Ab 17. September rollt der Nachtexpress

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Prien - Gute Nachricht für Nachtschwärmer, die kein Auto haben oder auch mal etwas trinken wollen: Ab 17. September fährt von Bad Endorf ein Nachtexpress nach Übersee.

Dort haben die jungen Leute Anschluss an die Linie nach Traunstein. Nachts geht es auf dem gleichen Weg zurück. Auf die Räder gestellt hat die neue Linie der Priener Jugendrat.

Über ein Jahr lang hat Jugendratsvorsitzender Lukas Seebrecht Klinken geputzt und Gelder eingesammelt. Zuletzt hatte nach Prien, Bernau und Bad Endorf der Gemeinderat von Rimsting grünes Licht für einen Zuschuss gegeben und damit die letzte Lücke in der finanziellen Kalkulation geschlossen.

Jetzt ist so gut wie sicher, dass der Nachtexpress am Samstag, 17. September, seine Jungfernfahrt machen wird. Der Konzessionsantrag, also die Genehmigung der neuen Linie, muss nur noch bei der Regierung abgesegnet werden. Das scheint eine Formalie zu sein.

Dann kann ein Bus der Bad Endorfer Firma Hofstetter - sie hatte laut Seebrecht bei der Ausschreibung das günstigste Angebot abgegeben - mit rund 60 Sitzplätzen zunächst für ein Jahr auf Probe immer freitags und samstags Fahrt aufnehmen.

Damit haben junge Leute aus Bad Endorf, Rimsting, Prien und Bernau die Möglichkeit, ohne Auto nach Traunstein mit seinen Clubs und Diskotheken zu kommen - und vor allem nachts wieder zurück, wenn das mit dem Zug nicht möglich ist, weil keiner fährt.

Die vier Gemeinden, in denen Haltestellen eingerichtet werden, zahlen zum Betrieb der Linie dazu. Den Löwenanteil trägt Prien, aber auch der Landkreis Rosenheim schießt ein Drittel der Kosten von insgesamt weit über 20.000 Euro für ein Jahr (ohne Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf) zu. Hans Zagler von der RoVG (Rosenheimer Verkehrsgesellschaft, angesiedelt im Landratsamt) hatte Seebrecht vor allem auch bei der Überwindung bürokratischer Hürden tatkräftig unterstützt.

Der Fahrpreis ist mit pauschal zwei Euro erschwinglich, egal, ob jemand von Bad Endorf bis nach Übersee mitfährt oder "nur" von Prien nach Aschau in den "Eiskeller". Denn auch diese Diskothek wird angefahren - geplante Abfahrt in Prien: 23.50 Uhr, Ankunft am "Eiskeller: 0.20 Uhr). Und wer dort eine Fahrkarte vorlegt, soll dafür einen Getränkegutschein über 3,50 Euro bekommen, verriet Seebrecht der Chiemgau-Zeitung.

An der Endhaltestelle in Übersee können die Nachtschwärmer umsteigen in den "Achental-Nachtexpress" nach Traunstein. Der kostet Seebrecht zufolge für Hin- und Rückfahrt vier Euro. Auch auf der nächtlichen Rückfahrt ist Übersee Umsteigestation. Der Fahrplan des neuen "Nachtexpress Chiemgau" wurde so geplant, dass es beim Umsteigen keine langen Wartezeiten gibt.

Nun will der Jugendrat für seinen Nachtexpress in Schulen und Jugendtreffs mit "Flyern" kräftig die Werbetrommel rühren. Denn von den Fahrgastzahlen hängt ab, ob die Linie nach einem Jahr Probebetrieb zu einer festen Einrichtung wird. Dass die Chancen dafür gut stehen, lässt die Resonanz im Internet-Netzwerk "Facebook" erahnen. Denn unter der Adresse www.facebook.com/Nachtexpress.Chiemgau hat die Linie schon über 100 "Freunde" gefunden, also junge Leute, die dieses Angebot gut finden und es deshalb vielleicht wohl ab und an auch nutzen werden.

Neben der guten Nachricht vom wahrscheinlichen Starttermin des "Nachtexpress" gab es bei der Sitzung des Jugendrats dieser Tage in der "Teestube" aber auch eine schlechte. Die Veranstaltung "Rhymes & Kickflips", die der Jugendrat am letzten Schultag vor den Sommerferien im Sportpark auf die Beine gestellt hatte, endete mit einem Minus von über 2000 Euro. Das Defizit muss aus dem gemeindlichen Etat für Jugendarbeit gedeckt werden.

Zwar füllte sich die Anlage zum Skater-Wettbewerb am Anfang, aber dann machte einsetzender Regen den Organisatoren einen "nassen" Strich durch die Rechnung - die allermeisten Besucher suchten das Weite.

Am Abend kamen zwar laut Gitti Plank, Leiterin der offenen Jugendarbeit, rund 200 junge Leute zum Konzert ins "Atrium". Trotzdem blieb der Getränkeumsatz, der die Kosten decken sollte, weit hinter dem von 2009 zurück, als die Veranstaltung erstmals auf die Beine gestellt worden war.

Unabhängig vom wetterbedingten Misserfolg sind Jugendrat, Priens Jugendreferentin Ella Pelzl und Plank entschlossen, "Rhymes & Kickflips" auch 2012 wieder durchzuziehen. Dabei setzen sie auf die erneute tatkräftige Unterstützung von Hauptorganisator Gregor Bodler und Sportpark-Platzwart Thomas Jirka, der auch heuer schon sachkundig entscheidend dazu beigetragen habe, dass alles funktioniert, lobte Pelzl.

Welche Jugendratsmitglieder aber im nächsten Jahr bei der Organisation mithelfen, steht noch in den Sternen. Seebrecht, der vor dem Studium im November für ein halbes Jahr nach Neuseeland geht, und seine Stellvertreterin Nadine Jochim, die eine Ausbildung in München beginnt, stehen auf alle Fälle nicht mehr zur Verfügung.

Der erste Versuch, neue Mitglieder für das Gremium zu gewinnen, war im Februar im großen Kursaal abgeblasen worden, weil zu wenig junge Leute gekommen waren, obwohl die Gemeinde alle jungen Priener von 14 bis 19 Jahren persönlich angeschrieben und eingeladen hatte.

Nun will der amtierende Jugendrat mit Unterstützung der Verbindungslehrer der örtlichen Schulen einen neuen Anlauf starten, um Mitte Oktober eine Neuwahl abhalten zu können.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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