Neues Projekt „St2095 Entlastungsspange Seebruck“

Ortsumfahrung für Seebruck - Erneuerung Alzbrücke soll nicht weiter verfolgt werden

Alzbrücke Seebruck.
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Die Alzbrücke in Seebruck.

Seeon-Seebruck - Die Alzbrücke soll saniert werden und hitzige Diskussionen über eine Lösung, wie man Seebruck zu einer Ortsumfahrung machen kann, entflammten im Seeon-Seebrucker Gemeinderat.

Das Ergebnis der Raumempfindlichkeitsanalyse, die Aufschluss darüber gibt, ob überhaupt eine alternative Trassen-Führung für eine Entlastungsspange in Seebruck realisiert werden kann, überraschte in der Sitzung des Seeon-Seebrucker Gemeinderats im Truchtlachinger Bürgersaal nicht. Wie zu erwarten war, liegt im gesamten Untersuchungsraum, der auf Anraten des Staatlichen Bauamtes Traunstein erweitert wurde, eine hohe Raumempfindlichkeit vor.

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand würde der zusätzlich untersuchte nördliche Korridor aus naturschutzfachlicher Sicht insbesondere im Hinblick auf den europäischen Gebietsschutz – Natura 2000 – den Korridor mit den vergleichsweise geringsten Raumempfindlichkeiten für eine Entlastungsspange von Seebruck darstellen. Dieser Korridor Nord entspräche aber in seinem Verlauf zu großen Teilen einer von der Seebrucker Bevölkerung vielfach geforderten Ortsumfahrung.

Wie der leitende Baudirektor des Staatlichen Bauamtes Traunstein, Christian Rehm, erklärte, sei eine Ortsumfahrung aber erst in der zweiten Dringlichkeit des Ausbauplans eingestuft. Nach der gutachterlichen Einschätzung wäre aber der Korridor Nord konfliktarmer als die drei innerhalb des Untersuchungsraumes ermittelten Korridore. Nun stelle sich die Frage, wie mit dem Ergebnis weiter umzugehen sei.

Denn politisch sei in einem ministeriellen Spitzengespräch vor rund zwei Jahren mit der Gemeinde Seeon-Seebruck festgelegt worden, dass die ursprünglich geplante Maßnahme „St2095 Erneuerung der Alzbrücke Seebruck“ aus der zweiten Dringlichkeit des Ausbauplans nicht mehr weiterverfolgt werden sollte und stattdessen ein neues Projekt „St2095 Entlastungsspange Seebruck“ geschaffen werden soll.

Um die Planungen für eine Entlastungsspange voranzutreiben, die unter Ex-Bürgermeister Bernd Ruth angestoßen wurde, wurde das Büro Schober in Freising mit einer Raumempfindlichkeitsanalyse beauftragt. Dabei wurden drei mögliche Korridore für eine weitere Prüfung im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsstudie gefunden. Nach Angaben von Simon Schober habe sich bei der Untersuchung der Korridore relativ schnell herausgestellt, dass beim nördlichen Korridor die geringste Raumempfindlichkeit zu erwarten wäre.

Die Ergebnisse der Untersuchung sowie eine gutachterliche Einschätzung über einen möglichen konfliktärmeren Korridor, der sich wie oben angeführt, teils außerhalb des bisherigen Untersuchungsgebietes nördlich des Gewerbegebietes erstreckt und in der Sitzung vom Büro Schober präsentiert wurde, können auf der Homepage des Staatlichen Bauamtes eingesehen werden.

Nach Angaben der Verwaltung sei mit dem Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr vereinbart worden, dass das Büro Schober zunächst auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse eine gutachterliche Einschätzung darüber abgeben solle, zu welchem Ergebnis eine Umweltverträglichkeitsstudie aller Wahrscheinlichkeit führen würde. Diese Einschätzung wird nach Aussagen von Bürgermeister Martin Bartlweber in Kürze vorliegen und dann an das Staatliche Bauamt weitergeleitet werden.

Dann werde auf ministerieller Ebene beraten und entschieden, wie das weitere Vorgehen in Bezug auf eine Entlastungsspange Seebruck sein werde. Um aus Sicht der Gemeinde zu demonstrieren, dass an einer großen Lösung für eine Verkehrsentlastung in Seebruck vehement festgehalten wird, schlug der Bürgermeister vor, dies mit einer schriftlichen Erklärung noch vor Weihnachten an die Regierung von Oberbayern zu untermauern.

„Wir müssen als Gemeinde fordern, dass wir nicht mehr hin warten wollen“, forderte Michael Regnauer (CSU). Er erinnerte daran, dass eine Ortsumfahrung immer abgelehnt worden sei: „Wenn wir jetzt eine Umfahrung erreichen wollen, müssen wir in die Prioritätsstufe eins kommen“, sagte Regnauer. Ansonsten sehe er die nächsten 25 Jahre keine realistische Chance für eine Lösung.

„Wenn wir das jetzt nicht hinkriegen, ist eine Entlastungsspange für Seebruck gestorben“, meinte sein Fraktionskollege Sepp Daxenberger. Es sei auch ein klarer Auftrag der Bürger, die sich in einer Bürgerbefragung dafür ausgesprochen hätten, dass die Planungen für eine Entlastungsspange weiterverfolgt werden. „Wir müssen maximal dafür kämpfen, dass der Korridor Nord den künftigen Untersuchungen zugeführt wird“, forderte Dr. Christine Kosanovic (FW). Bartlweber unterstrich die Forderung seiner Fraktionskollegin. Auch er sehe durch eine Untersuchung des nördlichen Korridors eine große Chance für eine Umgehung, so Bartlweber.

Die Zwischenlösung heißt vorerst, dass, wie mehrfach berichtet, die bestehende Alzbrücke für mindestens 15 Jahre saniert und wieder auf 40-Tonnen aufgestuft wird. Florian Paukner vom Staatlichen Bauamt informierte über den aktuellen Sachstand. Die Vorabstimmungen mit den Fachbehörden seien zum größtenteils bereits abgeschlossen, sagte Paunkner. Während der Bauzeit, die sich zwischen Dezember 2021 und Herbst 2022 hinziehen werde, werde auf der Nordseite der Alzbrücke ein Fußgängerprovisorium aus Holz errichtet. Der Autofahrerverkehr muss in dieser Zeit umgeleitet werden.

Die ertüchtigte Brücke soll ihre bisherige Straßenbreite erhalten, dafür aber auf der Nordseite einen 2,85 Meter breiten Fahrradweg bekommen mit Anschluss an die Haushoferstraße im Ortsbereich Gaben. Mit dieser Lösung müssen dann die Fahrradfahrer aus Richtung Haushoferstraße die Fahrbahn nicht mehr überqueren, während in der Ortsmitte auf Höhe des Hotels Wassermann noch eine Lösung für die Querung des Fahrradverkehrs gefunden werden muss. Im Plan ist hier ein Fragezeichen eingezeichnet. Vorstellbar sei hier seitens des Staatlichen Bauamtes eine Ampellösung.

Die Vertreter der CSU können sich mit der Fahrradverkehr-Lösung aber nicht anfreunden. Sie plädieren dafür, dass der Fahrradverkehr aus Richtung Chiemsee-Rundweg auf der Südseite über die Brücke fortgeführt werden soll. Nach Angaben von Paunkner bräuchte man an der südlichen Anschlussstelle der Brücke Privatgrund, der aber nicht zur Verfügung stehe.

ga

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