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Bayerns ältestes Kloster

So gruselig ist es im wunderschönen Inseldom auf Herrenchiemsee

Der sanierte Inseldom ist wieder zugänglich. Mit seiner teils ruinenhaft Anmutung und bedeutenden archäologischen Funden bildet das Baudenkmal ein einzigartiges Zeugnis bayerischer Geschichte.
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Der sanierte Inseldom ist wieder zugänglich. Mit seiner teils ruinenhaft Anmutung und bedeutenden archäologischen Funden bildet das Baudenkmal ein einzigartiges Zeugnis bayerischer Geschichte.

Die Besucher im frisch sanierten Inseldom auf der Herreninsel im Chiemsee werden Zeugen einer wechselvollen Geschichte. Wer an einem der angebotenen Rundgänge teilnimmt, kommt um einen leichten Grusel nicht herum.

Herreninsel – Mehr als 104 Jahre lag der Inseldom auf Herrenchiemsee im Dornröschenschlaf. Nach dreijähriger Renovierungsphase, ist das Gebäude jetzt im Rahmen von Führungen zugänglich. Von einem „einzigartigen Monument bayerischer Geschichte“ spricht Friedrich von Daumiller aus Prien, Vorsitzender der Vereinigung der Freunde von Herrenchiem-see. Auf das von ihr herausgegebene Werk „Herrenchiemsee“ (Verlag Friedrich Pustet) wird auch beim geführten Rundgang immer wieder als Quelle verwiesen.

Die Heimat des ältesten Klosters

Dass der Inseldom einen einzigartigen Kulturschatz darstellt, wird im Rahmen des Rundgangs deutlich. Gleich nach dem Betreten spürt der Besucher, dass er hier Zeuge einer packenden Reise durch die Geschichte wird. Dank eines Stegs wandelt man über die Mauerreste von Ausgrabungen, die zwischen 1979 und 1989 stattgefunden haben.

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Wie Bauleiter Martin Bosch von der Bayerischen Schlösserverwaltung der Chiemgau-Zeitung erzählt, konnte der Grabungsleiter und damalige Chef der Prähistorischen Staatssammlung, Dr. Hermann Dannheimer, nachweisen, dass es hier bereits im frühen 7. Jahrhundert eine hölzerne Klosteranlage mit Kirche gegeben haben muss. Demnach ist die Herreninsel Heimat des ältesten Klosters in Bayern und würde einen entsprechenden Verweis des Geschichtsschreibers Aventinus (1477 bis 1534) bestätigen.

Neues Bistum Chiemsee

Wer die mit Löchern, herausgeschlagenem Mauerwerk und Durchbrüchen übersäten Wände studiert, glaubt schwerlich, in einer Kirche zu stehen. Nur Infotafeln erinnern an die Umbauten der Vorgängerkirchen, die dem 782 geweihten, frühmittelalterlichen Salvatormünster bis zum Komplettumbau zur Brauerei im frühen 19. Jahrhundert gefolgt sind.

1130 gründete Erzbischof Konrad I. von Salzburg an-stelle des alten Klosters ein Augustiner-Chorherrenstift, erklärt begleitend das umfassende Werk „Herrenchiemsee“. 1216 wurde die Stiftskirche Kathedrale und Sitz des neuen Bistums Chiemsees. Im 15. Jahrhundert hielt die Gotik Einzug, im 17. Jahrhundert der Frühbarock. Unter der Leitung des Graubündner Baumeisters Lorenzo Sciasca entstand zwischen 1676 und 1679 eine reich stuckierte Wandpfeilerkirche.

Leichter Grusel befällt den Besucher

Wer der Führung durch den heutigen, labyrinthartig wirkenden Bau folgt, fühlt sich von leichtem Grusel erfüllt – so auch der Autor dieser Zeilen. Grünlich schimmernde Wände und verkohlte Mauerreste einer früheren Heizung, tiefe Schächte, Treppen, Gewölbekeller und versteckte Eisenkessel machen die Brutalität des Umbaus im frühen 19. Jahrhunderts deutlich.

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„Wir haben die vorgefundene Situation als einzigartiges Baudokument und Ausdruck der damaligen Zeit bewusst so gelassen“, erläutert Bauleiter Martin Bosch.

Nach der Säkularisation kommt die Brauerei

Durch behutsame Restaurierung, Sicherung und barrierefreie Erschließung samt Aufzug und ausgeklügeltem Lichtsystem wurde der ehemalige Inseldom als „bedeutendes Zeugnis des Chiemsee-Bistums und der Klosterzeit, aber auch der Säkularisation“ der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

1818 erwarb der Münchner Großkaufmann Alois Fleckinger die Insel samt Dom und baute ihn zu einer Brauerei um. Er ließ die Türme abtragen, Zwischendecken einziehen und die Gräber der Chorherren ausräumen. Nach dem Erwerb der Insel durch König Ludwig II. übernahm der Staat den Betrieb.

Nach dessen Einstellung 1914 und dem Verkauf des Inventars blieb das Gebäude seit 1917 ungenutzt. Das zumindest ändert sich nun – mit den interessierten Teilnehmern der Führungen (siehe Infokasten) zieht wieder etwas Leben in die Gemäuer ein.

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