Für Weltumseglung in Insolvenz getrieben

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Prien/Rosenheim - Für 120.000 Euro hatte ein 60-Jähriger ohne Wissen seines Vereins auf Clubkosten eine Yacht gekauft. Nun wurde er zu 15 Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Zu 15 Monaten Haft ohne Bewährung hat das Amtsgericht Rosenheim einen 60-Jährigen verurteilt, weil er auf Kosten eines Vereins, dessen Vorsitzender er war, ohne Wissen der Mitglieder eine 120000-Euro-Yacht gekauft hatte und nicht bezahlen konnte.

Lebenstraum Weltumseglung

Sein Leben lang hat der Angeklagte von einer Weltumseglung geträumt. Am Mittelmeer hatte er einen Segelclub gegründet, um seinem Ziel näher zu kommen. Dann war da diese Yacht, die seit Jahren regelmäßig in der Fachzeitschrift angeboten wurde. In einem Interview hatte der Eigner sogar angekündigt, das Schiff womöglich an einen Segelverein zu verschenken.

Als der 60-Jährige im Februar 2008 in Prien mit dem Eigentümer verhandelte, war von einer Schenkung allerdings keine Rede mehr. Der wollte 120.000 Euro für das Schiff, weil ihn der Zweimast-Seekreuzer seit Jahren enorm viel Geld in Form von Liegeplatzgebühren in Kroatien und Reparaturen gekostet hatte. Der Eigentümer kam dem Angeklagten insoweit entgegen, dass dieser den Preis in jährlichen Raten von 25.000 Euro erstatten könnte. Der Angeklagte fand einen weiteren Interessenten, mit dem gemeinsam er das Vorhaben stemmen wollte.

Als aber das Schiff dann am Mittelmeer aus dem Wasser gehoben wurde, verlor es für den zweiten Interessenten seinen Reiz. Es war zwar äußerlich elegant, aber fast 50 Jahre alt. Weil der Angeklagte alleine den Kauf unmöglich stemmen konnte, setzte er nun den Verein, dessen Vorsitzender er war, als Käufer ein und garantierte persönlich für die ordnungsgemäße Abwicklung.

Vercharterung sollte Raten einbringen

Sein Plan war es, mit der Vercharterung an die Vereinsmitglieder die jährlichen Raten erbringen zu können. Das war ein Trugschluss. Bereits die Liegegebühren fraßen den Ertrag wieder auf.

Im Oktober 2010 landete der 60-Jährige das Schiff in einem griechischen Hafen an und ließ es heruntergekommen, unversperrt und nur unzureichend gesichert zurück. Die Schiffspapiere sandte er zwei Tage später an den ursprünglichen Eigner mit dem Hinweis, wo dessen Schiff nun zu finden wäre.

Der schickte nun eine harsche Mahnung zum Verein. Dessen Mitglieder fielen aus allen Wolken. Sie waren samt und sonders der Meinung gewesen, der Angeklagte hätte sich persönlich dieses Schiff gekauft.

Weil der Verein, der zu diesem Zeitpunkt gerade mal 80 Euro in der Kasse hatte, nun auch herangezogen werden sollte, blieb den Mitgliedern nichts anderes übrig als Insolvenz anzumelden.

Angeklagter und Zeuger widersprachen sich

Vor Gericht beharrte der Angeklagte darauf, er habe von vorneherein den Vereinsmitgliedern reinen Wein eingeschenkt. Dem widersprachen aber alle Zeugen. Samt und sonders waren sie aus allen Wolken gefallen, als der Verein für den Kauf haften sollten.

Der Eigentümer widersprach auch der Behauptung, der Angeklagte habe ihm von vorne herein erklärt, dass er und der Verein das nötige Geld nicht hätten und durch Vercharterung die fälligen Raten beschaffen wollten. "Ich bin kein Idiot. Dass das nicht funktioniert, hätte ich ihm sofort vorgerechnet."

Eines der Clubmitglieder brachte seine Meinung über den angeklagten Vorsitzenden auf den Punkt: "Er ist ein Fantast und ein Weltmeister im Verdrängen."

Staatsanwalt forderte 22 Monate Haft

In seinem Schlussvortrag erklärte der Staatsanwalt, alle Vorwürfe seien bestätigt und auf Grund des hohen Schadens eine Haftstrafe von 22 Monaten angemessen. Weil der Angeklagte weder Einsicht und Reue erkennen ließe und darüber hinaus gar keine Anstrengungen zur Wiedergutmachung erkennen lasse, sei eine Bewährung ausgeschlossen.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Martin Proksch, führte aus, dass es sich um die erste Haftstrafe seines Mandanten handle und weil dieser einen solchen Fehler nicht wiederholen würde, seien zwölf Monate Haft ausreichend, und diese könnte auch zur Bewährung ausgesetzt werden.

Das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Jacqueline Aßbichler hielt 15 Monate Gefängnis ohne Bewährung für angemessen. au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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