Wo sind die Singvögel?

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Prien - Manche Tierfreunde machen sich in diesem Winter Sorgen, weil die Vögel in ihren Futterhäuschen aus unerklärlichem Grund ausbleiben.

So wandte sich eine Leserin aus Prien an die Redaktion, die im Sommer und Herbst noch viele Singvögel in ihrem und den Nachbargärten beobachten konnte. "Doch seit dem Einbruch des Winters bleiben die Futterhäuschen ohne Besuch, die Vögel sind weg. Unterdessen habe ich mich erkundigt bei Freunden und Bekannten zwischen Rosenheim und Prien und sie haben die gleiche Beobachtung gemacht. Das Futter liegt unberührt im Kasten", schreibt sie.

Auch bei Dr. Michael Lohmann, führender Ornithologe am Chiemsee, hatten sich Vogelliebhaber mit ähnlichen Beobachtungen gemeldet, bestätigte er auf Anfrage. An Lohmanns eigener Futterstelle in Übersee konnte der Vogelkundler keine Veränderungen feststellen.

Gleichlautende Meldungen aus Teilen Bayerns bekommt auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV). Eine mögliche Erklärung lieferte dessen Pressesprecher Alf Pille auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung. "Ein plötzlicher Kälteeinbruch mit stärkeren Schneefällen kann dazu führen, dass Vögel Winterfluchten vollziehen und sich in etwas mildere Gebiete begeben. Das betrifft alle Arten und ist kein Zugverhalten im eigentlichen Sinn, sondern eben nur eine lokale Flucht vor dem schlechten Wetter. Sie kommen dann nach einer gewissen Zeit wieder zurück, zum Beispiel mit einer Warmfront."

Ein Indiz, dass Vögel aus der hiesigen Region vorübergehend in wärmere Gegenden "geflüchtet" sind, liefert auch die bisherige Auswertung der bayernweiten Zählaktion "Stunde der Wintervögel" des LBV. Pille zufolge liegen Land- und Stadtkreis Rosenheim mit einer Anzahl der Vögel pro Meldung von 38 beziehungsweise 31 deutlich unter dem bayernweiten Durchschnitt von 42.

db/Chiemgau-Zeitung

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