"Du sollst nicht wulffen"

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Gustl Lex alias "Bruder Guardian" erntete bei seiner Fastenpredigt in der "Post" Lachsalven.

Grabenstätt - Erst zwei gekonnte Schläge beim Anzapfen, dann ein Pointenfeuerwerk bei der Fastenpredigt: Beim Starkbierfest in Grabenstätt ging es Schlag auf Schlag.

Es ging Schlag auf Schlag beim Starkbierfest von Theater- und Musikverein Grabenstätt. Erst zapfte Bürgermeister Georg Schützinger mit zwei gekonnten Schlägen das erste Fass an, dann zündete Gustl Lex bei seiner Fastenpredigt ein Pointenfeuerwerk.

"Nachdem ja in Grabenstätt ein klösterliches Konvent ist, habe ich mich auf den Weg gemacht, um dort mal nach dem Rechten zu schauen", begrüßte Lex als "Bruder Guardian" die Zuhörer in der voll besetzten "Post". Die fünfte (Starkbier-) Jahreszeit sei ja seit alters her "die Zeit des Fastens und der Buße", mahnte er an, doch denke der konservative Vatikan mittlerweile ganz fortschrittlich über "Computer-Beichtstühle" nach. Auch der Beichtspiegel könnte schon bald um die Gebote "Du sollst nicht wulffen", "Du sollst kein falsches Rating abgeben" oder "Du sollst nicht guttenbergen" erweitert werden.

Papst, das sei was, "da kommst erst im Alter dran, hätte er doch auf Geistlicher studieren sollen", bezog sich "Bruder Guardian" auf Landrat Hermann Steinmaßl, der 2014 aus Altersgründen nicht mehr kandidieren darf. Derweil brächten sich bereits eine ganze Reihe potenzieller Nachfolger in Stellung. "Sie haben doch was vorzuweisen, nicht gerade große Worte, sondern Taten", umgarnte der zur Höchstform auflaufende Fastenprediger den "affärenlosen" Bürgermeister Schützinger.

Dank seiner Urlaube in Südtirol und am Mittelmeer sowie eines Ausflugs der Bürgermeister nach Helsinki sei Schützinger ja mittlerweile auch auf internationalem Staatsbankett zu Hause.

Angesichts eines 2011 durch die Gemeinde geisternden Flugblattes habe der Eindruck entstehen können, dass die Freien Wähler in den vergangenen drei Jahren die Gemeindepolitik alleine gestaltet hätten. Dass die anderen Fraktionen dabei "auch ein wenig mitgeholfen haben, dass der ,Fossil', der ,McDonalds', die Mückenbekämpfer und Jugendbetreuer gekommen sind", sei hingegen tunlichst verschwiegen worden. Womöglich habe man in der Hektik die Fußnoten vergessen, aber das sei ja schon ganz anderen politischen Hoffnungsträgern unterlaufen, bilanzierte Lex.

Die Volkskrankheit Vergesslichkeit habe anscheinend auch bei den Trachtlern Einzug gehalten, denn wie sei es sonst zu erklären, fragte sich der "Guardian", dass "die traditionsreiche Mettensuppen am Heiligen Abend nach der Christmette vergessen worden ist".

Demenz scheine sich zunehmend auch bei Prominenten wie Ex-Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher einzustellen, denn als dieser auf der Grabenstätter Umgehungsstraße geblitzt worden sei, habe er sich an nichts mehr erinnern können.

Dritter Bürgermeister Franz Wiesholler kümmere sich als "Außenminister" neuerdings auch um gute Beziehungen in die Golfregion, "denn wenn das künftige Fernwärmenetz in besonders kalten Wintern überlastet ist, muss dies dann von Ölbrennern aufgefangen werden".

Wer sich sein Öl nicht rechtzeitig sichere, dem könne es schon bald so ergehen wie dem TSV-Vorsitzenden Roman Metzner, denn dieser habe unlängst bei akuter Ölknappheit im Sportheim zu einer Sammelbestellung aufgerufen und sich dabei selbst vergessen. Seine private Ölheizung nahm ihm das übel.

Ein Ärgernis sei dem Vorsitzenden des Gartenbauvereins, Gerhard Wimmer, widerfahren, denn dessen geliebtes "Gemeine Heidekraut" sei auf der Verkehrsinsel von "frevelnder Diebeshand schmählich geerntet worden". Mit den Freien Wählern habe Wimmer dem inflationär auftretenden Indischen Springkraut den Krieg erklärt, doch ob der Feldzug gegen das übermächtige "Migrantenkraut" wirklich erfolgreich war, müsse sich erst noch erweisen.

Wenig erfreut zeigte sich Bruder Guardian darüber, dass "innerhalb eines Jahres zweimal der Postwirt abhanden gekommen ist".

"Schauts nach Oberammergau, da haben sie auch klein angefangen, jahrhundertelang kein Dach über dem Kopf gehabt und jetzt kommt eine halbe Million Zuschauer", machte er dem Theaterverein Mut, denn "ohne Wirt wird das Freilufttheater wohl zur Dauereinrichtung werden". Über die Aufführung des Theatervereins berichten wir noch gesondert.

mmü/Chiemgau-Zeitung

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