Segensreiche Abkühlung für Kühe

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Wellness in Schützing: Die Kühe werden entweder mit einer gelben Bürste hinterm Ohr gekrault oder mit Sprühnebel besprengt (kleines Bild). Ganz nach der Devise: Fühlt sich das Rindvieh wohl, dankt es dem Bauern mit mehr Milch.

Chieming - Wohlfühlprogramm für die Kuh: Was sich im ersten Moment wie ein Scherz anhört, ist auf vielen Höfen schon Realität.

Denn die Landwirte wissen: Fühlt sich das Rindvieh wohl, dankt es dem Bauern mit mehr Milch. Wie ein Lindwurm schlängelt sich die kaum zwei Meter breite Asphaltstraße über die grünen Kuppen zum Weiler Schützing. Die Wiesen sind frisch gemäht, Kastanien, Buchen und Birken schaukeln ihre Blätter im Sommerwind, ein kleiner Bach plätschert unter der Straße hindurch. Hinter der letzten Kuppe taucht ein Bauernhof auf, wie man ihn aus den Prospekten der Tourismus-Büros kennt. An den braunen Balkonen hängen rote Geranien, rosa Tischdecken schmücken die Holztische vor dem Haus.

Seit über 140 Jahren ist der Hof am Ostufer des Chiemsees im Besitz der Familie Kirchmaier. Sieben Generationen haben von der Landwirtschaft gelebt, vom Ertrag der Felder, vom Holz aus dem Wald, von der Milch der Kühe. Im Jahr 1930 kam der Fremdenverkehr dazu, 15 Betten bieten die Kirchmaiers erholungssuchenden Städtern an. Doch die wirkliche Revolution kam vor wenigen Monaten.

Jungbauer Franz Kirchmaier.

Auf 2500 Quadratmetern hat Jungbauer Franz Kirchmaier einen neuen Stall für seine Kühe gebaut. Massagen, Auslauf, weiche Matten und ein hocheffizientes computergesteuertes Melksystem: In puncto Komfort und in Sachen Funktionalität kann es der neue Stall mit einem Luxushotel oder einer modernen Fabrik aufnehmen.

Draußen brütet die Hitze über dem Chiemgau, doch in dem aus hellem, gemasertem Fichtenholz gebauten Stall ist es angenehm kühl. Einige der braun-weiß gefleckten Rinder zieht es trotzdem nach draußen. Duschen ist angesagt. Über einem Gatter vor dem Stall verlaufen silberne Rohre. Alle zwei Minuten entweicht den Stangen ein feiner Wassernebel. Fleckvieh-Dame Sophie genießt die Kombination aus Sonne und Regen im Stehen. Andere Kühe liegen faul da oder stehen mit nach oben gerecktem Kopf daneben. Nach dem Duschen ist einigen nach einem Nickerchen auf den extra weichen schwarzen Kunststoffmatten, wieder andere reiben sich genüsslich an einer der rotierenden gelben Bürsten.

So viel Luxus hat natürlich seinen Preis. Einen siebenstelligen Betrag hat die Familie in das neue Domizil ihrer Kühe investiert. "Es war kein einfacher Schritt", sagt der 24-jährige Kirchmaier. Doch in Zeiten, in denen es nur noch Dumping-Preise für Milch gibt, habe etwas passieren müssen. Mit dem neuen Stall könne er rentabler produzieren, sagt der junge Mann mit dem karierten Hemd. Erstens habe er jetzt mehr Kühe, zweitens seien sie zufriedener. Für Kirchmaier bedeutet das mehr Gewinn bei gleichem Arbeitsaufwand. Für den Jungbauern ist es eine Investition in die Zukunft. Schließlich sollen noch Kinder und Enkel von der Landwirtschaft leben können.

Der Agrar-Betriebswirt ist sich sicher, dass er auf dem richtigen Weg ist. Denn seitdem seine Kühe ihr Luxusdomizil bezogen haben, geben sie tatsächlich mehr Milch. "Man sieht ihnen richtig an, dass sie sich wohlfühlen", sagt Kirchmaier bei einem Rundgang durch den Stall. Der 24-Jährige hat eine enge Beziehung zu seinen Tieren. Geht es ihnen gut, geht es auch ihm gut. "Sonst braucht man das gar nicht machen", sagt er.

Das Herzstück der Anlage bilden die zwei Melkroboter. "Klack-klack, klack-klack": Monoton saugt die Maschine das weiße Gold aus den Zitzen von Kuh Sophie. Welten liegen zwischen der Gegenwart auf dem Kirchmaierhof und der Zeit, in der Franz Kirchmaiers Großvater seine paar Kühe noch per Hand gemolken hat. Doch den alten Zeiten trauern sie am Chiemsee nicht nach. Franz Kirchmaier ist Optimist: "Man muss immer nach vorne schauen."

Tobias Gehre/Chiemgau-Zeitung

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