen ausschließlich an Einheimische verkauft worden seien und für die restlichen Wohnungen gebe es bereits Bewerber. Auch das gewerbliche Gebäude für Arztpraxen und Dienstleister sei bereits voll belegt. „Das ist doch alles positiv, wir schaffen damit ein Gesundheitszentrum und Wohnraum für unsere Mitbürger.“ 


Dass die Wohnungen ausschließlich an Einheimische aus Seeon, Seebruck und Truchtlaching veräußert werden konnten und sich auch die einheimischen Ärzte dort niederlassen wollen, begrüßte auch die 2. Bürgermeisterin Martha Gruber (FW). Sie sei dem Projekt zunächst skeptisch gegenübergestanden fände es aber jetzt erfreulich, dass die Wohnungen ausschließlich an Familien aus dem Gemeindebereich veräußert werden konnten. Sorge habe ihr Anfangs der Abstand zum sogenannten Egelseegraben bereitet. Aber auch diese Sorge sei mit der jetzt überarbeiteten Planung ausgeräumt worden, sagte Gruber. Nach einer rund einstündigen „Vorlesestunde“ der eingegangen Stellungnahmen der Behörden und der Öffentlichkeit im Zuge der zweiten Auslegung der Bebauungsplanänderung, wurde der neue vorhabenbezogene Bebauungsplan „Seeon Ost“ als Satzung einstimmig verabschiedet. Ebenso genehmigt wurden die Bauanträge für die beiden Gebäude. 

Baubeginn steht nichts mehr im Wege

Somit steht einem Baubeginn auf dem rund 6.000 Quadratmeter großen Planungsgelände nichts mehr im Wege. Mit dem Projekt an der Altenmarter Straße am östlichen Ortsrand von Seeon sollen Wohnen und Nahversorgung in Einklang gebracht werden. Im westlichen Grundstücksbereich entsteht ein Wohngebäude mit zwölf Wohnungen, eine Tiefgarage und Carports. Östlich, in Richtung Kreisverkehr entsteht ein weiteres Gebäude für eine rein gewerbliche Nutzung, beispielsweise für Arztpraxen und andere Dienstleister. Um den Kreis des medizinischen Angebots zu schließen, ist zwischen den beiden Gebäuden an der Altenmarter Straße ein kleineres Gebäude für eine Apotheke vorgesehen. Anfangs war anstatt einer Apotheke ein kleines Café mit Bäckerei angedacht. 

Nach Angaben des Bauherrn werden in rund zwei Wochen die Bagger anrollen. Begonnen wird mit dem Gewerbebau. Sobald hier der Rohbau steht, soll parallel mit dem Wohngebäude begonnen werden. Mit der Fertigstellung des gewerblichen Gebäudes ist im August nächsten Jahres zu rechnen. Die Wohnungen können voraussichtlich Ende des Jahres 2021 bezogen werden. In einem dritten Bauabschnitt wird dann das Gebäude für eine mögliche Apotheke errichtet.

Gabi Rasch

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