Seit 50 Jahren als Nikolaus im Dienst

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Der Nikolaus besucht am liebsten die Kinder zu Hause.

Übersee - In diesen Tagen ist für Bischof Nikolaus überall "Hauptsaison". In Übersee feiert heuer ein ganz spezieller Nikolaus ein goldenes Jubiläum.

Seit 50 Jahren leistet er dort schon ununterbrochen seinen Dienst. Obwohl dieser Nikolaus schon etliche heutige Eltern und sogar Großeltern in deren Kindertagen beglückte und ihn jeder in Übersee kennt, will er sein Inkognito nicht lüften. "Berufsgeheimnis", sagte er und lächelt.

"Jedes Jahr im Advent, wenn am Kranz die erste Kerze brennt, dann geht Sankt Nikolaus von Haus zu Haus." Mit diesem Gedicht beginnt Bischof Nikolaus meistens seinen Besuch, der die Kinderwangen glühen und Herzen erbeben lässt. Heuer standen und stehen noch an die 80 Einsätze in fünf bis sechs Tagen in seinem Terminkalender.

Der Nikolaus legt Wert auf die Feststellung, dass er der heilige Bischof ist und nicht etwa der Weihnachtsmann. Das zeigten auch die Mitra auf seinem Kopf, sein besonderes Gewand und der Bischofsstab. Der Legende nach hat er nachts drei armen Mädchen einen Goldklumpen vor die Tür gelegt. Überhaupt zielte sein Wirken immer darauf ab, Kinder zu beglücken, und zwar meist im Verborgenen. Der Bezug zu Weihnachten war dabei eher zufällig.

Der Überseer Nikolaus begann seine "Laufbahn" bereits als junger Student. Seine damalige Motivation: Ein "Zubrot" für sein Studium zu verdienen und gleichzeitig Kindern eine Freude zu machen. Letzteres sei auch heute noch seine Antriebsfeder, gesteht der Nikolaus, der fast 40 Jahre lang als Lehrer die Schulanfänger betreut hat.

Das Markenzeichen des Überseer Nikolaus ist sein echter weißer Vollbart, den er sich seit 35 Jahren jedes Mal extra für sein "Heiligen"-Dasein wachsen lässt. "Seit Juli wird der Bart jedes Jahr nicht mehr rasiert", sagt er. Nach den Nikolaustagen aber freue er sich immer schon auf den Friseurbesuch.

Die Einsätze vom Nikolaus - im Rekordjahr hatte er 120 zu bewältigen - beschränken sich zwar überwiegend, aber nicht ausschließlich auf Übersee. "Ich bin noch niemals ausgefallen", sagt der Nikolaus nicht ohne Stolz. "Schließlich darf ein Heiliger ja nicht krank sein."

Ganz wichtig ist auch ein guter Fahrer mit genauesten Ortskenntnissen. "Da habe ich in den vielen Jahren schon viele verschlissen", schmunzelt der Nikolaus. Seit fast 20 Jahren ist er überwiegend mit der Jugendbeauftragten Erika Stefanutti unterwegs. "Für jeden Einsatz ist etwa eine Viertelstunde vorgesehen, und so ist der Zeitdruck groß. Das stresst mich am meisten, denn ich würde oft gerne länger bleiben", sagt der Nikolaus.

Ein Stressfaktor ist mit den früher langen Wartezeiten an der geschlossenen Bahnschranke im Ortszentrum nun weggefallen.

Mit Schmunzeln denkt er an viele Erlebnisse zurück. So habe er mal an einem Abend drei Autos benötigt. Eins war im Schnee steckengeblieben, ein anderes sprang nicht mehr an, und erst das dritte brachte ihn zu seinem (verspäteten) Einsatz.

Bis auf sein Anfangsgedicht hat der Nikolaus für seinen Auftritt kein festes Ritual. "Das kommt ganz auf die Situation an." Meist haben die Eltern vor der Haustüre kleine Zettel mit Lob und Tadel sowie Geschenke für die Kinder vorbereitet.

Generell ist er mit der Wertschätzung für den heiligen Nikolaus in der heutigen Zeit sehr zufrieden: "In den 1960er-Jahren wurde ich noch bei laufendem Fernseher und als Lückenbüßer für Erziehungsprobleme missbraucht. Viele Kinder hatten damals Angst vor mir, haben sich versteckt und geweint, und es war schwer mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Heutzutage nehmen sich die Familien mit Liedern und Hausmusik oft sogar Zeit für eine schöne kleine Feier. Die Kinder freuen sich, sind aufgeschlossen und zupfen schon mal an meinem Bart."

Natürlich ist der Nikolaus in Übersee immer ausgebucht. Die ersten Anfragen kommen schon im Sommer.

Seine "Gage" sind freiwillige Spenden. Und die hat der heilige Nikolaus - bis auf die ersten drei Studentenjahre - allesamt gespendet, anfangs für die Caritas im Ort und seit etwa 20 Jahren für die beiden Kindergärten.

Abschließend erzählt er noch ein lustiges Erlebnis von einer Begegnung mit zwei etwa zehnjährigen Buben mitten im Hochsommer. Sie hatten an seine Autoscheibe geklopft, als er gerade losfahren wollte und gefragt: "Gell, du bist doch der Nikolaus?" "Ja, freilich", hatte er geantwortet. "Und, seid ihr auch immer schön brav gewesen?" Ja, ja, hätten sie erschrocken gesagt und seien blitzartig davon gerannt. In Übersee ist der Nikolaus sogar im Sommer allgegenwärtig...

Bärbel vom Dorp (Chiemgau-Zeitung)

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